
07 emotionales Nervensystem
Natürlich ist das gesamte Nervensystem an Emotion beteiligt. Doch es gibt zwei Bereiche des Nervensystems, die besonders bedeutsam sind: Das limbische System und das autonome Nervensystem.
Das limbische System
Das limbische System ist ein komplexer Satz von Strukturen, die beiderseits und unterhalb des Thalamus liegen, gleich unter dem Cerebrum. Eingeschlossen sind Hypothalamus, Hippocampus, Amygdala und einige benachbarte Bereiche. Es scheint vornehmlich für unser Gefühlsleben verantwortlich zu sein und hat viel mit der Bildung von Erinnerungen zu tun. In dieser Zeichnung sehen Sie das Gehirn im Längsschnitt mit intaktem Hirnstamm. Der gezeigte Bereich des limbischen Systems ist jener entlang der linken Seite des Thalamus (Hippocampus und Amygdala) und gerade unter der Vorderseite des Thalamus (Hypothalamus):
Hypothalamus
Der Hypothalamus ist ein kleiner Bereich des Gehirns gleich unterhalb des Thalamus beiderseits des dritten Ventrikels. (Die Ventrikel sind Bereiche innerhalb des Cerebrum, die mit cerebrospinaler Flüssigkeit gefüllt und an die Rückenmarkflüssigkeit angeschlossen sind.) Er sitzt innerhalb der beiden Trakte des Sehnervs und gleich oberhalb (sowie eng damit in Verbindung stehend) der Hypophyse.
Der Hypothalamus ist einer der geschäftigsten Hirnbereiche, er arbeitet hauptsächlich an der Homöostase. Homöostase ist der Prozess, etwas wieder zu einem “Ausgleichspunkt” zurück zu führen. Es funktioniert wie ein Thermostat: Wenn Ihr Zimmer zu kalt wird, leitet das Thermostat diese Information an den Ofen weiter und schaltet ihn ein. Während das Zimmer sich erwärmt und die Temperatur einen gewissen Punkt überschreitet, sendet es ein Signal, welches den Ofen anweist, sich auszuschalten.
Der Hypothalamus ist für die Regulation von Hunger, Durst, Schmerzreaktion, Freude, sexueller Befriedigung, Wut, aggressivem Verhalten und mehr verantwortlich. Er reguliert auch die Funktion des parasympathischen und sympathischen Nervensystems, was wiederum bedeutet, er reguliert Dinge wie Puls, Blutdruck, Atmung und Erregung als Reaktion auf emotionale Rahmenbedingungen.
Der Hypothalamus erhält Input aus einer Reihe von Quellen. Aus dem Nervus vagus erhält er Informationen über Blutdruck und die Erweiterung der Verdauungsorgane (das heißt darüber, wie voll Ihr Magen ist). Aus der Formatio reticularis im Hirnstamm erhält er Informationen über Hauttemperatur. Vom Sehnerv erhält er Informationen über Helligkeit und Dunkelheit. Von Neuronen entlang der Ventrikel erhält er Informationen über den Inhalt der Rückenmarkflüssigkeit, eingeschlossen Toxine, die zu Erbrechen führen. Und von den anderen Bereichen des limbischen Systems und den olfaktorischen (Geruchs-) Nerven erhält er Informationen, die dazu beitragen, Nahrungsaufnahme und Sexualität zu regulieren. Der Hypothalamus hat zudem einige eigene Rezeptoren, die Informationen über Ionenbalance und Temperatur des Blutes geben.
Einer neueren Entdeckung zur Folge scheint es, dass es ein Protein namens Leptin gibt, das von Fettzellen ausgeschüttet wird, wenn wir zu viel essen. Der Hypothalamus nimmt offenbar den Leptinspiegel im Blutkreislauf wahr und reagiert, indem der Appetit herabgesetzt wird. Es scheint so, als hätten einige Menschen eine Mutation in einem Gen, das Leptin produziert, und ihre Körper können dem Hypothalamus nicht mitteilen, dass sie genug gegessen haben. Jedenfalls haben viele übergewichtige Menschen keine solche Mutation, also steht immer noch eine Menge Forschungsarbeit bevor!
