2.3 Die Aufklärung

George Berkeley (1685-1753)

George BerkeleyGeorge Berkeley ist am 12 März 1685 in Dysert Castle in Irland geboren. Er besuchte das Trinity College in Dublin, wo er unter anderem auch Lockes Schriften studierte. 1709 schrieb er An Essay Towards a New Theory of Vision. Darin fragte er, was ein Mann sehen würde, der blind geboren ist und sein Augenlicht wiedererlangt?

Berkeley argumentierte, der Mann würde ein bedeutungsloses Arrangement von Qualitäten sehen, die er als in seinem Verstand und nicht außerhalb seiner Augen existierend interpretieren würde. Nur die wiederholte Verbindung zwischen dem, was er sieht, und dem Berühren dieser Objekte könnte ihn Formen, Entfernungen und so weiter lehren. Später, als man Menschen operativ das Augenlicht zurückgab, bestätigte sich Lockes Theorie.

Raum (Ausdehnung) ist deshalb ein Gedankenkonstrukt, eine Frage der Koordination von Beziehungen zwischen dem, was wir sehen und durch Berührung erfahren. Wir werden diese Vorstellung von Raum als einer gedanklichen Sache in Kants Theorie wieder antreffen.

1710 verfasste er The Principles of Human Knowledge. Wenn, wie Locke sagte, alles Wissen durch die Sinne entsteht, dann können wir nichts wissen, was nicht durch die Sinne erfahrbar ist. Ausdehnung im Raum, die Form der Dinge, der Widerstand, den sie unserer Berührung bieten, ihre Farben, Geschmack, Geruch … all das erfahren wir durch die Sinne. Doch wann wird Materie sinnlich erfahrbar? Wann sieht man Materie oder fühlt sie oder schmeckt sie? Alle Sinneserfahrungen sind Qualitäten, nie Substanzen! Deshalb ist die Materie unbewiesene Theorie. Weil der zu seiner Zeit herrschende Atheismus größtenteils auf dem Materialismus aufbaute, glaubte Berkeley einen K.O.-Schlag ausgeteilt zu haben!

Selbstverständlich glauben nicht nur Atheisten an die Materie – fast jeder tut das. Es ist “gesunder Menschenverstand”. Als Dr. Johnson so fest er konnte gegen einen Felsen trat, meinte er Berkeleys Gedanken den perfekten Gegenbeweis geliefert zu haben: Der Schmerz, den der Fels auslöste, konnte schwerlich geleugnet werden! Doch Berkeley wies darauf hin, dass man von dem Felsen nur Form, Farbe d.h. die Sinneserfahrung wissen konnte, eingeschlossen dem Schmerzempfinden, wenn man dumm genug war, gegen den Felsen zu treten.

Esse est percipi, sagte Berkeley: Sein ist wahrgenommen sein.

Was geschieht also mit den Dingen, wenn wir sie nicht ansehen, berühren oder dagegen treten? Verschwinden sie jedes Mal, wenn wir uns umdrehen? Berkeley sagte, dass das natürlich nicht der Fall ist! Dinge – alle Sammlungen von Qualitäten – bleiben immer, allerdings in Gott, der alles umfasst.

Wenn im Wald ein Baum umfällt und niemand es hört, gibt es ein Geräusch? Berkeley hätte gesagt, dass es ein Geräusch gibt, weil Gott es hört. Das ist vielleicht die reinste und eloquenteste Version des Idealismus, die man sich vorstellen kann. Nur die Mahayana Buddhisten haben eine ähnliche Vorstellung in ihrer “mind-only” Philosophie. In ihrem Fall beziehen sie sich nicht auf Gott, sondern auf den Geist Buddhas.

Berkeley verbrachte einige Zeit in Rhode Island, wo er auf die Erlaubnis wartete, in Bermuda ein College zu gründen, doch er erhielt nie eine Erlaubnis. Berkeley in Californien ist nach ihm benannt. 1734 wurde er (anglikanischer) Bischof von Cloyne und starb 1753 im Alter von 68 Jahren in Oxford.

Zitation

Boeree, C. George (10. Juni 2007): Geschichte der Psychologie: 2.3 Die Aufklärung, URL: http://www.social-psychology.de/sp/h1/2.3

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