«Dreiviertel aller Geistesunkosten und Eitelkeitslügen, die, seitdem die Welt steht, von Leuten verschwendet wurden, deren Person dadurch immer nur Abbruch erlitt, haben Tieferstehenden gegolten.»
Proust
Periodika (engl.)
d.wieser, 16. Juni 07
Für mich kein Problem, und trotzdem die unendliche Geschichte mit der kognitiven Herausforderung: englisch lesen, nach deutsch umsortieren; nunja, das Englische beherrscht die E-Journal-Szene. Meine Favoriten …
American Journal of Psychiatry
Abgesehen davon, dass bei Stichproben tatsächlich alle Artikel als Volltext (sogar in pdf) zugänglich sind, bietet die Site alles, was sich der online Lesende wünschen kann: besonders hervorzuheben wäre die ausführliche Suchfunktion (ein echter Hammer an Funktionalität), selbst die Zeitschriftencover lassen sich im Archiv betrachten. Die Artikel selbst sind wiederum in größere onsite-Kontexte eingebettet, so erfährt man von thematisch verwandten Beiträgen, weiteren Beiträgen des jeweiligen Autoren, man kann sich eine graphische Darstellung der Quellenverweise ansehen oder sich über x verschiedene Änderungen per Email informieren lassen. Das Archiv reicht zurück bis 1844, wenngleich man zur Betrachtung dieser antiken Ausgaben registrierter Nutzer sein muss (das damalige Journal hieß noch “American Journal of Insanity”); erst ab 1997 kann man pdfs abgreifen. Eine Site voller optimaler Features, welche allerdings eine etwas gedehnte Ladezeit beanspruchen: weniger die Darstellung eines E-Journals als eine perfektionierte Workstation – weeeee.
» Host: psychiatryonline.org
Association for Psychological Science
Ausgehend von dieser Seite mit Linksammlung und kuriosen Medieninhalten gelangt man zu verschiedenen noch recht jungen Journalen, eingeschlossen der Observer; weiterhin: Psychological Science in the Public Interest verfügbar ab 2000 mit wirklich empfehlenswerten Artikeln.
Alle übrigen auf der Site gelisteten Artikel sind nur nach kostenpflichtiger Anmeldung zugänglich, wobei es verschiedene Varianten der Mitgliedschaft gibt… Grob gefasst hat die Seite für Unregistrierte eher wenig zu bieten (aber immerhin!), die thematische Auswahl ist mittelmäßig spezialisiert und inhaltlich professionell genug, um hier Erwähnung zu finden.
» Host: psychologicalscience.org
Australian Journal of Educational & Developmental Psychology (AJEDP)
Das Webjournal der australischen Universität Newcastle besticht zunächst durch sauber-aufgeräumtes Erscheinungsbild, sachliche Navigation und ein gewisses Understatement in der gesamten Aufmachung. Angesichts der Tatsache, dass Entwicklungspsychologie im Internet nicht eben zu den Rennern gehört, ist dies eine hochseriöse ernst zu nehmende Seite, die Studierenden und Fachleuten säuberlich recherchiertes und elegant als pdf präsentiertes Wissen vermittelt. Nachteilig ist, dass die Suchfunktion nicht das Journal durchsucht, sondern die gesamten Inhalte der Newcastle Unisite — °ugh° — da das Journal seit 2001 nur einmal jährlich erscheint, sind die Inhalte jedoch durchaus überschaubar. Meine Hochachtung!
» Host: newcastle.edu.au
Down-Syndrome Information Network
Zwar handet es sich bei dieser Site um ein wirklich umfassendes Informationsportal zum Downsyndrom, ich hebe hier aber das enthaltene E-Journal mit dem gewichtigen Titel Down Syndrome Research and Practice Archives hervor, denn seit 1993 wird dreimal jährlich eine Ausgabe publiziert, die es in sich hat: für Angehörige, Fachpersonal und Wissenschaftler fährt man hier (leider nur in englischer Sprache) ein schweres Informationsgeschütz auf, das meine Hochachtung verdient. Darüber hinaus ist die Site bis in den letzten Winkel nutzerfreundlich verlinkt, dokumentiert und googlestyle-suchbar — und was die Sache perfekt macht: die Site ist auch noch hübsch anzusehen. Zucker!
» Host: downsed.org
Electronic Journal of Human Sexuality
Seit 1998 findet man hier gewichtige Artikelsammlungen, Rezensionen zu Büchern, Musik, Videos und jede Menge Forschungsaufsätze auf hohem Niveau. Das Webangebot des Institute for Advanced Study of Human Sexuality in San Francisco, USA, publiziert nur einmal jährlich, dann aber mit der vollen Wucht von bis zu fünf Forschungsartikeln, einer kompletten Dissertation und acht umfassenden Medienrezensionen — alles auf Anhieb lesbar und verständlich. Man harrt gespannt der folgenden Editionen, würde ich meinen. Zum Stil fällt mir nicht viel ein: geht grad noch so, nicht schön aber funktionabel, wenngleich die berüchtigte Suchfunktion oder eine Autor- und Themaindizierung ein wirkliches Plus wäre. Zum Thema Sexualität läuft dieses E-Journal mit großer Wahrscheinlichkeit außer Konkurrenz. Kultverdacht!
