
1.4 Die mechanistische Perspektive
Die mechanistische Perspektive finden wir in der klassischen Wissenschaft: Obwohl sie Logik und Mathematik nicht geringschätzig gegenübersteht, betrachtet diese Perspektive Wahrheit als etwas, das in der Welt außerhalb des Verstandes entdeckt werden muss. Die Betonung liegt im Empirischen statt im Rationalistischen, materialistisch statt idealistisch. Im Grunde neigt diese Perspektive dazu, das Ideal schlecht zu machen, obwohl sie nach universellen Gesetzen sucht! Mehr noch als die rationalistische oder kybernetische verdammt diese Perspektive Subjektivismus am entschiedensten und strebt am nachdrücklichsten nach purem Objektivismus.
Da die Ziele der mechanistischen Perspektive die Unabhängigkeit von jeglicher Subjektivität umfassen, neigt sie dazu, sich auf die Quantität als der einzig relevanten Qualität, und auf Ursache und Wirkung zu konzentrieren, (selbst wenn es nicht als erforderlich zu gelten hat). Diese Betonungen wiederum machen die mechanistische Sichtweise bemerkenswert reduktionistisch, insbesondere wenn sie sich auf psychologische Phänomene bezieht.
Oft geht die mechanistische Sicht so weit, dass sie die Existenz nicht-materieller Qualitäten, sogar des Bewusstseins an sich, leugnet. Hier liegt ein starker Kontrast zur rationalistischen Sichtweise vor, die stattdessen dazu tendiert, die Materie schlecht zu machen, die sie für korrupt und degeneriert hält, manchmal lehnt sie sie komplett ab. Anders als die kybernetische und höhere Perspektiven, scheint die mechanistische Sicht die Widersprüche in dieser Ablehnungshaltung nicht zu bemerken, etwa die Einwirkungen des Betrachters auf das Betrachtete sowie die Natur des wissenschaftlichen Zugangs als einer Epistemologie. Für gewöhnlich resultiert dies in der Tendenz, ältere Erklärungsstrukturen durch die “Religion der Wissenschaft” zu ersetzen, ohne darauf zu achten, dass sie möglicherweise Wahrheiten enthalten – dies könnten wir als Szientismus bezeichnen.
Die mechanistische Weltsicht findet man am ehesten bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die in einer modernen Gesellschaft aufwachsen. Es ist eine jugendliche, lebhafte Perspektive, voller Kraft und praktischer Anwendungsmöglichkeiten. Viele Erfolgsgeschichten (und einige dunkle Geschichten) der modernen Welt gehen auf das Konto des mechanistischen Denkens.
Zitation
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