3.2 Geschichte der Psychopharmakologie

Die Welt der Antike

Drogen und Medikamente waren immer unsere Begleiter. Wo es Pflanzen mit psychoaktiven Eigenschaften gab, gab es auch Menschen, die sich dies zunutze machten, zum Vergnügen, zur Entspannung oder um zu töten.

Die Aufzeichnungen aus der Geschichte sind voll von Beschreibungen wirksamer Psychopharmazeutika, doch einige waren besonders herausragend. Alkohol wurde für fast alles verwendet und stellte bereits bei den antiken Griechen und Römern ein Problem dar. Es gibt Dokumente über *Cannabis*anwendung im antiken mittleren Osten. Opium war in der Antike bekannt, scheint allerdings für streng medizinische Zwecke verwendet worden zu sein. Schierling war mit Sicherheit bekannt – Sokrates sah dem Tod in Form eines Bechers Schierling ins Auge.

Auch exotischere Substanzen waren erhältlich. Ein Extrakt des Nachtschattens ( Belladonna ), Atropin genannt, wurde überall zwischen Rom und Indien als Gift verwendet – und auch als kosmetisches Mittel: manchmal gaben Frauen einen Tropfen der schwachen Lösung in ihre Augen, um die Pupillen zu weiten! Heute wird die Substanz aus demselben Grund von Augenärzten verwendet.

Sehr beliebt war auch das Extrakt der Fingerhut pflanze, Digitalis genannt. Es handelt sich um ein starkes Gift, das auch zur Behandlung verschiedener Beschwerden Verwendung fand.

Und Pilze brachten vielen unserer Vorfahren interessante halluzinogene Erfahrungen (und ernste Erkrankungen!). Manche gehen davon aus, das heilige Getränk der antiken Aryan, das in den Veden erwähnt wird – Soma – sei ein Gebräu gewesen, in dem auch Pilze enthalten waren.

Mittelalter

Alkohol wurde in Europa auch während des Mittelalters mit großem Gusto weiterhin verwendet. Um 1250 entwickelten die Europäer den Destillationsprozess und fügten Brandy und andere Konzentrate zu dem bereits beliebten Getränken Wein und Bier hinzu. Man bezeichnete diese Destillate als “das Wasser des Lebens” – Aqua Vitae.

Im frühen Mittelalter führten arabische Händler und Krieger den Gebrauch von Schlafmohn in Indien und China ein. In China verwendete man Opium hauptsächlich als Medizin. Doch in Indien wurde es zu einer weit verbreiteten Gewohnheit der Reichen; Soldaten griffen zum Opium, um ihren Kampfesgeist zu stärken. Zu dieser Zeit nahm man Opium hauptsächlich als Getränk zu sich; gelegentlich wurde es auch gegessen.

Das Zeitalter der Entdeckungen

Im sechzehnten Jahrhundert hatte sich Alkohol zu einem ernstzunehmenden Problem entwickelt. Menschen wie Martin Luther und König James I von England verdammten die Trunkenheit. Doch die Gesellschaft betrachtete Alkohol überwiegend als ein Geschenk Gottes. Alle Versuche, den Konsum zu kontrollieren, scheiterten, so dass die Regierungen nur den Verkauf regulieren und mit Steuern belegen konnten.

Um 1650 gab es einen Fortschritt, als die Holländer billiges Destillat aus Getreide herstellten, das mit Wachholderbeeren aromatisiert wurde: Genever, oder Gin. Auch in England wurde das Getränk augenblicklich ein Renner.

Doch überall aus der Welt kamen neue psychoaktive Substanzen. Kaffee wurde zum Beispiel von Arabien nach Europa gebracht, denn in der arabischen Welt hatte man bereits Jahrhunderte zuvor das Rösten von Kaffeebohnen erfunden. Obwohl religiöse Führer den Konsum verdammten, war das Getränk unter den Moslems als Ersatz für Alkohol beliebt, deshalb nannte man Kaffee den “Wein der Araber”. Sowohl Europäer als auch Araber betrachteten Kaffee als gesund und heilsam. Es entwickelte sich außerdem der Kern einer neuen gesellschaftlichen Einrichtung, dem Kaffeehaus oder Café. Man pries den Kaffee insbesondere als den lang ersehnten Ersatz für den teuflischen Alkohol.

Im späteren Verlauf dieser Ära begannen die East India Company und andere Handelsvereinigungen Tee aus China und Indien zu importieren. Auch der Tee wurde als medizinisches Getränk gepriesen, doch mit dem Kaffee konnte er sich zunächst noch nicht messen.

Zu den ersten Dingen, die Kolumbus uns seine Nacheiferer entdeckten, nachdem sie Amerika entdeckt hatten, war Tabak. Die ersten Samen wurden von einem französischen Abenteurer namens André Thevet nach Europa gebracht. Jean Nicot aus Frankreich pries Tabak als starke Medizin, gut für eine ganze Reihe von Beschwerden, insbesondere für Lungenerkrankungen – von seinem Namen leitet sich der Begriff Nikotin ab.

Zehn Jahre später kamen die Tabaksamen auch nach England, wo sie durch die Handelskünste eines gewissen Sir Walter Raleigh überall in der Oberklasse verbreiteten. Man lobte es als Allheilmittel, es wurde zu einer der hauptsächlich angebauten Nutzpflanzen der Siedler in Virginia und anderen Orten der Neuen Welt. Um den Gebrauch zu kontrollieren, wurde Tabak mit hohen Steuern belegt.

Das Rauchen verbreitete sich auch in Asien, von der Türkei bis China. Dort war die Reaktion weit negativer als in Europa: in China stand auf Tabakverkauf beispielsweise die Todesstrafe durch Enthauptung, auch im Osmanischen Reich stand darauf die Todesstrafe. In Russland konnte das Rauchen mit Folter und Exil bestraft werden. Und der Papst bestrafte Kirchenmänner, die Tabak rauchten, mit Exkommunikation.
Natürlich hat all es nichts genutzt.

Eine andere große Droge, die in dieser Zeit in die westliche Welt eingeführt wurde, ist Koka. Kokablätter wurden schon seit Ewigkeiten in Südamerika gekaut, insbesondere von den Inkas. Nachdem Pizarro das Inkareich im Jahre 1553 zerstört hatte, brachte ein Abenteurer namens Monardes die Pflanze nach Europa, doch sie kam nicht gut an – jedenfalls nicht zu dieser Zeit!

Zitation

Boeree, C. George (10. Juni 2007): Geschichte der Psychologie: 3.2 Geschichte der Psychopharmakologie, URL: http://www.social-psychology.de/sp/h1/3.2

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