Der Hypothalamus schickt auf zweierlei Weise Instruktionen an den übrigen Körper. Die erste geht zum autonomen Nervensystem. Dieses ermöglicht es dem Hypothalamus, ultimative Kontrolle über Dinge wie Blutdruck, Herzfrequenz, Atmung, Verdauung, Schwitzen und all die sympathischen und parasympathischen Funktionen zu haben.
Die zweite Art und Weise, auf die der Hypothalamus Dinge kontrolliert, ist via Hirnanhangdrüse. Sie ist neural und chemisch mit der Hypophyse verbunden, welche wiederum als Releasing-Faktoren bezeichnete Hormone in den Blutkreislauf pumpt. Wie Sie wissen, ist die Hypophyse die so genannte “Meisterdrüse”, und diese Hormone sind zur Regulation von Wachstum und Metabolismus lebenswichtig.
Hippocampus
Der Hippocampus besteht aus zwei “Hörnern”, die von der Amygdala rückwärts gebogen sind. Er scheint sehr wichtig dafür zu sein, dass Dinge, die Sie im Moment “im Kopf” haben (im Kurzzeitgedächtnis) in Dinge umgewandelt werden, die Sie auf lange Zeit erinnern werden (Langzeitgedächtnis). Wenn der Hippocampus beschädigt ist, kann man keine neuen Erinnerungen formen und lebt stattdessen in einer seltsamen Welt, in welcher alles, was man erlebt, einfach verblasst, selbst wenn ältere Erinnerungen aus der Zeit vor der Beschädigung unberührt bleiben! Diese sehr unvorteilhafte Situation wird in dem wunderbaren Film Memento ziemlich präzise porträtiert.
Amygdala
Die Amygdalas sind zwei mandelförmige Neuronenmassen beiderseits des Thalamus am unteren Ende des Hippocampus. Wird sie elektrisch stimuliert, reagieren Tiere mit Aggression. Und wenn die Amygdala entfernt wird, werden Tiere sehr zahm und reagieren nicht mehr auf Dinge, die sie zuvor in Rage versetzt hätten. Doch es gibt noch mehr als nur Wut: Wird sie entfernt, werden Tiere auch Reizen gegenüber gleichgültig, die ansonsten Furcht und sogar sexuelle Reaktionen hervorgerufen hätten.
Verbundene Bereiche
Abgesehen von Hypothalamus, Hippocampus und Amygdala gibt es noch weitere Bereiche in den Strukturen in der Nähe des limbischen Systems, die eng mit ihm in Verbindung stehen:
- Der Gyrus cinguli ist jener Teil des Cerebrum, der dem limbischen System am nächsten liegt, gleich oberhalb des Corpus callosum. Er bietet eine Bahn vom Thalamus zum Hippocampus, scheint für das Fokussieren der Aufmerksamkeit auf emotional bedeutsame Ereignisse verantwortlich sowie für die Verbindung von Erinnerungen mit Gerüchen und Schmerz.
- Das Septum, welches vor dem Thalamus liegt, hat Bereiche, welche Orgasmuszentren zu sein scheinen.
- Der Tractus tegmentalis centralis des Hirnstamms (gleich unterhalb des Thalamus) besteht aus Dopaminbahnen, die für Freude verantwortlich scheinen. Menschen mit Schädigungen in diesem Bereich haben Schwierigkeiten, Freude am Leben zu verspüren und wenden sich oft Alkohol, Drogen, Süßigkeiten und Glücksspiel zu.
- Die Basalganglien (eingeschlossen Nucleus caudatus, Putamen, Globus pallidus und Substantia nigra) liegen oberhalb und seitlich des limbischen Systems und sind eng verbunden mit dem darüber liegenden Cortex. Sie sind verantwortlich für repetitives Verhalten, Belohnungserfahrungen und das Fokussieren der Aufmerksamkeit. Wenn Sie mehr erfahren möchten, lesen Sie das Kapitel zu den Basalganglien.
