1.8 frühchristliche Häretiker

Häresie ist ein Glaube, der von einem Standard, also dem offiziellen Glauben, abweicht.

Wenn religiöse Autoritäten entscheiden, dass ein Glaube häretisch ist, unternehmen sie meist aktiv etwas, um diesen Glauben auszulöschen, gewöhnlich entfernen sie dabei auch die jeweiligen Glaubensanhänger (durch Exkommunikation oder Schlimmeres). Natürlich ist die Orthodoxie des einen die Häresie des Anderen!

Die meisten christlichen Häresien hängen mit den Zwillingsthemen Trinität und spezifischer mit der Figur Jesu Christi zusammen. Die offizielle Auffassung, die in jahrhundertelanger Debatte entwickelt wurde, lautet folgendermaßen:

Gott ist eine Trinität, drei Personen aber eine Essenz; Jesus Christus war eine Person, zugleich menschlich und göttlich. Dass diese beiden Feststellungen nicht sonderlich rational sind, wurde als irrelevant betrachtet. Die Trinität gilt als Mysterium, eine Glaubensangelegenheit und keine Vernunftfrage.

Nun folgen acht Formen der Häresie, sie reichen von Sekten, die Jesus Christus als ausschließlich göttlich ansehen, bis hin zu anderen, die ihn als nur menschlich ansehen.

frühe Formen der Häresie

Sabellianismus:
Der Sabellianismus ist nach seinem Begründer Sabellius (2. Jahrhundert) benannt. Man bezeichnet ihn oft als modalistischen Monarchismus. Vater, Sohn und Heiliger Geist sind drei Zustände, Rollen oder Gesichter einer einzigen Person, Gott. Das impliziert natürlich, dass Jesus Christus ausschließlich göttlich war, ohne Menschlichkeit, deshalb kann er auch nicht wirklich gelitten haben oder gestorben sein.

Doketismus:
Der Begriff leitet sich vom griechischen Wort dokesis ab, das “scheinen” bedeutet. Ähnlich wie der Sabellianismus besagt der Doketismus, dass Christus nicht wirklich ein Mensch war und keinen wirklichen menschlichen Körper hatte. Er erschien uns nur menschlich. Kurz …

Nur Christus (kein Jesus)

Monophysitismus:
Monophysit leitet sich vom griechischen Wort für “ein Körper” ab. Diese Glaubensauffassung besagt, Jesus Christus sei eine Verbindung zwischen dem ewigen Logos und der menschlichen Person Jesus, der als Inkarnation galt, gewesen. Deshalb stellt er die Verbindung zweier separater Naturen dar. Heute ist der Monophysitismus in einigen christlichen Sekten Ägyptens und des mittleren Ostens noch sehr.

Jesus
      > Jesus Christus
Christus

Adoptianismus:
Der Adoptianismus besagt, dass Jesus ein Mensch war, der bei der Empfängnis von Gott “adoptiert” wurde, somit wurde er seit der Zeugung göttlich. Spätere Versionen der Glaubenshaltung meinen, er sei später erst adoptiert worden, zum Beispiel erst, als er vom Johannes dem Täufer getauft worden war.

Jesus > Christus

Nestorianismus:
Vermutlich war es Nestorius, Patriarch in Antiochia (fl. 410), der glaubte, Jesus Christ habe zwei Naturen – er sei Mensch und Gott —, die während seines Lebens auf Erden separat blieben. Das hat Nestorius nicht wirklich gesagt (obwohl er die jungfräuliche Geburt leugnete), doch die Bezeichnung blieb. Im Iran gibt es noch immer einige wenige nestorianische Kirchen.

Jesus……
Christus……

Apollinarianismus:
Benannt nach Apollinaris von Laodizee (fl. 350), diese Häresie besagt, dass Jesus Christ kein wirklicher Mensch war, doch auch nicht vollständig göttlich. Apollinarianer meinten, er habe einen menschlichen Körper und eine menschliche Seele, doch sein Geist sei Teil des ewigen Logos.

Je(Christus)sus

Arianismus:
Der Arianismus ist nach Arius (c. 250 – c. 336), einem Priester in Alexandria, benannt. Dies wird für die ernstlichste Häresie gehalten. Man glaubte, Jesus Christus sei eine besondere Schöpfung Gottes zur Rettung der Menschen. Der Arianismus war die Form des Christentums, an die sich die Goten hielten, und er war beliebt in allen Gebieten, die sie eroberten, darunter auch Italien, Spanien und Afrika.

Sozianismus:
Eine Version des Arianismus heißt Sozianismus (abgeleitet vom lateinischen socius, “Begleiter”) und besagt einfach, Jesus sei ein außergewöhnlicher Mensch gewesen. Diese Häresie lebt in zwei sehr unterschiedlichen Formen bis heute fort, bei den Unitariern und den Zeugen Jehovas.

nur Jesus (kein Christus)

Zitation

Boeree, C. George (11. Juni 2007): Geschichte der Psychologie: 1.8 frühchristliche Häretiker, URL: http://www.social-psychology.de/sp/h1/1.8

Text ist in Seiten aufgespalten » Text nicht aufspalten

angrenzende Kapitel:
|

© 1998-2008 Dr. C. George Boeree. All rights reserved.
© dt. 2006-2008: d.wieser für social-psychology.de. All rights reserved.