» Host: ejhs.org
Electronic Journal of Sociology
Seit September 1994 mit stetig steigendem Aufgebot an wahrlich bestaunenswert weit gefächerten Beiträgen im Netz vertreten. In interdisziplinärer Weise wagen sich Autoren in Themengebiete wie europäische Identität, Cyberspace, Serienmord oder Kapitalismus vor. Irgendwie weiß man hier nie, was man finden wird, man kann aber sicher sein, dass die Texte auf prächtigem Niveau rangieren: Hier kann man recherchieren und lernen, versprochen.
» Host: sociology.org
Europe’s Journal of Psychology
Okay, dieses Journal hat den Sprung in die Kategorie nur knapp geschafft. Mich besticht vor allem, dass die Autoren tatsächlich einen gewissen europäischen Flair mitbringen, das Makeup der Site allerdings… Die Features sind so schlank gehalten wie die Site selbst, Artikelvorschau ohne Nennung der Autoren (da könnte man im Skript doch gleich mal … nee?), nix mit Download als pdf, nix Themenübersicht, nix Übersicht der vorhandenen Artikel, dafür aber sind alle an dem ruhmreichen Projekt Beteiligten (bis auf’s “scientific commitee”) mit Bild vertreten. Wer den Personenkult so fein verskripten kann, wird doch zum Wohle der Leserschaft frei schwebende Restenergie in die Surfbarkeit der Site stecken können? Das ist man den Autoren schuldig, finde ich.
» Host: ejop.org
Gestalt!
Die Macher dieser preisverdächtig gehaltvollen Website brauchen einen neuen Admin mit Drahtseilnerven — dann wird alles gut. Mein Navigationserlebnis begann damit, dass ich den sog. “Index” zuerst gar nicht decodieren konnte, doch dann die Erleuchtung: die erste Ausgabe von 1997 ist eine echte Herausforderung an Nutzerfreundlichkeit, über die Jahre wird die Lesbarkeit langsam optimiert und es bleibt ein formbeständiges Panoptikum (und das ist schier unverzeihlich). Über den “Topical Index” will ich erst gar kein Wort verlieren … Man wähnt sich auf der privaten Homepage eines zwölfjährigen Kindes, findet allerdings Informationen zur Gestaltpsychologie, die auf einiges an Herzblut und Kompetenz schließen lassen. Wer den Nerv hat, sich durch die Grütze zu quälen, wird belohnt. Vol. 6 No. 1 mit Themenschwerpunkt 9|11 zählt zu den ergiebigsten Ausgaben. Die Site offeriert Maildiskussionen mit Archiv, Linklisten, Foren … wow!
» Host: g-gej.org
Zitation
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27. Juni '07
Journal of Applied Social PsychologyDie monatlich erscheinende Fachzeitschrift bietet in der Online-Ausgabe frei zugängliche Beiträge zwischen 2003 und Januar 2005. » lesen ... |
29. Januar '08
Exotismus und XenophobieBeiden Konzepten ist gemeinsam, dass sie zunächst einmal auf (unbewusst wirksame) Bilder des Fremden zurück zu führen sind, die auf individualpsychologischer, sozialpsychologischer und kultureller Ebene als Vermeidungshaltungen Bedeutung erlangen. Für die Interaktionen zwischen Gruppen spielen Exotismus und Xenophobie als kulturell verankerte Bilder der Fremdgruppe und tief verwurzelte Bewusstseinsphänomene eine Rolle.
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30. Juli '07
Festinger & Carlsmith: Kognitive Konsequenzen erzwungener ZustimmungIn einer Zusammenfassung geben die Autoren Festingers Theorie der kognitiven Dissonanz folgendermaßen wider: Ist eine Person gezwungen, öffentlich eine Haltung zu vertreten, die der eigenen Haltung widerspricht, ist eine Neigung zur Meinungsänderung zu beobachten – die private Haltung wird der erzwungenen angeglichen. Je mehr Druck das öffentliche Verhalten bewirkt hat, desto schwächer fällt die Neigung zur Meinungsänderung aus. Quelle: Festinger, Leon & Carlsmith, James M.: Cognitive Consequences of Forced Compliance. in: Journal of Abnormal and Social Psychology, 58; 1959. (Host: yorku.ca) HTML » lesen ... |


