
1.7 Geschichte des Judentums
Palästina 1 war eine fruchtbare, warme und von Mittelmeerregen bewässerte Gegend – ein höchst erstrebenswerter Aufenthaltsort. Es lag zwischen den kultivierten Gesellschaften Ägyptens und Mesopotamiens, so dass es für den Handel ideal gelegen war, aber natürlich auch für den Krieg.
Der Tradition nach sind die Hebräer um 2000 vor Christus mit Vater Abraham zusammen mit Abrahams El Shaddai (“Gott des Berges”) aus Ur in Mesopotamien gekommen. Wahrscheinlicher ist, dass sie aus einer nahegelegenen Gegend im Osten kamen und ihre engen Verwandten die Kanaaniter 2 erobert hatten, um ihre geschichtliche Domäne zu etablieren. Die fortwährenden Kriege mit benachbarten Völkern führten offenbar dazu, dass eine Vielzahl von Hebräern von den Ägyptern versklavt wurden, das ist zugleich auch die Bühne für das einzigartige Ereignis der jüdischen Geschichte, den Exodus.
Moses, vermutlich ein Ägypter, der von der Prinzessin Hatschepsut beschützt wurde, kam den gefangenen Hebräern im richtigen Augenblick zur Hilfe, vielleicht auch weil er in Zeiten der Pest die ägyptischen Hygieneregeln einführte. Um 1300 vor Christus führte er sie, so heißt es, zurück nach Palästina, wo sie für ihre ansässigen Brüder von äußerster Bedeutung sein sollten.
Die Hebräer organisierten sich in 12 Stämmen mit Krieger-Priester Anführern, die in der Bibel die Richter genannt werden. Kriege zwischen den Stämmen nötigten sie dazu, einen Monarchen zu suchen, ähnlich wie sie es in Ägypten und Mesopotamien gesehen hatten. Um 1010 vor Christus fanden sie in Saul, einem erbarmungslosen Kriegsherrn, ihren Monarchen. Nur vier Jahre darauf, übernahm David seine Position. Nachdem die Philister – die “Meer Menschen” (vermutlich frühe Griechen) – die sich an der Küste niedergelassen hatten, besiegt waren, machte David Jerusalem zur Hauptstadt.
Im Jahre 966 vor Christus folgte Salomon an Davids Position. Unter seiner Herrschaft wurden die Hebräer reich, sie investierten in den Handel mit Phönizien und Ägypten und auf der Seeroute mit Arabien und Ostafrika. Salomon ließ in Jerusalem einen Tempel bauen, der die Bundeslade enthielt. Die Bundeslade ist eine goldbesetzte Holzkiste, die vermutlich die Gesetze enthielt, die Moses am Berg Sinai von Gott erhalten hatte. Sie war das heiligste Symbol Jahwes, man glaubte, es gebe den Hebräern Macht über ihre Feinde.
Ursprünglich waren die Hebräer polytheistisch, sogar animistisch orientiert. Sie glaubten an Geister und waren besonders den Stier- und Schafkulten ergeben. Tieropfer gehörten zur Tradition, zumeist fanden diese an Altären und an Kultstätten in der Wildnis statt. Sie führten Weissagungen mit Hilfe von Würfeln durch, eine Praxis, die sich noch viele Jahrhunderte lang fortsetzen sollte. Es ist darauf hinzuweisen, dass es im Buch Genesis meist um verbreitete regionale Mythen geht, wie etwa die Schöpfungsgeschichte, der Sündenfall des Menschen, die große Flut und so weiter.
Jahwe, vermutlich der kanaanitische Gott Yehu oder Yaw, wurde der “nationale” Gott der Hebräer. Unter Solomon und seinem Tempel wurde er zum größten Gott von allen. Dieser Gott verkörpert sehr menschliche Charakteristika, wie die Bibel dokumentiert: Eifersucht, Reue, Wut, Liebe zum Duft von Brandopfern und die Offenheit für Bestechung gehörten zu seinen Eigenschaften.
Der frühe Glaube enthielt das Konzept der Hölle noch nicht so wie wir es heute kennen. Statt dessen gab es Scheol ein Land der Dunkelheit unter der Erdoberfläche. Genau wie der Hades der Griechen und Hel bei den Germanen, war dies das Zuhause fast aller Verstorbenen, nicht nur der Sünder. Es war zwar kein angenehmer Ort, aber es gab dort noch keine ewigen Qualen. Nur sehr wenige Menschen gingen nach ihrem Tod in den Himmel, um dort mit den Göttern zu leben.
Die Religion entstand um Gesetze herum – viele dieser Gesetze ähneln den Regeln der Hindus. Mit Gebet und Opfern konnte man sich der Sünde entledigen, gegen Unreinheit (wie Menstruation und Geburt) half die rituelle Reinigung, alles wurde von der Priesterkaste überwacht. Abgesehen von den zehn Geboten regulierten die Gesetze Moses das gesamte Leben der Hebräer – Fasten, Hygiene, Medizin, sogar Sexualität.
Nach Salomons Regentschaft verschlechterten sich die Lebensbedingungen der hebräischen Stämme. Es entwickelten sich wohlhabende und arme Klassen, die Priesterkaste (Nachfahren von Levi) wurde immer mächtiger. Salomons Königreich spaltete sich in Israel im Norden und Judäa im Süden auf. Im Jahre 722 vor Christus unterwarf Sargon II, der assyrische Herrscher, das gesamte Gebiet.
Die Assyrer waren eine besonders brutale Gruppe, und die Hebräer litten ebenso stark wie alle anderen Unterworfenen. In dieser Zeit kamen einige religiöse Fanatiker zu Einfluss unter den Hebräern. Sie verachteten die Wohlhabenden und die Priester und verkündeten, die Hebräer hätten ihren Niedergang wegen ihrer Sünden verdient. Diese Prediger waren natürlich die Propheten der Bibel: Amos, Hosea, Elias und Jesaja – alle predigten um 800 vor Christus. Sie führten eine Vorstellung ein, die sich von den größeren Kulturen um sie herum übernommen hatten: Die Vorstellung vom Messias, eingeschlossen der jungfräulichen Geburt und allem. In griechischen Bibelübersetzungen sollte Mahsiah als Christos, der Gesalbte, übersetzt werden.
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1 Palästina ist die Bezeichnung, die die Römer der Gegend gaben. Es stammt von ihrer Bezeichnung für die Philister, die Menschen also, die den Küstenbereich besiedelten und die vielleicht Griechen aus Kreta oder Zypern gewesen sein könnten. Der frühere Name Palästinas war Kanaan, heute nennen wir die Gegend Israel.
2 Die Hebräer, Kanaaniter und Phönizier waren ethnisch betrachtet dasselbe Volk. Ihre Sprachen waren Dialekt-abweichungen, und sie alle verwendeten das erste Alphabet.
Zitation
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