
4.10 Kognition
In der letzten Hälfte des 20. Jahrhunderts führte das Aufkommen des Computers und das Denken, das damit einhergeht, zu einer neuen Herangehensweise an die Psychologie: die kognitive Bewegung. Viele erhoffen sich davon ein Paradigma – die alles in sich vereinende Theorie –, auf das wir gewartet haben. Noch ist es zu früh, um etwas sagen zu können, doch die Bedeutung der Kognitionspsychologie ist nicht zu leugnen.
Die Wurzeln der kognitiven Bewegung variieren extrem: Dazu gehören Gestaltpsychologie, Behaviorismus, sogar Humanismus; sie hat die Theorien von E.C. Tolman, Albert Bandura und George Kelly in sich vereinigt; sie umfasst Denker aus Linguistik, Neurowissenschaft, Philosophie und den Ingenieurswissenschaften; insbesondere umfasst sie auch Spezialisten der Computertechnik und das Feld der künstlichen Intelligenz.
Wir wollen beginnen, indem wir uns drei der größten Theoretiker der Informationsverarbeitung ansehen: Norbert Wiener, Alan Turing und Ludwig von Bertalanffy.
Norbert Wiener
Norbert Wiener ist am 26. November 1894 in Columbia, Missouri, geboren. Sein Vater war Professor für slawische Sprachen, der mehr erhoffte, als seinen Sohn als Genie zu sehen. Glücklicherweise konnte Norbert dieser Aufgabe gerecht werden. Im Alter von drei Jahren konnte er lesen, besuchte mit neun das Gymnasium, machte seinen Abschluss mit elf, hatte den Bachelorabschluss mit 14 und seinen Master – in Harvard! – mit siebzehn. Ein Jahr später machte er seinen Doktor, 1913, mit einer Dissertation über mathematische Logik.
(Vielleicht ist es ein Trost, dass Norbert kurzsichtig war, sehr nervös, tolpatschig, unsicher und sozial unbeholfen. Doch die Leute mochten ihn trotzdem!)
Nach seinem Abschluss ging er nach Cambridge, um bei Bertrand Russell zu studieren, dann an die Universität Göttingen, um bei dem berühmten Mathematiker David Hilbert zu studieren. Als er zurückkehrte, lehrte er an der Columbia, in Harvard und an der Maine University, war ein Jahr lang im Autorenteam der Encyclopedia Americana, ein Jahr lang Journalist für den Boston Herald und er arbeitete (obwohl er Pazifist war) als Mathematiker für die Army
Dann, 1919, wurde er Mathematikprofessor am MIT, wo er bis 1960 blieb. Er heiratete 1926 Margaret Engemann, sie bekamen zwei Töchter.
Wiener begann damit, die Bewegung von Partikeln zu erforschen und beschäftigte sich mit Quantenphysik, daraus resultierte sein Interesse an Transmissions- und Kontrollmechanismen. Während er an letzteren arbeitete, prägte er den Begriff Kybernetik, aus dem Griechischen für Steuermann, als Begriff für Systeme mit eingebauten Korrekturmechanismen, d.h. selbststeuernde Mechanismen. Während des Zweiten Weltkrieges arbeitete er an militärischen Kontrollmechanismen für die Army.
1948 veröffentlichte er Cybernetics: Or Control and Communication in the Animal and the Machine – Kybernetik. Regelung und Nachrichtenübertragung im Lebewesen und in der Maschine. Seit diesem Buch sind seine Begriffe wie Input, Output und Feedback populär!
Dann im Jahre 1964 veröffentlichte er das Buch God and Golem, Inc. mit dem Untertitel A comment on certain points where cybernetics impinges on religion. Er war besorgt, Maschinen könnten eines Tages uns, ihre Schöpfer, einholen. Im selben Jahr erhielt er die National Medal of Science. Wenige Wochen darauf starb er am 18. März in Stockholm, Schweden.
Die Vorstellung vom Feedback ist sehr alt, es gibt schon Hinweise in Aristoteles Werken. Im 18. Jahrhundert erlangte sie in Form der “unsichtbaren Hand”, einem Gedanken aus Adam Smiths The Wealth of Nations, traurige Berühmtheit, was einige als Wurzeln der Kontroll- und der Spieltheorie ansehen.
Feedback ist ein simpler Gedanke: Man nimmt den Output eines Systems und gibt ihn als Input wieder zurück, um den Prozess irgendwie zu ändern.
Beispiel: Homöostase oder das thermostatische Prinzip ist eine Form des negativen Feedbacks: es wird kalt im Haus, was das Thermostat einschaltet, welches wiederum die Heizung einschaltet. Es wird wärmer, wodurch das Thermostat reagiert, um diesmal die Heizung abzuschalten. Dann wird es kühler und der Kreislauf beginnt erneut. Das Ziel eines solchen Systems ist ein Equilibrium (sagen wir, 18° im Haus), doch eigentlich ist es eine oszillierende Aufholjagd.
Positives Feedback entsteht, wenn der Output dem System mitteilt, noch mehr von etwas zu produzieren. Obwohl das “positiv” in positives Feedback so klingt, als sei es eine gute Sache, neigt der Prozess doch dazu, aus dem Ruder zu laufen, wenn er nicht durch negatives Feedback ausgeglichen wird. Ein Beispiel für positives Feedback sind “economic bubbles”, wenn etwas an Wert zunimmt, (so wie Tulpen im Holland des 17. Jahrhunderts oder “dot-coms” in jüngerer Vergangenheit), kauft jeder das Produkt, der Preis steigt, das führt zu mehr Investoren, bis die ganze Sache schließlich kollabiert.
Was Wiener entgangen war, ist die größere Bedeutung seiner Feedback-Idee!
Zitation
4.9 moderne Medizin & Physiologie « | » 4.11 Computerzeitleiste
© dt. 2006-2008: d.wieser für social-psychology.de. All rights reserved.