- Der präfrontale Cortex, der Teil des Frontallappens ist, welcher vor dem motorischen Bereich liegt, ist ebenfalls eng mit dem limbischen System verbunden. Er spielt offenbar beim Nachdenken über die Zukunft eine Rolle, beim Pläneschmieden und Handeln, scheint allerdings auch an denselben Dopaminbahnen beteiligt wie der Tractus tegmentalis centralis und spielt eine Rolle bei Freude und Sucht.
Das autonome Nervensystem
Der zweite Bereich des Nervensystems, der eine besonders machtvolle Rolle in unserem Gefühlsleben spielt, ist das autonome Nervensystem. Das autonome Nervensystem besteht aus zwei Teilen, die vornehmlich gegeneinander wirken. Der erste ist das sympathische Nervensystem, welches im Rückenmark beginnt und zu einer Reihe von Gebieten im Körper führt. Seine Funktion scheint zu sein, den Körper auf jene heftigen Aktivitäten vorzubereiten, die mit “Kampf oder Flucht” assoziiert sind, das heißt, vor Gefahr davonlaufen oder sich auf Gewalt vorbereiten.
Die Aktivierung des sympathischen Nervensystems hat folgende Auswirkungen:
- erweitert die Pupillen
- öffnet die Augenlider
- stimuliert die Schweißdrüsen
- erweitert die Blutgefäße in großen Muskeln
- verengt die Blutgefäße im übrigen Körper
- erhöht die Herzfrequenz
- öffnet die Bronchien in der Lunge
- hemmt die Sekretion des Verdauungssystems
Eine der wichtigsten Funktionen ist, die Nebennieren zur Ausschüttung von Epinephrin (auch Adrenalin genannt) in den Blutkreislauf zu bewegen. Epinephrin ist ein wirkungsvolles Hormon, das verschiedene Körperpartien zu ähnlichen Reaktionen bringt, wie das sympathische Nervensystem. Im Blutkreislauf angelangt, braucht es eine Weile, um die Wirkung zu stoppen. Deshalb beansprucht es mitunter eine ganze Zeit, bis man sich beruhigt, nachdem man sich aufgeregt hat!
Das sympathische Nervensystem nimmt auch Informationen auf, zumeist bezogen auf Schmerz in inneren Organen. Weil die Nerven, welche Informationen transportieren, oftmals entlang derselben Bahnen verlaufen, die Informationen über Schmerz aus oberflächlicheren Körperbereichen transportieren, werden solche Informationen manchmal vermischt. Dies wird als Referred Pain bezeichnet, und das beste Beispiel ist der Schmerz, den manche Menschen in Schultern und Armen empfinden, wenn sie einen Herzanfall erleiden.
Der andere Teil des autonomen Nervensystems wird als parasympathisches Nervensystem bezeichnet. Es hat seine Wurzeln im Hirnstamm und dem Rückenmark des unteren Rückens. Seine Funktion besteht darin, den Körper aus dem Notfallstatus zurück zu holen, in welchen das sympathische Nervensystem ihn versetzt hatte.
Einige Einzelheiten parasympathischer Erregung umfassen …
- Verengung der Pupillen
- Aktivierung der Speicheldrüsen
- Stimulation der Magensekretion
- Stimulation der Aktivität im Verdauungstrakt
- Stimulation der Lungensekretion
- Verengung der Bronchien
- Verringerung der Herzfrequenz
Das parasympathische Nervensystem hat auch sensorische Fähigkeiten: Es erhält Informationen über Blutdruck, Kohlendioxidgehalt im Blut und so fort.
Es gibt eigentlich noch einen weiteren Teil des autonomen Nervensystems, den wir nicht so häufig erwähnen: Das enterische Nervensystem. Dies ist ein Nervenkomplex, der die Aktivität des Verdauungstrakts steuert! Wenn Sie Bauchweh oder bei Nervosität Schmetterlinge im Bauch haben, können Sie das dem enterischen Nervensystem zuschreiben.
Zitation
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