
08 Die Basalganglien
Die Basalganglien sind eine Sammlung von Nuclei, die sich beiderseits des Thalamus befinden, außerhalb und oberhalb des limbischen Systems, jedoch unterhalb des Gyrus cinguli und innerhalb der Temporallappen. Obwohl hier, wie im übrigen Gehirn, Glutamat der häufigste Neurotransmitter ist, spielt der inhibitorische Neurotransmitter GABA die wichtigste Rolle in den Basalganglien.
Die größte Gruppe dieser Nuclei wird als Corpus striatum (“gestreifter Körper”) bezeichnet, bestehend aus Nucleus caudatus (“Schweif”), Putamen (“Muschel”), Globus pallidus (“blasser Globus”) und Nucelus accumbens (“lehnend”). All diese Strukturen sind gedoppelt, ein Satz zu jeder Seite des zentralen Septum.
Der Nucleus caudatus liegt gleich hinter dem Frontallappen und windet sich zurück in Richtung Okzipitallappen. Er verschickt Botschaften an den Frontallappen (insbesondere an den orbitalen Cortex, gleich oberhalb der Augen) und scheint dafür zuständig zu sein uns darüber zu informieren, dass etwas nicht stimmt und wir etwas dagegen tun sollten: Wasch deine Hände! Schließ deine Tür ab! Wie diese Beispiele andeuten, ist ein überaktiver Nucleus caudatus wahrscheinlich an obsessiv-zwanghaften Störungen [engl.: obsessive compulsive disorder (OCD)] beteiligt. Andererseits kann ein zu wenig aktiver Nucleus caudatus an verschiedenen Störungen beteiligt sein, etwa an der Hyperaktivitätsstörung [engl.: ADD für Attention Deficit Disorder], Depression, Aspekten der Schizophrenie und schlichter Lethargie. Er ist auch am PAP Syndrom beteiligt, einem dramatischen Verlust der Motivation, wie erst neuerlich entdeckt wurde (vgl. unten).
Das Putamen liegt gleich unter und hinter der Vorderseite des Nucleus caudatus. Es scheint an der Koordination automatischer Verhaltensweisen wie Fahrradfahren, Autofahren oder Fließbandarbeit beteiligt. Probleme des Putamen könnten für die Symptome des Tourette-Syndrom verantwortlich sein.
Der Globus pallidus liegt innerhalb des Putamen, mit einem äußeren und einem inneren Bereich. Er erhält Input aus Nucleus caudatus und Putamen und liefert Output an die Substantia nigra (vgl. unten).
Der Nucleus accumbens ist ein Nucleus gleich unterhalb der vorgenannten Nuclei. Er erhält Signale aus dem präfrontalen Cortex (via ventrales Tegmentum) und schickt andere Signale via Globus pallidus dorthin zurück. Beim Input wird Dopamin verwendet, und viele Drogen steigern bekannter Maßen diese Nachrichten an den Nucleus accumbens beträchtlich.
Ein weiterer Nucleus der Basalganglien ist die Substantia nigra (“schwarze Substanz”). Sie befindet sich in der oberen Schicht des Mittelhirns unterhalb des Thalamus und erhält ihre Farbe von Neuromelanin, einem engen Verwandten des Hautpigments. Ein Teil (der Pars compacta) nutzt Dopaminneuronen, um Signale hinauf zum Striatum zu schicken. Die exakte Funktion ist nicht bekannt, doch man nimmt an, dass es um Belohnungskreisläufe geht. Auch die Parkinson-Krankheit ist auf den Tod von Dopaminneuronen in diesem Bereich zurück zu führen.
Der andere Teil der Substantia nigra (der Pars reticulata) besteht hauptsächlich aus GABA Neuronen. Die bekannte Hauptfunktion ist die Kontrolle der Augenbewegung. Auch dieser Teil spielt bei Parkinson eine Rolle, ebenso wie bei Epilepsie.
Wie Sie sehen, sind einige schwerwiegende Probleme stark mit den Basalganglien assoziiert. Einige, wie etwa Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom [engl.: attention deficit hyperactivity disorder (ADHD)], Tourette-Syndrom, obsessiv-zwanghafte Störung und Schizophrenie, werden in anderen Teilen dieses Textes abgehandelt. Andere Probleme sind irgendwie weniger psychologisch und mehr physisch bedingt, allerdings dennoch wichtig …
Zitation
- Basalganglien
- Erkrankungen
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