1.10 Asien

Chinesische Frühgeschichte

Um 1500 vor Christus findet der Aufstieg der semi-mythologischen Shang Dynastie statt. Es handelte sich um ein feudales Königreich, das die Gegend des Gelben Meeres dominierte und eine Reihe kleiner Städte entstehen ließ, zumeist liegen sie in der heutigen Provinz Henan. Während der Shang Dynastie wurde die Symbolschrift der Chinesen von den Priestern der Dynastie entwickelt.

Um 100 vor Christus gab es eine neue Dynastie – westliches Chou – mit Zentrum in Loyang, ebenfalls in der heutigen Provinz Henan. Sie bestand aus vielen kleineren feudalen Königreichen, die dem “Hauptkönig” oder Herrscher gegenüber loyal waren. Der Zusammenhalt basierte hauptsächlich auf der kontinuierlichen Notwendigkeit, sich gegen die umgebenden Barbaren zu verteidigen.

Die östliche Chou Dynastie begann 770 vor Christus. Diese Zeit war nicht nur von ständigen Kriegen mit Barbaren bestimmt, sondern auch von beträchtlichen Kriegen der verschiedenen Teilgebiete Chinas untereinander. Was die Kultur betrifft, wurden die Bauern während dieser Zeit besser gestellt (wegen ihrer Bedeutung für die Kriegsführung), und auch die Gruppe der Kaufleute gewann an Bedeutung. In dieser Zeit wurde Geld als Zahlungsmittel eingeführt.

Während dieser Dynastie tauchten einige der wichtigsten Philosophen auf. Konfuzius (551 bis 479 vor Christus) führte eine Philosophie ein, die Ethik mit religiösen Traditionen verband, eine Philosophie, die die politischen Strukturen Chinas bis ins 20. Jahrhundert dominieren sollte.

Ungefähr zu dieser Zeit führt auch Laotse eine gelehrtere Version der traditionellen Naturverehrung ein, die Taoismus genannt wird, und zwar in einem der großartigsten Bücher, die je geschrieben wurden, dem Taote-king. Während der Konfuzianismus die formale Philosophie des hohen Gerichts bleiben sollte, würde der Taoismus letztlich den später entstehenden Buddhismus grundlegend beeinflussen.

Zwischen 403 und 221 vor Christus war China in eine Reihe kriegführender Staaten zersplittert. 221 vor Christus etablierte sich die Ch’in Dynastie. Dabei handelt es sich um einen Randstaat westlich der vormaligen Zentren chinesischer Zivilisation, der Name China stammt von eben jener Dynastie. Ch’in richtete einen hochgradig zentralisierten Staat ein, ähnlich wie das römische Reich, es gab standardisierte Maßeinheiten, Gewichte und Währung. Ebenfalls zu dieser Zeit begann der Bau der Chinesischen Mauer in dem Bemühen, die Hunnen fern zu halten – und es waren die Hunnen, die wenig später Rom bedrohen sollten.

Zwischen 206 vor Christus und 9 nach Christus besteht die westliche Han Dynastie. Han war ein Königreich südlich des Chou Königreichs, ebenfalls im heutigen Henan. Die Han Dynastie besiegte die Hunnen um etwa 100 vor Christus (und schickte sie in Richtung Europa) anschließend expandierte sie ihr Territorium nach Westen. Sie gründete auch die berühmten Seidenstraßen – Handelsrouten zum mittleren Osten, die für den Handel mit Persien, Rom und Indien wichtig waren.

Zwischen 25 und 220 nach Christus übernahm die östliche Han Dynastie zu einer Zeit großer zivilisatorischer Blüte. Der Seiden- und Porzellanhandel mit Rom und anderen Metropolen boomte. Um 100 nach Christus wurde das Papier erfunden, und der Buddhismus verbreitete sich ausgehend vom nordwestlichen Indien und vom griechischen Königreich Bactria (heute Afghanistan).

Seit 220 gibt es die Zeit der drei Königreiche, dem folgte eine Zeit, in der China in zwei getrennte nördliche und südliche Reiche aufgeteilt war. Der Norden wurde von einer gemischten Gruppe aus Hunnen und türkischen Stämmen überfallen, während der Süden eine Reihe dynastischer Veränderungen erlebte. 379 wurde der Mahayana Buddhismus die offizielle Religion (im Einklang mit dem Konfuzianismus und gemischt mit dem Taoismus).

