
01. Grundlagen
Freiheit
Es ist etwas sehr eigentümliches an den Menschen: Während es von außen betrachtet so scheinen könnte, als wären unsere Verhaltensweisen vollständig von den verschiedenen Kräften bestimmt, die auf uns einwirken – Genetik, die physische Welt, gesellschaftlicher Druck – scheinen wir doch in der Lage, uns dann und wann für ein, zwei Momente vom Fluss der Geschehnisse “zurückzuziehen”. Wir können eine Pause einlegen, um zu reflektieren. Und wir können uns Dinge vorstellen und über Dinge nachdenken, die nicht unmittelbar gegenwärtig sind.
Zum Beispiel verlangt ein Teil von uns – etwa unsere ererbte Physiologie – nach sexueller Befriedigung und zwar umgehend. Ein anderer Teil von uns – etwa unsere soziale Erziehung – verlangt nach Respekt, Sicherheit, Tugend, Zuwendung und so weiter. Wären wir vollkommen festgelegt, müssten wir schlicht der stärksten Kraft nachgeben und das Leben wäre einfach. Statt dessen haben wir die Fähigkeit, die Kräfte abzuwägen.
Manchmal ist dies ein nicht ganz bewusster Prozess. Wir können zwei Kräfte im Hinblick auf Emotion, die relative Angst und Eifer abwägen. Doch wir können auch ein wenig Abstand gewinnen und bestimmte rationale Überlegungen hinzuziehen, etwa die Bedeutung der Sünde, die Möglichkeit, gefasst zu werden oder ob der Drang sich legt, wenn wir ihn ignorieren. Derartiges Nachdenken kann zwar unangenehm sein, ist aber ein Hinweis auf unsere Freiheit, eine Wahl zu treffen!
Wir können auch neue Auswahlmöglichkeiten schaffen. Nur Menschen können mit Möglichkeiten ebenso umgehen, wie mit Realitäten! Wenn ein Problem sich als entweder-oder-Entscheidung darstellt – im Sinne von “wie man’s macht, macht man’s falsch” – , können wir eine Pause machen, reflektieren und eine dritte oder vierte oder fünfte Möglichkeit entwickeln … – freie Wahl.
Auch wenn keine Alternativen in Sicht zu sein scheinen, bleibt dennoch eine gewisse Freiheit. Der Schriftsteller und Philosoph Jean-Paul Sartre entdeckte nach seinen Erfahrungen als Folteropfer der Gestapo, dass er immer nein sagen konnte! Zumindest haben wir die Wahl der Einstellung, die wir dem Leiden gegenüber einnehmen, auch wenn es hart ist.
All das ist sehr frustrierend für jeden, der aus der Psychologie eine “harte Wissenschaft” machen will wie etwa die Chemie oder die Physik. Es ist wahr, meist sind wir so festgelegt wie ein Stein im freien Fall. Doch im besten Falle folgen wir nicht den “Gesetzen menschlichen Verhaltens” – wir erschaffen uns selbst!
Zitation
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