09. Sozioökonomie

Exchange Theory

Es gibt eine Seite des Lebens, bei der sich alles um kühles und rationales Kalkulieren der Gewinne und Verluste in sozialer Interaktion dreht. Wir wägen die Alternativen ab, wiegen Furcht und Hoffnungen gegeneinander ab, überdenken unsere nächsten Züge und so weiter.

Die Grundidee ist alt: Der Britische Philosoph Jeremy Bentham hat dem Ganzen den eigentümlich ausdrucksvollen Titel “hedonistic calculus“ (hedonistisches Kalkül) gegeben. In der moderneren Theorie findet es häufig Ausdruck in einer Formel: MF = E x V. Das heißt, die motivierende Kraft ( Motivating Force ) ist proportional zu Erwartung ( Expectation ) multipliziert mit dem Wert ( Value ). Handelt es sich um komplexes Verhalten, entspricht die motivierende Kraft dem Durchschnitt aus des Summe der Erwartungen (E) und Werte (V).

Die Erwartung steht für die subjektiv empfundene Wahrscheinlichkeit, dass das gewünschte Ergebnis zustande kommen wird. Dies schließt das ein, was man als Verhältnis zwischen den eigenen Bemühungen und den Ergebnissen annimmt: “Wenn ich ein braver Junge bin, bekomme ich auch meinen Keks”; “Wenn ich hart arbeite, werde ich Erfolg haben”; “Wenn ich die Leute anbrülle, werden sie eifriger für mich arbeiten” … zum Beispiel. Allerdings können diese Annahmen falsch sein und die Einschätzung kann total daneben liegen, doch so lange man sie aufrecht erhält, bleibt sie Bestandteil der persönlichen Motivationsformel.

Jetzt werden wir die einzelnen Stücke zusammensetzen: Welche Kraft treibt Sie an, hart an Ihrem Studium zu arbeiten? Erstellen Sie eine Liste möglicher Ergebnisse, der subjektiven Möglichkeiten (0 bis 1.0), jedes dieser Ziele zu erreichen und der Einschätzung, was jedes der Ergebnisse Ihnen wert ist (-1.0 bis 1.0). Dann multiplizieren Sie jede einzelne subjektive Möglichkeit mit jedem Wert, den Sie den Ergebnissen zugemessen haben (E x V). Dann zählen Sie alles zusammen und dividieren durch die Anzahl der Ergebnisse. Anschließend können Sie die motivierende Kraft, hart an Ihrem Studium zu arbeiten, mit anderen komplexen Verhaltensweisen vergleichen.

Nun haben wir tatsächlich eine Theorie der Motivation. Doch wir können daraus nicht einfach eine soziale Theorie machen, indem wir etwa die Werte zweier Menschen betrachten, deren Ergebnisse voneinander abhängig sind, d.h. indem wir einen Austausch zwischen zwei Menschen betrachten.

Zitation

Boeree, C. George (24. Mai 2007): Grundlagen der Sozialpsychologie: 09. Sozioökonomie, URL: http://www.social-psychology.de/sp/gds/09.

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