China wurde 581 während der Sui Dynastie wiedervereinigt, deren Politik wurde 617 von der T’ang Dynastie übernommen. Wichtig ist noch, dass im Jahre 606 eine schriftliche Prüfung für Beamte eingeführt wurde. Dieses System sollte fortgeführt werden, bis die Kommunisten 1951 die Herrschaft übernahmen. Die T’ang Dynastie bestand bis zum Jahre 907.

Ab 900 nach Christus begann eine Zeit rascher dynastischer Umwälzungen, und wir stellen fest, dass die Gunst der Buddhisten sich ins Gegenteil verkehrte, sie wurden aktiv verfolgt. Im Jahre 960 stellte die nördliche Sung Dynastie wieder Stabilität her, wenngleich nur dadurch, dass die den Mongolen Tribut zahlte. Zwischen 1127 und 1279 übernahm die südliche Sung Dynastie die Herrschaft, zahlte weiter Tribut an die Mongolen, doch man erlebte in China eine zweite Renaissance in Kultur und Wirtschaft. In dieser Zeit wurde die chinesische Sprache von Chu His (1131 – 1200) kodifiziert, Literatur, Malerei und Porzellanherstellung boomten, sowohl die Druckerkunst als auch das Schwarzpulver wurden erfunden.

Im Jahre 1196 wurde Dschingis Khan zum Alleinherrscher der Mongolen und ihrer türkischen und tartarischen Alliierten, er führte sie nach China und eroberte 1215 Beijing. Zugleich schickte er seine Truppen bis nach Polen und Ungarn. Als er 1227 starb, wurde sein Reich in einige kleinere Stücke aufgeteilt, die von seinen vielen Söhnen regiert wurden. Die Mongolen sollten bis ins 15. Jahrhundert hinein die Steppen beherrschen, Ivan III. befreite Moskau erst im Jahre 1480!

Marco Polo, ein venezianischer Abenteurer, besuchte China zu dieser Zeit und brachte Geschichten vom Reichtum mit, wodurch chinesische Produkte fast ebenso gefragt waren wie zu Zeiten des römischen Reiches. Leider erlebte China 1325 eine seiner größten Hungersnöte, der 8 von 45 Millionen Menschen zum Opfer fielen.

1368 wurden die Mongolen aus China vertrieben, die Ming Dynastie begann. Ihre starke dezentralisierte Regierung gründete auf soliden konfuzianischen Prinzipien. Beijing wurde 1421 zur Hauptstadt und blieb es bis heute. Die Chinesische Mauer wurde auf 2450 km ausgebaut.

Die Ming Dynastie erlebte eine weitere Renaissance mit Romanen, Landkarten, großartiger Architektur und einer neuartigen medizinischen Technik, die wir Akupunktur nennen. Andererseits wollte man nicht viel mit der Welt jenseits des Reiches zu tun haben: Der Handel mit Europa wurde auf die portugiesische Kolonie Makao beschränkt.

Von 1644 bis ins Jahr 1911 wurde China wieder von “Barbaren” beherrscht, diesmal von den Mandschu aus den Nordosten Chinas. Da die Mandschu nur wenig Leute hatten, achteten sie darauf, die vorhandenen Strukturen chinesischer Bürokratie zu nutzen, sie vermischten sich so weit wie möglich mit den Ureinwohnern Chinas. Zu dieser Zeit fand die größte Bevölkerungszunahme der chinesischen Gesichte statt, das Reich dehnte sich bis auf seinen heutigen Stand aus. Zunächst förderte man den Handel mit den Europäern, doch später schloss man den Handelsverkehr völlig. Wie wir wissen, lassen sich die Europäer kaum abschrecken, wenn solch ein üppiger Markt am Horizont auftaucht, und die Kolonialmächte – insbesondere die Briten – sollten den Glanz wegschnappen, der einmal China gewesen war.

Zitation

Boeree, C. George (11. Juni 2007): Geschichte der Psychologie: 1.10 Asien, URL: http://www.social-psychology.de/sp/h1/1.10

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