01. Grundlagen

Höhere Motivationen

Am anderen Ende des Spektrums liegt das, was wir die höheren Motivationen nennen würden, also beispielsweise Kreativität und Mitgefühl.

Es gibt Zeiten, da ist man für einen Moment “außerhalb seiner Selbst transportiert” oder um es anders zu sagen, man fühlt sich in etwas aufgehen, das größer ist als man selbst. Viele Leute erleben diese Momente, wenn sie zum ersten Mal am Rande des Grand Canyon stehen oder zum ersten mal eine der großen europäischen Kathedralen betreten. Der Ozean, die Akropolis, ein Mammutbaum, Kolibris, Musik, sogar ein großartiges Buch oder ein guter Film können diesen Effekt hervorrufen. Wir könnten es als einen Gipfel bezeichnen, als spirituelle oder mystische Erfahrung, oder wir nennen es einfach Ehrfurcht.

Dies geschieht auch bei bestimmten Verhaltensweisen. Bergsteiger sprechen von der “flow experience“ (Czentimihalyi), wenn ihr Geist sich vollkommen auf das Bergsteigen konzentriert und sie “eins werden mit dem Berg”. Tänzer, Schauspieler, Musiker und Athleten erzählen von ähnlichen Erfahrungen.

Kreative Aktivitäten können uns auch derartige Gefühle bescheren. Künstler, Musiker, Schriftsteller, Wissenschaftler und Handwerker sprechen von einem Punkt, an welchem sie von ihrer Schöpfung geführt werden, statt umgekehrt.

Und wir empfinden es, wenn wir jemanden wirklich lieben, wenn der andere Mensch wichtiger wird als man selbst. Albert Schweitzer sagte, dass nur die, die anderen dienen, wahrhaft glücklich sein können. Dies bezeichnet man als Mitgefühl.

In all diesen Beispielen sehen wir nicht nur “Erhaltung und Verbesserung des Selbst”, sondern eine Transzendenz des Selbst, ein Verlust des Selbst, das paradoxer Weise zu einer Erweiterung des Selbst führt. Die meisten Religionen und Philosophien machen diese zu ihren höchsten Werten.

Zitation

Boeree, C. George (24. Mai 2007): Grundlagen der Sozialpsychologie: 01. Grundlagen, URL: http://www.social-psychology.de/sp/gds/01

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