
05 zentrales Nervensystem
Das Rückenmark
Das Rückenmark verläuft von der Schädelbasis entlang der Wirbelsäule bis hinunter zum “Steißbein”. Die Neuronen findet man in einem H-förmigen Raum innerhalb der Wirbelknochen. Dort liegen motorische Nervenbahnen, die vom Gehirn ausgehen und sensorische Nervenbahnen,die zum Gehirn hin verlaufen. Sensorische Nerven verlaufen im hinteren Teil des “H” [engl.: dorsal roots], während motorische Neuronen aus den vorderen Teilen des “H” hervorgehen [engl.: ventral roots]. Interneuronen verbinden oftmals diese sensorischen und motorischen Neuronen.
Neben dem Versenden von Botschaften aufwärts und abwärts, vom Gehirn fort und zum Gehirn hin, hat das Rückenmark eine weitere wichtige Funktion: Reflexe. Im Grunde ist das bei sehr primitiven Tieren die Hauptfunktion des Rückenmarks.
Grundsätzlich ist ein Reflex die Verbindung von sensorischen Neuronen zu motorischen Neuronen via Interneuronen. Es gibt zum Beispiel Schmerzsensoren in Ihren Fingern. Wenn Sie Ihren Finger für eine Weile über eine Flamme halten, bringt der Schmerz motorische Neuronen dazu, Ihren Finger zurück zu ziehen. Es ist zutreffend, dass man diesen Reflex mit “Willenskraft” überwältigen kann, doch wie das Beispiel absichtsvoll klar macht, ist es nicht einfach!
Reflexe können viel mehr, als nur Ihren Finger aus dem Feuer zu ziehen: Ein Großteil der Bewegung wird durch Reflexe ermöglicht. Selbst neugeborene Babys haben bereits die fürs Gehen notwendigen Reflexe: Wenn Sie ein Baby halten und seine Füße sanft mit dem Boden in Kontakt bringen, wird es beginnen, schrittähnliche Bewegungen zu machen! Alles, was erforderlich ist, sind Muskelstärke, um stehen zu können, und natürlich eine Menge Training.
Das Gehirn
Das Gehirn wird traditionell in drei Teile aufgeteilt: Rhombencephalon [Rautenhirn], Mesencephalon [Mittelhirn] und Metencephalon [Hinterhirn].
Diese Zeichnung zeigt im Groben, wie es aussehen würde, wenn Sie Ihr Gehirn in der Mitte durchschneiden würden, wie man einen Mittelscheitel zieht. Die Vorderseite des Gehirns ist links, der hintere Bereich rechts.
Das Hinterhirn oder der Hirnstamm besteht aus drei Teilen: Der erste ist die Medulla, die eigentlich eine Ausdehnung des Rückenmarks ins Gehirn darstellt. Sie enthält neben Bahnen, die hinauf und hinunter, zu höher gelegenen Teilen des Gehirns hin und zurück führen auch einige der essentiellen Nuclei, die Atmung und Herzfrequenz steuern. Der obere Teil der Medulla enthält einen Komplex von Nuclei mit der Größe eines kleinen Fingers, der als Formatio reticularis [engl.: reticular formation] bezeichnet wird. Es ist das Regulationssystem für Schlafen, Wachen und Wachsamkeit.
Der zweite Teil ist Pons, was auf lateinisch Brücke bedeutet. Es sind vornehmlich Bahnen, die die beiden Hälften des nächsten Teils verbinden, der als Cerebellum bezeichnet wird.
Das Cerebellum, was im Lateinischen “kleines Hirn” bedeutet, ist in der Tat wie ein kleines Gehirn geformt, und es ist vornehmlich für die Koordination unwillkürlicher Bewegung verantwortlich. Man nimmt an, dass wenn Sie komplexe motorische Aufgaben erlernen, die Details im Cerebellum gespeichert werden.
Das Mittelhirn ist beim Menschen der kleinste Teil des Gehirns. Es verbindet das Hinterhirn mit dem Vorderhirn und enthält mehrere Pfade, die für Hör- und Sehsinn wichtig sind. Bei weniger hoch entwickelten Tieren ist dieser Teil wesentlich größer, ebenso beim menschlichen Fötus.
Der größte und für Psychologen interessanteste Teil des Gehirns ist das Vorderhirn. Es beginnt beim Thalamus, der praktisch im Zentrum Ihres Kopfes liegt. Der Thalamus ist wie eine Schaltanlage, leitet Signale vom Körper hinauf zu den relevanten Bereichen des höher gelegenen Gehirns weiter und vom Gehirn hinunter zu tiefer gelegenen Hirnregionen und dem Rückenmark.
Das Vorderhirn ist jedoch komplex genug, um ein eigenes Kapitel zu erfordern – eigentlich sogar zwei: eines für das limbische System und eines für das Cerebrum.
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