
1.4 Sokrates, Platon, Aristoteles
«The unexamined life is not worth living.»
[Sokrates]
Die Athener
Wenn wir an das antike Griechenland denken, denken wir sofort an Athen. Einige der Philosophen, mit denen wir uns schon beschäftigt haben, hielten es für den Gipfel ihrer Karriere, in dieser großartigen Stadt zu leben und zu unterrichten. Doch Athen war nicht immer großartig. Ursprünglich war es eine Ansammlung von Dörfern irgendwo im ärmsten ländlichen Bereich Griechenlands. Nur sorgsam umhegte Trauben und Oliven ermöglichten den frühen Athenern einen Lebensunterhalt, dies und der Handel. Der Abstand zwischen den Besitzenden – den herrschenden Aristokratenfamilien – und den Besitzlosen – Bauern, die das Land bewirtschafteten – zusätzlich zur feudalen Unterdrückung, wurde so groß, dass die Stadt und das Umland unter dem Gewicht zusammenzubrechen drohten.
Im Jahre 594 vor Christus rekrutierte die Mittelklasse einen Kaufmann namens Solon, die Stadt zu regieren und Frieden und Wohlstand wieder einkehren zu lassen. Zuerst löschte er alle Schulden und befreite alle, die infolge ihrer Schulden zu Sklaven geworden waren. Als nächstes skizzierte er eine Verfassung, in welcher die Bevölkerung in vier Klassen unterteilt wurde, basierend auf ihrem wirtschaftlichen Stand, die Höchstrangigen erhielten die meiste Macht, doch die am niedrigsten stehenden Bürger waren von den Steuern freigestellt.
Nach schwieriger Übergangsphase etablierte sich die erste Demokratie der Welt unter Kleisthenes im Jahre 507 vor Christus, als dieser nämlich ausrufen ließ, alle freien Männer hätten die Erlaubnis zu wählen. Natürlich ist das noch keine vollständige Demokratie, doch man sollte nicht zu hart urteilen: Erst im Jahre 1814 sollte Sklaverei gesetzlich verboten werden, als nämlich Mexiko als erste souveräne Nation die Sklaverei endgültig unterband.
Die USA würden ihre Sklaven erst 1865 mit dem 13. Amendement befreien. Und Frauen hatten kein Wahlrecht, bis Neuseeland ihnen 1893 das Wahlrecht zugestand. In den USA dauerte die Entwicklung bis 1919, als im 19. Amendement das Frauenwahlrecht geregelt wurde.
Etwa zur selben Zeit als das demokratische Experiment begann, entschloss sich das persische Reich im Osten leider dazu, erst nach Ionien und dann nach Griechenland hin zu expandieren. Im Jahre 490 besiegten jedoch 20000 Griechen eine 100000 Mann starke persische Armee in Marathon, nördlich von Athen. (Ein Bote namens Pheidippides lief die ganzen 26 Meilen – 42.195 km – nach Athen, um die guten Nachrichten zu überbringen, daher stammt der Sport des Marathonlaufs!)
481 vor Christus schickte der persische König Xerxes eine Arme von über zwei Millionen Männern begleitet von einer 1200 Schiffe starken Flotte, um Griechenland erneut anzugreifen. Diese Armee fiel im Norden Griechenlands ein und bereitete sich vor, Athen zu attackieren. Sie fanden eine verlassene Stadt vor. Doch die persische Flotte traf auf die wartende griechische Flotte in der Bucht von Salamis. Trotz schlechter Aussichten gewann Griechenland. 479 waren die Perser gezwungen, sich nach Kleinasien zurückzuziehen.
Wem das nur ein kleiner geschichtlicher Ausschnitt zu sein scheint, sollte folgendes bedenken: Dieser Sieg sollte es den Griechen ermöglichen, ein Denken weiter zu führen, dass für die folgenden zwei Jahrtausende in Europa und im Mittelmeerraum entscheidend sein würde.
Während der Epoche, die wir in diesem Kapitel betrachten, hatte Athen 300 000 Einwohner, was die Stadt zu einer der weltgrößten Städte machte. Etwa die Hälfte der Bewohner waren frei, ein Drittel waren Sklaven und ein Sechstel waren Fremde ( metics ). Die Zahl der freien erwachsenen wahlberechtigten Männer betrug etwa 50 000 Personen.
Der Mittelmeerraum der Antike
Zeitleiste 600 – 200 vor Christus
Zitation
1.3 Alphabet « | » 1.5 Epikuräer und Stoiker
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