1.1 Psyche und Eros

Die Geschichte von Psyche und Eros

«The so-called psyche or butterfly is generated from caterpillars which grow on green leaves, chiefly leaves of theraphanus, which some call crambe or cabbage. At first it is less than a grain of millet; it then grows into a small grub; and in three days it is a tiny caterpillar. After this it grows on and on, and becomes quiescent and changes its shape, and is now called a chrysalis. The outer shell is hard, and the chrysalis moves if you touch it. It attaches itself by cobweb-like filaments, and is unfurnished with mouth or any other apparent organ. After a little while the outer covering bursts asunder, and out flies the winged creature that we call the psyche or butterfly.»
[ Quelle; Aristotle History of Animals 551a.1 ]

Psyche war eine von drei Schwestern, Prinzessinnen in einem griechischen Königreich. Alle drei waren schön, doch Psyche war die Schönste. Aphrodite, die Göttin der Liebe und Schönheit, hörte von Psyche und ihren Schwestern und wurde neidisch auf all die Aufmerksamkeit, die die Menschen Psyche schenkten. Deshalb ließ sie ihren Sohn Eros rufen und trug ihm auf, Psyche zu verzaubern.

Gehorsam wie immer flog Eros mit zwei Phiolen voll Gift zur Erde. Eros näherte sich der schlafenden Psyche und besprengte sie mit einem Trank, der Männer dazu bringen würde, sie zu meiden, wenn es um Heirat ging. Aus Versehen stach er sie dabei mit einem seiner Pfeile (die die Wirkung hatten, dass sich jemand auf der Stelle verliebte) und Psyche wachte davon auf. Ihre Schönheit überraschte Eros so sehr, dass er sich aus Versehen selbst an einem seiner Pfeile stach. Was er getan hatte, war ihm unangenehm, deshalb besprengte er Psyche mit dem zweiten Trank, der ihr ein freudevolles Leben bescheren würde.

So kam es, dass Psyche trotz ihrer Schönheit keinen Ehemann finden konnte. Ihre Eltern dachten, sie hätten die Götter verärgert, und deshalb baten sie ein Orakel, Psyches zukünftigen Ehemann zu verraten. Das Orakel sagte, dass kein Mann sie haben wolle, doch dass auf der Spitze eines Berges ein Wesen lebe, das sie heiraten werde.

Psyche fügte sich in das Unvermeidliche und ging zu diesem Berg. Als sie in Sichtweite war, wurde sie von einem sanften Wind hochgehoben und den Rest des Weges getragen. Als sie ankam, sah sie, dass ihr neues Zuhause ein reicher und wunderschöner Palast war. Ihr Ehemann erlaubte es ihr nie, ihn zu sehen, doch er stellte sich als aufrichtiger und sanfter Liebhaber heraus. Es war natürlich Eros selbst.

Nach einiger Zeit bekam Psyche Heimweh nach ihrer Familie und so bat sie, dass ihre Schwestern sie besuchen dürften. Als die Schwestern Psyches wunderschönes neues Zuhause sahen, wurden sie eifersüchtig. Sie gingen zu ihr und sagten ihr, sie solle nicht vergessen, dass ihr Ehemann irgendein Monster sei, und dass er sie zweifellos nur mästen wolle, um sie anschließend zu essen. Sie schlugen vor, dass sie eine Laterne und ein Messer beim Bett versteckt halten solle, wenn er dann zu ihr käme, könne sie nachsehen, ob er ein Monster sei und ihm dann den Kopf abschneiden.

Ihre Schwestern überzeugten sie davon, dass diese das Beste sei, und als ihr Ehemann sie wieder besuchte, hielt Psyche Laterne und Messer bereit. Als sie die Lampe hochhielt, stellte sie fest, dass ihr Ehemann kein Monster, sondern Eros war! Er war so erschrocken, dass er zum Fenster lief und fortflog. Sie sprang gleich nach ihm aus dem Fenster, fiel aber auf den Boden und blieb bewusstlos liegen.

