Aggression


d.wieser, 06. Juni 07

Aggression umfasst in psychologischem Verständnis die bewusste, willentliche Verletzung anderer Personen. Nicht nur Handlungen, auch Worte gelten als verbale Aggression, wenn sie anderen psychologischen Schaden zufügen. Darüber hinaus können auch Gedanken bzw. Phantasien als aggressiv gelten, welche die Verletzung anderer zum Inhalt haben.

Die bedeutendsten Theorierichtungen:

  • Ethologie: z.B. die Arbeiten des Verhaltensforschers Konrad Lorenz, der ausgehend von Beobachtungen der Tierwelt die instinktgeprägte Aggression des Menschen erläuterte. Das sogenannte Böse. Zur Naturgeschichte der Aggression, 1974.
  • Psychoanalyse: auch Freud vertrat eine instinktbasierte Theorie der Aggression, indem er Zusammenhänge zwischen aggressiven Verhaltensweisen und dem Todestrieb (Thanatos) darstellte.
  • Theorie sozialen Lernens: Zum einen gibt es die Theorie des Lernens am Erfolg, wenn Kinder lernen, dass sie gewisse Wünsche auf aggressive Weise erfolgreich umsetzen können. Daneben zeigten Alfred Banduras Untersuchungen, dass bei der Entstehung aggressiven Verhaltens Verstärkung und (nachahmendes) Lernen am Modell eine bedeutsame Rolle spielen; d.h. dass sowohl friedliche als auch aggressive Vorbilder nachgeahmt werden [ vgl. Referat » Albert Bandura: Transmission von Aggression durch Nachahmung eines Modells ].
  • Frustration-Aggression Hypothese: Miller und Dollard erarbeiteten Erkenntnisse über die Dynamik blockierten zielgerichteten Verhaltens (i.S.v. Frustration) und aggressiven Reaktionen.
Onsite
  • [ ebooks ] Grundlagen der Sozialpsychologie » 7. Soziobiologie » 7.3 Aggression.
    Autor: C. George Boeree PHD; dt.: d.wieser
  • [ ebooks ] Grundlagen der Sozialpsychologie » 8. soziales Lernen » erlernte Aggression.
    Autor: C. George Boeree PHD ; dt.: d.wieser
  • [ notizen ] Bandura, Albert: Transmission von Aggression durch Nachahmung eines Modells
  • [ notizen ] Bateson, Gregory: Frustration-Aggression Hypothese und Kultur
  • [ notizen ] Miller, Neil E.: Frustration – Aggression Hypothese
  • [ notizen ] Sears, Robert R.: Non-Aggressive Reaktionen auf Frustration
Offsite
  • Es gibt einen relevanten Eintrag im Lexikon der Neurowissenschaft mit übler Formatierung und interessanten Links, die sich nur zahlenden Kunden öffnen. Ein sehr lexikonartiger Eintrag, der nur ein klein wenig tiefer in neurowissenschaftliche Zusammenhänge blickt, als es etwa die gute alte Brockhausausgabe zum Stichwort Aggression tun würde. Copyright Spektrum Akademischer Verlag (Host: wissenschaft-online.de)

Die Forschungspublikationen zum Thema Aggression sind schier unüberschaubar. Ich entscheide mich für eine beispielhafte Nennung neueren Datums:

  • Grandios: Aggression in der Lebenswelt: die Erweiterung des Parsonsschen Konzepts der Aggression durch die Beschreibung des Zusammenhangs von Jargon, Aggression und Kultur von Alexander C. Karp, 2002 (Host: d-nb.de) PDF.GZ (dearchiviert 616KB)

Zitation

wieser, d. (06. Juni '07): Aggression, URL: http://www.social-psychology.de/sp/konzepte/aggression

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04. Juni '08

Vorlesungen zur Sozialpsychologie WS 05/06

Prof. Dr. Heiner Keupp und Prof. Dr. Dieter Frey von der Ludwig-Maximilians-Universität München sind mit Vorlesungen zu Grundlagen der Sozialpsychologie (2005/2006) online als Videovorlesung zu verfolgen. Es handelt sich um insgesamt 26 Vorlesungen in bemerkenswerter technischer Qualität — von inhaltlichen Qualitäten will ich gar nicht reden… ein echter Favorit im Netz.


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Schlüsselkonzept
05. Juni '07

Motivation

Motivation wird in der Psychologie gemeinhin definiert als das, was Beginn, Form, Richtung, Intensität und Dauer menschlicher Handlungen bestimmt. Situative Einflüsse werden als motivierendes Potential in die Betrachtung einbezogen, persönliche Einflussfaktoren werden hier als Motive bezeichnet.


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Referat
05. Juli '07

Gehorsam in moderner Gesellschaft: Die Utrecht Studien.

Das Gewicht der Autoritätsperson im Gehorsamsexperiment hat bei den Utrecht Studien nicht weniger Einfluss als bei Milgrams Experiment. Da die Form der ausgeübten Gewalt in dieser Studie alltäglichen Situationen angenähert ist, resultiert eine insgesamt höhere Gehorsamsbereitschaft für psychologisch-administrative Gewalt. Die Autoren sprechen hier von einem “Charakteristikum normaler sozialer Umstände” in modernen westlichen Gesellschaften.
Anders als in Milgrams Experimenten ist der Gehorsam hier nicht durch mangelnde Orientiertheit der Probanden zu erklären. Selbst wenn eine Woche im Voraus klar war, worum es im Experiment gehen würde, war die Gehorsamsbereitschaft extrem hoch. Die Experimente zeigten, dass die Probanden durchaus nicht unfähig wären, sich einer Autorität zu widersetzen, da sie sich beim ersten Anzeichen von Gefahr für sich selbst (legal liability) durchaus ungehorsam zeigen konnten. Als Grund nehmen die Autoren an, das Opfer sei in den Augen der Probanden eine neutrale Person, deren Schicksal ihnen letztlich gleichgültig sei, wenn sie die Verantwortung für den durch sie entstehenden Schaden einer Autorität (Institution) zuschreiben können.

Quelle: H.J. Wim Meeus & Quinten A.W. Raaijmakers: Obedience in modern society: the Utrecht studies. in: Journal of Social Issues, 1995.


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