
01. Grundlagen
Motivation
Nun geht es weiter von Fragen über das, was wir fühlen, zu Fragen über das, was wir wollen. Wie ich zuvor schon erwähnte, verleiht das “Selbst” den Dingen ihre Bedeutung. Einige Philosophen und Psychologen meinen, was einen Menschen (oder jede lebendige Kreatur) von einer Maschine unterscheidet, sei, dass der Mensch den Dingen Bedeutung zuschreibt.
Wir geben den Dingen eine Bedeutung, weil wir Wünsche haben. Wegen der Wünsche, sind uns einige Dinge wertvoll, andere nicht; einige sind für uns relevant, andere nicht; und Wert oder Relevanz ist nur eine andere Art, von Bedeutung zu sprechen.
Behavioristen und andere Theoretiker mit ziemlich biologischer Herangehensweise an die Psychologie gehen davon aus, dass unsere Wünsche allesamt auf den Überlebenstrieb zurückgehen. Also sind unsere fundamentalsten Bedürfnisse Nahrung, Wasser, Ruhe und die Vermeidung von Schmerzen. Komplexere Motivationen hält man für Derivate, die durch Lernen gewonnen werden.
Freudianer haben eine ähnliche Sichtweise, sie bezeichnen die Wünsche als Libido. Doch sie konzentrieren sich mehr auf den Wunsch, durch Reproduktion über die Lebensspanne des Individuums hinaus zu überleben. Da das Überleben aller Bedürfnisse und der Instinkte, die ihnen dienen, im Grunde von der Reproduktion abhängt, ist es ziemlich vernünftig, Sex zum Grundbedürfnis zu erheben! Was diesen Punkt betrifft, stimmen die Soziobiologen mit den Freudianern überein.
Humanisten verwenden den Begriff der Verwirklichung, das bedeutet, “der Wunsch, das Selbst zu erhalten und zu verbessern”. Also schließt “Erhaltung” das Überleben sicherlich mit ein, so lange man versteht, dass es hier um das Überleben des psychologischen Selbst und des physiologischen Selbst geht. Und “Verbesserung” bedeutet, dass wir mehr tun, als nur zu versuchen, das Überleben zu sichern.
Beispielsweise reagieren die meisten “niederen” Tiere auf Probleme und lernen aus ihren Fehlern. Doch “höhere” Tiere haben gewisse Extrawünsche – wie etwa Neugierde und Spielbedürfnis – die sie ermutigen, etwas über potentielle Probleme zu lernen bevor ernste Fehler überhaupt passieren. Jungen Kätzchen und Hundewelpen und kleine Kinder sind bekannt für diese Form der “Verbesserung”. Man bezeichnet es auch als Kompetenz-Motivation.
Soziale Lebewesen wie wir selbst verlassen sich auf einander, wenn es um “Erhaltung und Verbesserung” geht. Was wir brauchen, besonders am Beginn unseres Lebens, ist positive Zuwendung, also Aufmerksamkeit, Zuneigung etc. Zuerst ist das eine Frage physischen Überlebens; später dann ist es das Zeichen dafür, dass wir von unserer Umwelt unterstützt werden.
Menschen gehen noch einen Schritt weiter: Weil wir (dank Erwartung etc.) ein innerliches geistiges Leben haben, können wir sowohl das Bedürfnis nach positiver Zuwendung als auch dessen Befriedigung oder Nicht-Befriedigung internalisieren. Anders ausgedrückt haben wir den Wunsch und das Bedürfnis nach positiver Selbstachtung, auch Selbstrespekt oder Selbstwert genannt.
Geringe Selbstachtung – der Minderwertigkeitskomplex – ist eine der gängigsten Quellen psychologischer Probleme, die einem Therapeuten begegnen. Die meisten von uns haben in dieser oder jener Hinsicht einen solchen Komplex: das Aussehen, Intelligenz, Stärke, soziale Fähigkeiten etc. Sogar der Kraftprotz, die Schönheitskönigin und der Prahler – also Menschen mit Überlegenheitskomplexen – können als Menschen mit geringem Selbstwertgefühl verstanden werden, die dies allerdings auf andere Menschen übertragen!
Ich möchte vorschlagen, dass all diese Motivationen real und zum Verständnis der Menschen relevant sind. Und wir können unterschiedlicher Auffassung darüber sein, was jeden einzelnen von uns motiviert: Einige “leben um zu essen”; andere sind “Sexfans”; andere sind unangemessen neugierig; und andere sind vom Ego getrieben und so weiter.
Zitation
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