2.2 Entwicklung

Wie ich zuvor schon erwähnt hatte, lassen sich die genannten Perspektiven in einer Hierarchie von schlicht bis höchst ausgereift einordnen, auch wenn jede Perspektive ihre situativen Stärken und Schwächen hat. Nur unter den drei objektiven Perspektiven gibt es viel Raum für Diskussionen. Und wenn wir diese Taxonomie einmal für einen Augenblick außer Acht lassen, lässt sich in der Aufstellung eine Bewegung hin zu einem reichhaltigeren, komplexeren und umfassenderen Verständnis der Realität erkennen. Zumindest wenn die Person als gesund und im Prozess der Selbstverwirklichung befindlich gelten kann.

Ein Aspekt der Selbstverwirklichung ist eine Bewegung hin zur Komplexität über fortgesetzte Interaktion mit der Welt und eine Anpassung, wenn das eigene Wissen nicht ausreicht, diesen Aspekt bezeichne ich als elaboration (Ausarbeitung). Innerhalb dieser Bewegung lassen sich zwei “Momente” unterscheiden: Differenzierung und Integration.

In der Kindheit scheint die Differenzierung zu dominieren. Es ist wirklich die simple Notwendigkeit, zunächst Daten zu sammeln, bevor man sich mit deren Integration auseinandersetzen muss. Aus der Sicht Erwachsener wirken Kinder wie Schwämme, die jede Kleinigkeit in erstaunlicher Geschwindigkeit aufnehmen. Natürlich laufen parallel auch zahlreiche Integrationsprozesse ab, doch diese sind zunächst nicht so ausschlaggebend wie die schlichte Differenzierung.

Im Erwachsenenalter ist bereits ein Großteil der Differenzierung abgeschlossen, die unser Leben verlangt, jetzt wird die Integration zumindest bei den Erwachsenen wichtiger, die sich weiter mit der Ausarbeitung beschäftigen. In einer reichen und komplexen Gesellschaft wie unserer eigenen besteht ein immenser Druck, die Integration fortzuführen: Viele Erwachsene empfinden ein gewisses Maß an “Informationsüberlastung”, so dass die Reduzierung und Vereinfachung dieser Überlastung eine starke Motivation darstellt.

Nun zurück zu unserer Taxonomie der Perspektiven: es lässt sich eine grobe (und zwar wirklich nur eine grobe) Parallele zwischen den Perspektiven und Entwicklungsaltern aufzeigen: Die autistische ist die Phase des Säuglingsalters; die autoritäre die der frühen Kindheit; die rationalistische die der Kindheit; die mechanistische die der Adoleszenz; die kybernetische die der jungen Erwachsenen; die epistemische die des reifen Erwachsenenalters und die transzendentale Perspektive entspricht der Phase des Alters.

Zitation

Boeree, C. George (22. Mai 2007): Sieben Perspektiven: 2.2 Entwicklung, URL: http://www.social-psychology.de/sp/7p/32-entwicklung

angrenzende Kapitel:
|

© 1998-2008 Dr. C. George Boeree. All rights reserved.
© dt. 2006-2008: d.wieser für social-psychology.de. All rights reserved.