Essstörung


d.wieser, 06. Juni 07

Charakteristisch ist eine obsessive Beschäftigung mit Nahrung, Nahrungsaufnahme und Körpergewicht. Ursachen der verschiedenen Erkrankungsformen liegen grob gefasst im Bereich des Selbstwertgefühls sowie auch in gesellschaftlichen (medialen) Botschaften, welche Schlankheit mit Glücklichsein assoziieren.

Man geht davon aus, dass die Ursachen weder eindeutig physisch noch eindeutig psychisch zu sehen sind, daher bedarf es der medizinischen wie der psychologischen Therapie.

Magersucht und Bulimie zeigen einige Parallelen, dennoch handelt es sich um verschiedene Krankheitsbilder, deren herausragendste Gemeinsamkeit darin liegt, dass sie in der Phase der Adoleszenz entstehen.

Bei einer Magersucht liegt das angestrebte Gewicht noch unter dem eigentlichen subjektiven Wunschgewicht und wird durch strenges Fasten zu erreichen versucht. Das Untergewicht hat für die Patientinnen und Patienten einen höchst wertvollen Status, dabei ist ihnen die Nahrungsaufnahme nicht unangenehm, sondern einzig die Gewichtszunahme wird vehement vermieden. Der Begriff “Anorexie” bedeutet Appetitlosigkeit, was für das Krankheitsbild der Magersucht nicht zutreffend ist.

Es geht auf psychischer Ebene um Selbstwirksamkeit oder Autarkiebestrebungen in der Adoleszenz bezogen auf die sich entwickelnde Geschlechtsidentität. Magersucht stellt sich als eine Technik dar, etwas zu schaffen, den eigenen reifenden Körper zu kontrollieren und zu formen, was das Identitätsgefühl stärkt bzw. das Selbstwertgefühl der Erkrankten (vorübergehend) steigert.

Entwicklungspsychologisch betrachtet handelt es sich bei der Magersucht um eine Form gestörter Entwicklung der Geschlechtsidentität, da die Autarkiebestrebung auf den körperlichen Bereich verschoben ist, ohne dass das Entwicklungspotential der Persönlichkeit als Einheit verwirklicht wird.

Bei einer Bulimie ist das körperliche Ideal nicht Untergewicht, sondern eher ein begehrenswerter schlanker Körper. Oft durch Diäten ins Rollen gebracht, entsteht eine Dynamik aus Heißhunger, übermäßiger Nahrungsaufnahme und anschließendem Fasten bzw. ein Entleeren des Körpers mit verschiedensten Mitteln.

Mit jeder unkontrollierten Nahrungsaufnahme sind schwere Schuldgefühle verbunden, die Disziplinübungen des Fastens und Entleerens des Körpers hingegen bieten das Gefühl der Kontrolle sowie die Nähe zum angestrebten Idealkörper.

Psychische Hintergründe dieser Erkrankung stellen beispielsweise Trennungsängste dar; und anders als im Falle der Magersucht lehnen Bulimiepatienten ihren sexuell reifenden Körper nicht ab, sondern perfektionieren sich in enger Anlehnung an das vorherrschende Schönheitsideal der Gesellschaft.

Onsite
  • [ ab-server der Uni Leipzig. Zumal hier nicht nur Information aufgeboten wird, sondern in asynchroner Kommunikation Anfragen Betroffener (i.S.v. interaktiver Beratung) entgegen genommen, bearbeitet sowie Studien und Fachpublikationen vorgestellt werden. (Host: uni-leipzig.de) HTML
Anmerkung

Geradezu kurios ist die Beobachtung, dass informative, präventive oder beratende Websites mit gängigen Werbeeinblendungen (deren dynamische Inhalte sie nur unwesentlich beeinflussen können) der Lächerlichkeit preisgegeben sind. Im deutschen wie englischsprachigen Netz sind etliche Seiten in guter Mission unterwegs, wobei die Werbeblöcke endlos mit themenverwandten Wundermedikamenten werben. Natürlich erhält man auf die probeweise Suchanfrage “anorex” Angebote für Appetitzügler und Schlankheitselixiere … so ist denn selbst bei einer digitalen Recherche augenfällig, dass es sich bei diesem Themenbereich um ein gesellschaftliches Phänomen handelt, das abgesehen von medialen Vorbildern durchaus auch durch Marketingaktionen der Pharmaindustrie (wohl-)genährt ist…. [ d. wieser ]


Zitation

wieser, d. (06. Juni '07): Essstörung, URL: http://www.social-psychology.de/sp/konzepte/essstoerung


02. Dezember '07

Braincasts: Gehirn und Geist

Podcasts der Zeitschrift Gehirn&Geist zu Themen aus Neurowissenschaft, Philosophie und Psychologie liegen zum Anhören sowie zum freien Download bereit.
(Quelle: gehirn-und-geist.de )


» lesen ...
Schlüsselkonzept
04. Juli '07

Norm

In der Sozialpsychologie betrachtet man Gruppennormen, soziale Normen, gesellschaftliche Normen und kulturelle Normen – keine Gruppe, Gesellschaft oder Kultur ließe sich beschreiben, ohne die jeweiligen Normsysteme zu berücksichtigen.
Bei der Untersuchung von Normen unterscheidet man zwischen deskriptiven und injunktiven Normen: Deskriptive Normen beziehen sich auf das, was die Mehrheit tun bzw. als angemessen betrachten würde; injunktive Normen umfassen ein ausdrückliches Werturteil, also die Unterscheidung, was in der jeweiligen Situation als angemessenes (richtiges) oder unangemessenes (strafbares) Verhalten zu gelten hat.


» lesen ...
Referat
22. Juli '07

Sherif, Cantril: Psychologie der "Einstellungen"

Der Prozess, in dessen Verlauf Konformität innerhalb einer Gruppe erreicht wird, hat die Bildung angemessener Einstellungen aller Gruppenmitglieder bezüglich sozial standardisierter Werte (Normen) oder anderer Verhaltensregeln zur Grundlage.
In der Mehrzahl sind unsere Einstellungen demnach Ergebnis der uns umgebenden Normen, doch Individuen erarbeiten sich auch auf Grundlage eigenen Wissens und logischer Analyse subjektive Einstellungen.
Sherif und Cantril stellen hier eine Zusammenschau der Ergebnisse aus Labor und in Feldforschung zusammen, um den aktuellen Stand zur Einstellungspsychologie darzulegen.

Quellen:

  • Muzafer Sherif, Hadley Cantril: The Psychology of “Attitudes”: Part I, in: Psychological Review, 1945, 52 (Host: brocku.ca) HTML.
  • Muzafer Sherif, Hadley Cantril: The Psychology of “Attitudes”: Part II, in: Psychological Review, 1946, 53 (Host: brocku.ca) HTML.


» lesen ...