
4.7 Die Gestaltpsychologie
Die Gestaltpsychologie, begründet von Max Wertheimer, war in gewissen Maße eine Rebellion gegen Wundts Molekularismus in der Psychologie, darin stimmten viele Zeitgenossen überein, unter anderem auch William James. Der Begriff Gestalt verweist auf ein einheitliches, bedeutsames Ganzes, und dies sollte stattdessen der Hauptaugenmerk der psychologischen Forschung sein.
Die Wurzeln finden sich bei einer ganzen Reihe älterer Philosophen und Psychologen:
Ernst Mach (1838-1916) führte das Konzept von Raum- und Zeitformen ein. Wir sehen ein Quadrat als Quadrat, egal, ob es groß oder klein, rot oder blau, skizziert oder in Technicolor dargestellt ist… Das ist mit Raumform gemeint. Ebenso erkennen wir eine Melodie selbst dann noch, wenn die Tonlage so verändert ist, dass keine einzige Note mehr stimmt.
Christian von Ehrenfels (1859-1932), der mit Brentano in Wien studierte, ist der eigentliche Urheber des Gestalt-Begriffs wie ihn die Gestaltpsychologen verwenden würden. 1890 schrieb er nämlich ein Buch mit dem Titel On Gestalt Qualities. Einer seiner Studenten war niemand anderer als Max Wertheimer.
Oswald Külpe (1862-1915) studierte bei G. E. Müller in Göttingen und machte in Leipzig seinen Doktor. Er studierte auch bei Wundt und war viele Jahre lang dessen Assistent. Der Großteil seiner Arbeiten entstand an der Universität Würzburg zwischen 1894 und 1909.
Er ist am bekanntesten für seine Idee der bildlosen Gedanken. Anders als die Anhänger Wundts konnte er zeigen, dass einige geistige Tätigkeiten wie etwa Beurteilungen und Zweifel ohne Bilder zustande kommen konnten. Die “Stücke” der Psyche, die Wundt postuliert hatte Empfindungen, Bilder und Gefühle reichten offenbar nicht aus, um alle Vorgänge zu erklären.
Er war es auch, der Max Wertheimers Dissertation betreute.
Max Wertheimer
Nun, wer war also dieser Max Wertheimer? Er ist am 15. April 1880 in Prag geboren. Sein Vater war Lehrer und Schuldirektor. Max studierte mehr als zwei Jahre lang Jura, dann entschied er sich für Philosophie. Er ging zum Studium nach Berlin, wo er bei Stumpf studierte und schließlich an der Universität Würzburg im Jahre 1904 bei Külpe seinen Doktor machte (summa cum laude).
1910 ging er an das psychologische Institut Frankfurt. Während eines Urlaubs in jenem Jahr erwachte sein Interesse für die Wahrnehmungen, die er selbst bei einer Zugfahrt erlebte. An einer Station kaufte er ein Spielzeugstroboskop eine drehbare Trommel mit Gucklöchern und Bildern an den Innenseiten, etwas wie ein primitiver Film.
In Frankfurt überließ ihm sein früherer Lehrer Friedrich Schumann ein Tachistokop, um daran den Effekt zu untersuchen. Seine ersten beiden Probanden waren zwei jüngere Assistenten Wolfgang Köhler und Kurt Koffka. Sie sollten ein Leben lang Partner bleiben.
Im Jahre 1912 veröffentlichte er Experimental Studies of the Perception of Movement. Im selben Jahr bot man ihm einen Lehrstuhl an der Universität Frankfurt an. 1916 zog er nach Berlin, wo er 1922 Assistenzprofessor wurde. 1925 kehrte er nach Frankfurt zurück, diesmal als Professor.
1933 floh er vor den politischen Problemen in die Vereinigten Staaten. Im Jahr darauf begann er an der New School for Social Research in New York City zu unterrichten. Dort schrieb er sein bekanntestes Buch Produktives Denken ( Productive Thinking ), welches posthum von seinem Sohn Michael Wertheimer, selbst ein erfolgreicher Psychologe, veröffentlicht wurde. Er starb am 12. Oktober 1943 in seinem Haus in New York.
Wolfgang Köhler
Wolfgang Köhler ist am 21. Januar 1887 in Reval, Estland, geboren. Seinen Doktor machte er an der Universität Berlin. Er wurde Assistent am Psychologischen Institut Frankfurt, wo er Max Wertheimer traf und mit ihm zusammen arbeitete.
1913 machte er eine Studienreise zur Anthropoid Station, Teneriffa, auf den Kanarischen Inseln, dort blieb er bis 1920. 1917 schrieb er sein bekanntestes Buch Intelligenzprüfungen an Menschenaffen ( Mentality of Apes ).
1922 wurde er Präsident und Direktor des psychologischen Labors an der Universität Berlin, wo er bis 1935 blieb. Während dieser Zeit, schrieb er 1929 Psychologische Probleme ( Gestalt Psychology ). 1935 emigrierte er in die Vereinigten Staaten, wo er bis zu seiner Pensionierung in Swarthmore unterrichtete. Er starb am 11. Juni 1967 in New Hampshire.
Kurt Koffka
Kurt Koffka ist am 18. März 1886 in Berlin geboren. Er machte seinen Doktor 1909 an der Universität Berlin und wurde genau wie Köhler Assistent in Frankfurt.
1911 ging er an die Universität Gießen, wo er bis 1927 lehrte. Dort schrieb er Die Grundlagen der psychischen Entwicklung ( Growth of the Mind: An Introduction to Child Psychology ) (1921). 1922 schrieb er einen Artikel für den Psychological Bulletin, worin er das Gestaltprogramm den amerikanischen Lesern vorstellte.
1927 emigrierte er in die Vereinigten Staaten, um am Smith College zu lehren. Er veröffentlichte Principles of Gestalt Psychology im Jahre 1935. Er starb 1941.
Zitation
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