
08. soziales Lernen
Was auch an instinktiven Komponenten unser Verhalten bestimmt, so ist doch das Lernen die entscheidende Komponente in unserem Leben. Das heißt nicht nur, dass wir mehr lernen als die meisten Tiere; wir lernen auch auf viele unterschiedliche Weisen!
Die einfachste Art des Lernens, die wir mit allen Tieren gemeinsam haben, könnte man als umweltbestimmtes Lernen bezeichnen: Auf der Grundlage deines aktuellen Verständnisses oder Wissens, gehen Sie von bestimmten Dingen aus oder verhalten sich in einer bestimmten Weise – doch die Umwelt entspricht nicht Ihren Erwartungen. Folglich passen Sie sich der Umwelt an, entwickeln ein neues Verständnis, erarbeiten sich neues Wissen. Dies wird häufig als Konditionierung oder Feedback bezeichnet.
Für ein soziales Tier ist die Quelle dieser Konditionierung oder des Feedbacks zumeist die soziale Umwelt – d.h. es handelt sich um soziale Konditionierung oder Feedback, Belohnungen und Strafe. Sie müssen sich also nicht erst überfahren lassen, um zu lernen, dass Sie nicht über die Straße rennen sollen, sondern Sie lernen, indem Sie bestraft werden, sobald Sie im Begriff sind, über die Straße zu laufen. (Noch effektiver ist es, wenn Sie bereits bestraft werden, noch bevor Sie überhaupt etwas getan haben, also sobald Sie auch nur daran denken, etwas verbotenes zu tun. Einige Psychologen sind der Auffassung, dies sei der Ursprung des Gewissens!) Oder, statt Geschlechterrollen durch Zufall zu erlernen, werden Sie sanft durch Zeichen sozialer Zustimmung geformt: “Wie hübsch du bist!” oder “Hier ist mein kleiner Mann!”
Eine weitere Fähigkeit sozialer Tiere, ist die Fähigkeit dadurch zu lernen, dass wir andere beobachten. Zum Beispiel durch indirektes Lernen ( vicarious learning ): Sie sehen, wie es einem anderen Wesen gut oder schlecht ergeht, wie es belohnt oder bestraft wird, etc., in vielen Fällen können Sie sich mit diesem anderen Wesen “identifizieren” und von seinen Erfahrungen lernen.
Wichtiger noch ist die Fähigkeit, die als Imitieren ( modeling ) bezeichnet wird. Wir lernen nicht nur etwas über die Konsequenzen des Verhaltens, indem wir andere beobachten (wie beim indirekten Lernen), wir erlernen so auch die Verhaltensweisen an sich!
Bei sprachbegabten sozialen Lebewesen kann das soziale Lernen noch weiter vom unmittelbaren Feedback der Umgebung entfernt sein. So können wir zum Beispiel auch durch Warnungen, Empfehlungen, Drohungen und Versprechen lernen. Auch Wesen, die keine Sprache entwickelt haben, können diese Dinge untereinander austauschen (durch Brummen, Schnurren, Fauchen u.s.w.). Doch durch die Sprache wird die Kommunikation zur Kunst.
Wir können auch von Beschreibungen eines Verhaltens lernen, so können wir Verhaltensweisen nachahmen, als hätten wir sie selbst beobachtet. Dies wird gewöhnlich als symbolisches Lernen bezeichnet. Des weiteren können wir ganze Komplexe von Verhaltensweisen, Gedankengängen und Empfindungsweisen lernen, wie zum Beispiel Überzeugungen, Glaubenssysteme, Einstellungen und Werte. Es ist eigenartig, wie viel Zeit wir in der Psychologie auf die Diskussion von Konditionierung und Nachahmung verwenden, wo wir doch so viel Zeit unseres Lebens in der Schule verbringen – das heißt, mit symbolischem Lernen!
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