3.3 Charles Robert Darwin (1809-1882)

und die Evolution

Charles Robert DarwinCharles Darwin ist am 2. Februar 1809 in Shrewsbury, England, geboren. Sein Vater war Robert Waring Darwin, Arzt und Sohn des berühmten Erasmus Darwin, ebenfalls Arzt und auch ein renommierter Autor und Naturalist. Seine Mutter war Susannah Wedgewood Darwin. Sie starb, als Charles acht Jahre alt war.

Charles wurde an der Schule im Ort erzogen, die von Dr. Samuel Butler geleitet wurde. 1825 ging er nach Edinburgh um Medizin zu studieren, doch bald fand er heraus, dass das nichts für ihn war! Er wechselte nach Cambridge, um Geistlicher zu werden. Tatsächlich aber interessierte er sich weit mehr für Entomologie – insbesondere für Käfer – und fürs Jagen. Im Jahre 1831 schloss er sein Studium am Christ’s College ab.

Man sagt, er habe selbst als junger Mann ein geduldiges und offenherziges Gemüt gehabt, er verbrachte viele Stunden mit Proben und grübelte über neue Ideen nach. Zu dieser Zeit war der Evolutionsgedanke in aller Munde: Den Naturalisten war zunehmend deutlich geworden, dass sich die Spezies verändern und sich schon seit Jahrmillionen verändert haben. Die Frage war: wie geschah das? Einer seiner Mentoren, John Henslow, ermunterte ihn, sich für die (unbezahlte!) Stellung als Naturkundler auf einer Erkundungsexpedition auf dem nun berühmten Schiff, Beagle, unter dem Kommando des Captain Robert Fitz-Roy zu bemühen. Charles verließ England zum ersten Mal in seinem Leben am 27. Dezember 1831. Er sollte erst am 2. Oktober 1836 zurückkehren!

Die meiste Zeit verbrachte das Schiff damit, die Küsten Südamerikas und der umliegenden Inseln zu erkunden, es besuchte aber auch verschiedene Pazifikinseln, Neuseeland und Australien. Von den Galapagosinseln war er am stärksten beeindruckt. Dort fand er heraus, dass Finken eine Vielzahl von Schnabelformen entwickelt hatten – jeder Schnabeltyp war an eine bestimmte Nahrungsquelle angepasst. Die natürliche Variation hatte sich irgendwie so herausgebildet, dass die Schnäbel den ökologischen Nischen angepasst waren, die auf der kleinen Insel zur Verfügung standen.

Nach seiner Rückkehr schrieb Darwin einige Bücher, in denen er seine Erkenntnisse zu Geologie sowie den Pflanzen- und Tierarten verarbeitete, die er beobachtet und gesammelt hatte. Außerdem veröffentlichte er sein Tagebuch als Journal of a Naturalist. Er erwähnt, er sei sehr beeindruckt davon gewesen, wie sich ähnliche Tiere an verschiedene ökologische Bedingungen anpassten.

Sehr früh schon erkannte Darwin, dass die Menschen sich bei der Tierzucht dem Selektionsprinzip bedienten. Er musste nun herausfinden, wie die Natur ohne den Vorteil der Intelligenz dieser Aufgabe nachkam!

1838 las er ein Buch von Malthus mit dem Titel Population. Malthus brachte den Gedanken vor, der Wettbewerb um begrenzte Ressourcen in der Natur erhalte die Population stabil. Er warnte davor, auch die menschliche Population werde leiden, wenn sie ihre Ressourcen überstrapaziere!

Am 29. Januar 1839 heiratete Darwin Emma Wedgewood, eine Cousine. Sie lebten einige Jahre in London, zogen dann in das Dorf Down, 15 Meilen außerhalb von London, wo sie den Rest ihres Lebens verbrachten. Darwin litt an einer Krankheit, die er sich vermutlich Jahre zuvor infolge eines Insektenstichs in den Anden zugezogen hatte. Später konnte sein Sohn Francis gar nicht genug Worte für die Hingabe finden, mit der seine Mutter sich um das Wohlergehen des Vaters gesorgt hatte. Ohne sie wäre er bedeutend weniger produktiv gewesen. Sie hatten zwei Töchter und fünf Söhne.

Im Jahre 1842 schrieb Darwin eine Skizze seiner Theorie. 1844 schrieb er in einem Brief:

«At last gleams of light have come, and I am almost convinced (quite contrary to the opinion I started with) that species are not (it is like confessing a murder) immutable.»

Als er mit einer umfassenden Darstellung seiner Ideen zur Hälfte fertig war, erhielt er einen Text von A. R. Wallace, mit der Bitte um Kommentare. Dieses Essay stellte eine Theorie der natürlichen Selektion dar! Auch Wallace hatte Malthus gelesen, und im Jahre 1858 war ihm während einer fiebrigen Erkrankung plötzlich alles sonnenklar gewesen. Darwin hatte zwanzig Jahre lang gezögert, seine Ideen der naturwissenschaftlichen Öffentlichkeit zu enthüllen!

Darwin reichte das Essay an seinen Freund Sir Charles Lyell von der geologischen Gesellschaft weiter, darum hatte Wallace ihn gebeten. Lyell schickte das Essay weiter zusammen mit einem Essay von Darwin, um beide Texte bei einer naturwissenschaftlichen Konferenz vorzustellen. Sie hatten beiden folgenden Gedanken: Genau wie der Mensch das eine oder andere kleine Merkmal verstärken kann, indem Hunde oder Vieh selektiv gezüchtet werden, genau so selektiert die Natur ähnliche Variationen – indem sie nur den erfolgreichsten Variationen erlaubt zu überleben und sich im Wettbewerb um begrenzte Ressourcen fortzupflanzen. Obgleich die Veränderungen geringfügig und langsam vonstatten gehen, erlaubt ein Jahrtausend bereits die offensichtliche Vielfalt in der Natur! Darwin bezeichnete dies als natürliche Selektion.

[ Eine gute Quelle zu im englischen Original ]

1872 wurde The Expression of Emotion veröffentlicht. Hier spricht Darwin über die Evolution der Signale, mit denen Tiere kommunizieren, – und er verbindet diese Signale mit den Gefühlsausdrücken der Menschen. Das ist der erste Schritt hin zu einem Feld, das wir heute Soziobiologie (und Evolutionspsychologie) nennen.

Neben diesen einflussreichen Büchern untersuchte Darwin übrigens auch sehr gerne Pflanzen und er schrieb darüber. 1862 schrieb er Fertilization of Orchids. 1875 brachte er Climbing Plants und Insectivorous Plants heraus. I877 erschien Different Forms of Flowers on Plants of the Same Species. 1880 schrieb er mit seinem Sohn Francis The Power of Movement in Plants. Und 1881 veröffentlichte er das berühmte Buch Formation of Vegetable Mould through the Action of Worms!

Charles Darwin starb am 19. April 1882. Er wurde in Westminster Abbey beigesetzt. Offenbar war er ein gutherziger und sanftmütiger Mann, geliebt von Familie und Freunden gleichermaßen. Abgesehen von seiner Exkursion auf der Beagle verließ er kaum je sein Zuhause in Down. Seinen religiösen Glauben tauschte er nur widerwillig gegen einen Agnostizismus ein, was ihn aber nicht davon abhielt, sich in der Gemeinde an Wohltätigkeitsaktionen zu beteiligen.

Zitation

Boeree, C. George (10. Juni 2007): Geschichte der Psychologie: 3.3 Charles Robert Darwin (1809-1882), URL: http://www.social-psychology.de/sp/h1/3.3

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