«Niemand liest etwas;
wenn er etwas liest, versteht er es nicht;
wenn er es versteht, vergisst er es sofort.»
Lemsches Gesetz
Stanislaw Lem: Eine Minute der Menschheit
Podcast: Vorurteile
d.wieser, 20. Dezember 07
Am 23. November war eine Episode des philosophischen Radio im WDR einem sozialpsychologischen Thema gewidmet. Jens Förster sprach von der Vorurteilsforschung, die er derzeit an der Uni Amsterdam betreibt.
Für jene, die sich zunächst mit den Erkenntnissen der Sozialpsychologie zum Thema Vorurteil vertraut machen möchten, ist dieser Podcast hilfreich. Nachteilig wäre wohl, dass eingangs Grunderkenntnisse und Differenzierungen des Themas zugunsten der Buchvorstellung des Herrn Förster zu knapp kommen. Nach Zuhöreranfragen klären sich erst nach und nach die seltsamsten Zusammenhänge wie etwa Vorurteil versus Stereotyp oder auch negative versus positive Vorurteile.
Dementgegen arbeitet diese Sendung sich vornehmlich an episodischen Erfahrungen mit Vorurteilen im alltäglichen Leben ab, wobei nicht unbedingt ersichtlich wird, inwiefern Vorurteile (genau hier) eine spezifische interindividuelle Funktion erfüllen und sich keinesfalls mit dem sagenumwobenen Phänomen eingeübter Toleranzhaltung auslöschen lassen bzw. warum sie überhaupt ausgelöscht werden sollten.
Im Forschungszusammenhang wird erläutert, wie Vorurteile sich zunehmend präziser messen lassen. Nach meiner bescheidenen Meinung gibt dies wiederum (zu) wenig Aufschluss darüber, wie der geeignete Umgang mit Vorurteilen im alltäglichen Kontext (aus sozialpsychologischer Sicht) aussehen könnte. Mich persönlich hat an der interaktiven Sendung irritiert, wie Vorurteile scheinbar automatisch auf den Anderen bzw. die Anderen bezogen sind; Vorurteile, die andere Menschen mir selbst (wahrnehmbar oder auch nur vermutet) entgegen bringen, sind in der Diskussion nicht aufgetaucht. Was ich meine, ist wohl die nicht mitdiskutierte Objekt-Situation des Individuums, denn schließlich haben zwischenmenschliche Phänomene mehr als nur eine Dimension. Interessant wäre diese Erkenntnis zumal im Hinblick darauf, wie Sozialpsychologie eine interindividuelle Dynamik von der einzig messbaren Position heraus angeht — es deckt sich offenkundig mit dem Alltagsverständnis der Menschen, die sich als vorurteilsbehaftete Individuen betrachten, wohingegen ihre eigene Erfahrung als Opfer der Vorurteile anderer seltsam ausgeblendet scheint (so jedenfalls in der hier vorgestellten Sendung).
Gut möglich, dass meine phänomenologische Haltung mit dem Messbar-Begreifbaren nicht recht in Einklang zu bringen ist, und eben deshalb empfinde ich die Sendung zum Thema Vorurteile mehr als nur “interessant”.
- Link zum Podcast “das philosophischen Radio” (Host: wdr.de)
- Direktlink zum Podcast vom 23. November 2007 (Host: wdr.de) mp3
Die Sendung wird nicht auf ewig auf dem Server abgelegt sein, und falls die mp3-Datei inzwischen unauffindbar sein sollte, kann ich (insofern als dies zulässig wäre) auf Anfrage einen Upload anbieten.
Onsite
- [ konzepte ] Vorurteil
- [ konzepte ] Stereotyp
Zitation
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Baumeister et al.: Erschöpfung des Ich: Ist das aktive Selbst eine begrenzte Ressource?Nun kann man starken Motivationen schwieriger widerstehen, schwachen Motivationen hingegen etwas leichter; also funktioniert die exekutive Funktion des Selbst ebenfalls stark oder schwach, was bedeuten würde, dass es eine Dimension der Stärke bzw. der Energie im Selbst gibt. Diese Energie verbraucht sich und regeneriert sich wieder. Andere willentliche Handlungen sollten ähnliche Effekte zeigen. » lesen ... |


