1.3 Die rationalistische Perspektive

Die folgenden drei Perspektiven (rationalistisch, mechanistisch und kybernetisch) bilden die “objektiven” Sichtweisen, kontrastierend zu den vorhergehenden “subjektiven” Sichtweisen. Sie haben alle den Gedanken gemeinsam, dass die Wahrheit eine objektive Existenz hat, die außerhalb der persönlichen oder sozialen Realitäten liegt. Entwicklungstheoretisch (und geschichtlich) ausgedrückt, kommt in diesen objektiven Perspektiven zum Ausdruck, dass wir uns als Individuen und als Gesellschaften irren können.

Schon allein aus diesem Grund ist es nicht überraschend, dass wir diese objektiven Perspektiven bei Menschen von außerordentlichem Intellekt und bei den Weitgereisten traditioneller Gesellschaften finden, und dass diese Perspektiven sich nur in Gesellschaften ausbreiten, die multikulturell ausgerichtet sind, besonders in den weltumspannenden Kulturen der letzten Jahrhunderte. Dennoch stehen diese Perspektiven nicht jedem offen und mancher wehrt sich auch dagegen. Gleichfalls dürfte uns nicht überraschen, dass ein Kind in der zweiten Hälfte seiner Grundschulzeit diese objektivistischen Qualitäten entwickelt.

Die rationalistische Perspektive schätzt Verstand, Logik, Technisches, Worte und, insofern sie hinreichend differenziert ist, die Mathematik. Es handelt sich um eine idealistische Perspektive, weil die objektive Wahrheit, die sie sucht, als im Verstand enthalten betrachtet wird. Jemand, der in der autoritären Tradition aufgewachsen ist und dann mit anderen sozialen Realitäten konfrontiert wird, wird zunächst wahrscheinlich nach Gemeinsamkeiten zwischen beiden sozialen Realitäten suchen, Gemeinsamkeiten, die den Worten und anderen symbolischen Zugangsweisen zu den Gesellschaften oder Kulturen innewohnen. Diese sind natürlicherweise psychologisch oder ideal.

Entwicklungstheoretisch betrachtet sind Kinder im Grundschulalter und junge Erwachsene mit ihrer bekannten Neigung zum Argumentieren und zum Idealismus die besten Beispiele. Geschichtlich sind die alten Griechen, besonders Pythagoras und Plato, die besten Beispiele, obwohl Aristoteles, mit seinem enormen Beitrag zum logischen Denken, kaum ausgegrenzt werden darf. Wir können auch die Rationalisten hinzuzählen – Descartes, Spinoza und Leibniz – doch viele ihrer Philosophien umfassen mechanistische, kybernetische und höhere epistemologische Qualitäten. Auch Piaget hat gewisse Qualitäten, die wir als rationalistisch bezeichnen können, doch diese werden durch andere höhere Qualitäten weiter ergänzt.

Zitation

Boeree, C. George (23. Mai 2007): Sieben Perspektiven: 1.3 Die rationalistische Perspektive, URL: http://www.social-psychology.de/sp/7p/23-die-rationalistische-perspektive

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