
2.4 Metaphysik
Die Metaphysik ist der Bereich der Philosophie, der die Komposition des Universums untersucht und fragt “Woraus ist die Welt – uns Menschen eingeschlossen – gemacht?” “Welches ist die grundlegende Substanz?”
Man könnte meinen, das sei für eine Physiker interessanter als für einen Psychologen. Die Physik hat tatsächlich ihren Namen vom griechischen Wort physis, das “ultimative Substanz” bedeutet.
Doch für die Psychologie ist eines der beständigen Problemen die Beziehung zwischen Geist und Körper. Ist der Geist beispielsweise nur Gehirnaktivität, wie manche meinen? Oder ist der Geist mehr als das? Dies ist eines der Themen, die die Psychologie sowohl von der Religion als auch von der Philosophie geerbt hat: Wir können ebenso gut nach der separaten Existenz der Seele und ihrer Beziehung zu Geist und Körper fragen. Psyche ist schließlich das griechische Wort für Seele!
Aus einer Vielzahl von Gründen hätten es die Philosophen gern wenn es exakt eine ultimativen Stoff im Universum gäbe – eine Vorstellung, die Monismus genannt wird. Man mag es als die Liebe zur Einfachheit bezeichnen, doch das Problem ist natürlich, welcher Stoff? Es gibt zwei große Kandidaten für den Titel:
Materialismus und Idealismus.
Materialismus | Idealismus
Der Materialismus besagt, das besteht Universum vollständig aus Materie.
Für die Philosophen bedeutet Materie Energie und alles Körperliche. Einige frühe griechische Philosophen dachten zum Beispiel, die ganze Welt (uns Menschen eingeschlossen) sei aus Wasser geschaffen. Andere meinten, es sei Feuer. Wieder andere dachten, das Universum sei aus unsichtbaren Partikeln gemacht, die weder geschaffen waren noch zerstört werden konnten, diese nannten sie Atome.
Heute stimmen Physiker (und Chemiker, Biologen und die meisten Psychologen) in komplexeren Erklärungen überein, die dennoch letztlich auf die körperliche Wirklichkeit zurückgreifen.
(“Materialismus” meint hier nicht die Liebe zu materiellen Besitztümern!)
Der Idealismus ist der zweiter Bewerber um den Titel.
Der Idealismus besagt, das Universum besteht aus dem Geistigen, das als Gedanke oder Ideal bezeichnet wird. Die frühen Griechen hatten ebenfalls eine Reihe von Vorstellungen darüber, welche Art von Ideal das Universum ausmache. Manche sagten, die ganze Welt sei nichts als Gottes Traum (wie auch einige Hindu-Philosophen sagen würden). Andere betrachteten es als eine Art von Lebensenergie. Wieder andere sahen es als die Perfektion hinter der fehlerhaften Welt, die wir wahrnehmen. Moderne Philosophen des Idealismus sprechen in diesem Kontext von einer Welt der Menschen, oder einer Welt der Qualitäten.
(“Idealismus” meint hier nicht die Orientierung an hohen Idealen!)
Obwohl es uns scheinen mag, als sei der Materialismus offenkundig die bessere Antwort, ist es eher eine Frage der Kultur als der Philosophie. Die Mehrheit der Philosophen waren Idealisten, weil Idealismus vernünftiger ist als Materialismus!
Bedenken wir folgendes: Hat jemals jemand “Materie” gesehen? Wenn man sich einen Stuhl anschaut, sieht man zum Beispiel seine Form, die Farben. Wenn man ihn berührt, fühlt man den Widerstand, Wärme oder Kühle. Man kann auf den Stuhl klopfen und Geräusche entstehen, man kann daran riechen oder daran lecken (wenn man denn wirklich so weit gehen will) und so weiter. Man erlebt also viele materielle Dinge, doch nie die isolierte Materie! Ganz anders bei den Gedanken – man muss nur einen Gedanken haben und erfährt ihn als offenkundig!
(Wir kommen später noch auf weitere Arten von Monismus zurück.)
Zitation
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