Als sie wieder zu sich kam, war der Palast verschwunden und sie lag in einem Feld nahe ihrem Elternhaus. Psyche ging zum Tempel der Aphrodite und betete um Hilfe. Aphrodite antwortete mit einer Liste von Aufgaben – Aufgaben, von denen Aphrodite dachte, dass das Mädchen sie nie würde erfüllen können.

Die erste Aufgabe bestand darin, einen Berg von vermischten Getreidekörnern zu sortieren. Psyche sah sich den Berg an und verzweifelte, doch Eros holte heimlich eine Ameisenarmee zur Hilfe, die den Getreideberg sortierte. Als Aphrodite am nächsten Morgen zurückkam, beschuldigte sie Psyche, Hilfe gehabt zu haben, und so war es auch wirklich gewesen.

Die nächste Aufgabe bestand darin, eine Strähne goldenen Vlieses vom Fell der Schafe einer besonderen Herde zu bringen, die jenseits eines nahegelegenen Flusses lebten. Der Gott dieses Flusses riet Psyche zu warten, bis die Schafe Schutz vor der Mittagssonne suchten. Dann würden sie schlafen und sie nicht angreifen. Als Psyche Aphrodite das Vlies zeigte, beschuldigte die Göttin sie erneut, Hilfe gehabt zu haben.

Die dritte Aufgabe bestand darin, einen Becher Wasser aus dem Fluss Styx zu beschaffen, und zwar von dort, wo der Fluss aus unglaublicher Höhe hinabströmte. Psyche dachte, alles sei zuende, doch ein Adler half ihr, indem er den Becher den Berg hinauf trug und ihn gefüllt wieder zu ihr brachte. Aphrodite war wütend, denn sie wusste sehr wohl, dass Psyche dies nicht alleine geschafft haben konnte!

Psyches nächste Aufgabe war es, in die Hölle zu gehen und Persephone, die Frau des Hades, um einen Karton magischen Makeups zu bitten. Psyche dachte, ihr Schicksal sei besiegelt, deshalb entschied sie, ihrem Leben ein Ende zu setzen, indem sie von einer Klippe sprang. Doch eine Stimme sagte, sie solle das nicht tun, und gab ihr Anweisungen, die sie zum Hades und in den Besitz des Kartons bringen würde. Allerdings warnte die Stimme, sie solle keinesfalls in den Karton hineinsehen, unter gar keinen Umständen!

Tja, Psyche erhielt den Karton von Persephone und machte sich auf den Rückweg. Doch gemäß ihres Wesens konnte sie nicht anders, als einen Blick in den Karton zu werfen. Sie stellte überrascht fest, dass nichts als Dunkelheit darin war, die sie in einen tiefen Schlaf versetzte. Eros konnte sich nicht zurückhalten, weckte Psyche und trug ihr auf, den Karton zu Aphrodite zu bringen, dann würde er sich um den Rest kümmern.

Eros ging zu Zeus, um ihn zu bitten, dass er einschreiten möge. Er erzählte so eloquent von seiner Liebe zu Psyche, dass Zeus sich entschied, ihm seinen Wunsch zu gewähren. Eros brachte Psyche zu Zeus, der ihr einen Becher Ambrosia, den Trank der Unsterblichkeit, reichte. Anschließend verband Zeus Psyche und Eros in ewiger Ehe. Später hatten sie eine Tochter, der sie den Namen Pleasure gaben.

«The Greek name for a butterfly is Psyche, and the same word means the soul. There is no illustration of the immortality of the soul so striking and beautiful as the butterfly, bursting on brilliant wings from the tomb in which it has lain, after a dull, grovelling, caterpillar existence, to flutter in the blaze of day and feed on the most fragrant and delicate productions of the spring. Psyche, then, is the human soul, which is purified by sufferings and misfortunes, and is thus prepared for the enjoyment of true and pure happiness.»
[ Quelle: Bulfinch’s Mythology: The Age of Fable, Kapitel XI ]

Zitation

Boeree, C. George (11. Juni 2007): Geschichte der Psychologie: 1.1 Psyche und Eros, URL: http://www.social-psychology.de/sp/h1/1.1

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