Balancetheorie


d.wieser, 06. Juni 07

In enger Anlehnung an die zeitgenössischen Arbeiten der Gestaltpsychologen entwickelte Fritz Heider die Balancetheorie, welche sich auf zwischenmenschliche Wahrnehmungsmuster bezieht: Alle Objektkonfigurationen – also auch die Konfiguration sozialer Objekte – lassen sich klassifizieren als balancierte oder nicht balancierte Verhältnisse. Wir bevorzugen Konstellationen, die eine bestimmte Balance aufweisen, weil wir darin (in gestalttheoretischen Begriffen ausgedrückt) simple Strukturen bzw. “gute” Figuren erkennen können.

Im Englischen spricht man auch von der P-O-X-Theorie: P steht für person, O steht für object und X steht für ein ungewisses Element, das die Beziehung zwischen Person und Objekt situationsspezifisch strukturiert.

Das schlichteste Beispiel liefern Beziehungen zwischen zwei Personen:

  • Person A mag Person B.
  • Person B mag Person A.

Dies steht eindeutig für ein ausbalanciertes “gutes” Verhältnis zweier Personen zueinander.

  • Person A mag Person B.
  • Person B mag Person A nicht.

Hierin erkennt man unschwer ein Ungleichgewicht der interpersonalen Beziehung. Nach Heiders (hier stark vereinfacht dargestellter) Theorie zwingt ein solches Ungleichgewicht die Menschen, Balance herzustellen. Dies kann zum Beispiel erreicht werden,
(a) indem man seine Einstellung gegenüber der anderen Person ändert;
(b) indem man die eigene Wahrnehmung der Einstellung des anderen abfälscht;
© indem man die Einstellung des Gegenübers manipuliert;
(d) …

p-o-x
Geht es um Beziehungen zwischen drei Personen, werden die Dynamiken wesentlich komplexer (die eigentliche P-O-X-Situation):

  • Person A mag Person B und zudem auch ein Element X (z.B. den gemeinsamen Chef)
  • Person B mag Person A, nicht jedoch das Element X.

Auch dies ist eine offenkundig schwierige zwischenmenschliche Situation, die Heider als unbalanciert bezeichnet hat. Es wirkt in derartigen Situationen eine Kraft, die das System A-B-X in Einklang zu bringen bestrebt ist, etwa indem A seinen Einstellung gegenüber B ändert, oder B seine Ablehnung gegenüber X ablegt, oder indem A und B sich darauf einigen, X abzulehnen etc.

Die Prinzipien der Balancetheorie werden weithin dazu herangezogen, zwischenmenschliche Beziehungen, zu untersuchen, ebenso in der Einstellungsforschung (um herauszufinden, wie sich die Einstellung der Menschen ändern lässt), im Bereich der sozialen Kognitionsforschung sowie im Bereich der Motivationsforschung.

So lässt sich mithilfe der Balancetheorie theoretisch ausdrücken, wie sich die Motivation für Veränderungen aus der Konfiguration bestimmter kognitiver Elemente ergibt (statt ausschließlich davon auszugehen, dass Bedürfniszustände alleinige Auslöser sein können). Denn nach gestalttheoretischen Prämissen formt das gesamte Muster einer Struktur deren motivationsspezifischen Auswirkungen auf den Menschen.


Zitation

wieser, d. (06. Juni '07): Balancetheorie, URL: http://www.social-psychology.de/sp/konzepte/balancetheorie

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29. November '07

Vorlesung zur Kommunikations- und Medienpsychologie

Ein recht aktueller Fund im Netz ist die Vorlesungsreihe Kommunikationspsychologie 2-4, die Professor Frindte im November 2007 an der Universität Jena präsentiert.


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Schlüsselkonzept
05. Juni '07

Motivation

Motivation wird in der Psychologie gemeinhin definiert als das, was Beginn, Form, Richtung, Intensität und Dauer menschlicher Handlungen bestimmt. Situative Einflüsse werden als motivierendes Potential in die Betrachtung einbezogen, persönliche Einflussfaktoren werden hier als Motive bezeichnet.


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Referat
05. Juni '07

Lucas & Lovagli: Selbstbehinderndes Verhalten: Gender, ethnische Zugehörigkeit und Status

Den theoretischen Hintergrund der Untersuchung bildet die Status Characteristics Theory, sie stellt Bezüge zwischen Merkmalen wie Geschlecht und Ethnie und dem gesellschaftlichen Rang eines Individuums her. Die Mitglieder einer Gruppe entwickeln Erwartungen bezüglich der individuellen Kompetenz, einen Beitrag zum Gruppenziel leisten zu können. Ein Erklärungsansatz für Geschlechterunterschiede bei selbstbehinderndem Verhalten lautet: wenn Geschlecht (in einigen Gesellschaften) ein Statusmerkmal ist und Männer höher geachtet sind als Frauen, zeigen Männer mehr selbstbehinderndes Verhalten, um so ihre (Selbst)Achtung zu schützen.


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