«Fortschritt findet man meistens dort, wo Menschen in einer bestimmten Situation beschließen, den Gehorsam zu verweigern.»
Halldor Laxness
Aggression
d.wieser, 06. Juni 07
Quellen
Vier Sätze zur Notwendigkeit menschlicher Aggression von Konrad Lorenz:
Wir wissen nicht, in wie vielen und wie wichtigen Verhaltensweisen des Menschen Aggression als motivierender Faktor mit enthalten ist. Ich vermute, dass deren sehr viele Sind. Das “Aggredi” im ursprünglichsten und weitesten Sinne, das Anpacken einer Aufgabe oder eines Problems, die Selbstachtung, ohne die vom täglichen Rasieren bis hinauf zum sublimsten künstlerischen oder wissenschaftlichen Schaffen so ziemlich alles wegfallen würde, was ein Mann von morgens bis abends tut, alles, was mit Ehrgeiz, Rangordnungsstreben zu tun hat, und unzähliges anderes, ebenso Unentbehrliches würde wahrscheinlich mit der Ausschaltung des Aggressionstriebes aus dem menschlichen Leben verschwinden. Ebenso verschwände sehr wahrscheinlich eine sehr wichtige und spezifische menschliche Fähigkeit, nämlich das Lachen!
[ Konrad Lorenz: Das sogenannte Böse. Zur Naturgeschichte der Aggression, München: dtv, 1983; S. 248. ]
Eine no-nonsense Betrachtung aus den Sphären der Ethologie; nur für den Fall, dass man vergisst, wozu (und wie prächtig) Aggression funktioniert:
Wir verwenden die Begriffe Aggression und aggressives Verhalten als sinnverwandte Worte. […] Psychologen definieren den Begriff häufig nach der Intention, zu verletzen oder zu schädigen, und setzen ihn damit gegen nicht beabsichtigte Schädigung oder Schmerzzufügung mit der Intention zu heilen ab. Mit einer solchen Definition wäre bei Tieren nichts anzufangen, da man deren subjektive Intention nie feststellen kann. Es hilft auch nicht, die Verletzung als Kriterium einer erfolgten Aggression heranzuziehen, denn gerade diese unterbleibt häufig bei den Turnierkämpfen. […] Man kann dennoch eine operationale Definition nach dem Erfolg der Auseinandersetzung vornehmen: Gewisse Verhaltensweisen führen dazu, dass einer von zwei oder mehreren Opponenten schließlich weicht oder Abstand hält. […] Der Verlierer einer Auseinandersetzung nimmt eine niedrigere Rangstufe ein. In allen Fällen erlangt der Sieger den Vortritt zu begehrten Ressourcen. Die Aggression verschafft ihm eine Position der Dominanz und damit einen Freiraum zum Handeln. Der Sieger in einer Auseinandersetzung fördert so seine Eignung auf Kosten des Besiegten.
[ Irenäus Eibl-Eibesfeldt: Grundriss der vergleichenden Verhaltensforschung, München: Pieper, 1999; S. 518 ]
Mitscherlich & Mitscherlich zur Psychodynamik der Aggression in einem Kollektiv, das durch eine Führerfigur geeint ist:
Die Rivalität innerhalb einer so geeinten Gesellschaft ist nun zwar stark gemindert, aber die bisher in ihr gebundene Aggression macht sich bald wieder bemerkbar, indem nun regelhaft nach “außen”, auf eine Fremdgruppe, sei es ein Volk oder eine Minorität, aggressiv projiziert wird. Es ist geradezu ein signifikanter Zug an hochgestimmten Massenbewegungen, dass Aggression aus ihrem Binnenraum verschwindet und in der Verfolgung von Sündenböcken wieder auftaucht. Ein jeder wird automatisch als Feind empfunden, der diese Idealbildung und diese feindselige Haltung festgelegten Aggressionsobjekten gegenüber nicht mitmacht.. Das hat nicht nur die Nazibewegung bewiesen, das ist weiterhin gültig geblieben.
[ Alexander und Margarete Mitscherlich: Die Unfähigkeit zu trauern. Grundlagen kollektiven Verhaltens, München: Piper, 1998; S. 73 ]
Tiefergehende sozialpsychologische Betrachtungen zur Rolle der Aggression für die Gesellschaft…
Kehren wir an den Ausgangspunkt unserer Überlegungen zurück, zu jenen der Liebe so gegenteiligen Äußerungen des Hasses, des Vernichtungstriebes. Auch diese Äußerungen des Hasses gehören zu den Möglichkeiten der menschlichen Triebkonstitution. Ihre schöngeistige Verleugnung ist selbst ein Kennzeichen der unbewältigten Aggressionslust. […] Es bleibt die paradoxe Antwort, dass Aggression in unserer Kultur trotz all ihrer aggressionsgespeisten Konkurrenzleidenschaft ungesättigt bleibt. Der Charakter der Ersatzbefriedigung ist vielen Aktivitäten deutlich anzumerken; das geht schon aus der suchthaften Art hervor, mit der sie betrieben werden. Der Schluss liegt nahe, dass Aggression entbehrte und unerreichbare libidinöse Befriedigung ersetzen muss. Das macht wieder auf die frühen Eingewöhnungen in die mitmenschliche Welt aufmerksam, auf jene Zeit, in der buchstäblich gelernt werden muss, was “Liebe” ist und wie man liebt. Die gesellschaftlichen Prozesse der technischen Großgesellschaft haben sich ohne Rücksicht auf den Triebkonservativismus des Menschen und die aus ihm stammenden Bedürfnisse entwickelt. Es ist eine von Massen besetzte und in ihren Bedingungen extreme Umwelt entstanden.
[ Alexander und Margarete Mitscherlich: Die Unfähigkeit zu trauern. Grundlagen kollektiven Verhaltens, München: Piper, 1998; S. 106-107 ]
Zitation
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16. Juni '07
OrientierungIm Netz sind gut sortierte und ständig betreute Linksammlungen von ziemlicher Bedeutung — schließlich landet man wer-weiß-wo, wenn man sich auf Suchmaschinen und Stichworte verlassen muss… Hier also Linksammlungen zur Psychologie, mit denen man tatsächlich etwas anfangen kann… » lesen ... |
31. Juli '07
Kognitive DissonanzMenschen zeigen das Bemühen, Kognition, Einstellungen, Annahmen, Wahrnehmungen miteinander und mit ihrem individuellen Selbstbild in Einklang zu bringen – psychologische Harmonie herzustellen, so könnte man sagen. Entsteht Dissonanz, werden Menschen ihre Einstellungen, Annahmen etc. so ändern, dass ein stimmiges Gesamtgefüge entsteht, denn derartige Unstimmigkeiten werden als überaus unangenehm und belastend empfunden. » lesen ... |
03. Juni '07
Sears, Robert R.: Non-Aggressive Reaktionen auf FrustrationJede laufende Aktivität geht auf eine Form der Initiierung zurück. Die Aktivität selbst repräsentiert eine Sequenz instrumenteller Handlungen, die dazu dienen, Organismus und Umfeld in einen Kontext zu bringen, welcher die Zielhandlung ermöglicht. » lesen ... |


