«Jeder ist auf der Suche nach etwas, dem er gleichen möchte.»
Siegfried Lenz
Symbolischer Interaktionismus
d.wieser, 25. Juni 07
Eine theoretische Perspektive und Forschungstradition, deren Begriffsbildung auf Herbert Blumer zurückgeht (1937), wird als Symbolischer Interaktionsmus bezeichnet. Blumer war erst Schüler, dann Kollege des Soziologen George Herbert Mead, dessen Theorie des sozialen Pragmatismus den Symbolischen Interaktionismus durchdringt.
Diese sozialwissenschaftliche Perspektive wird gemeinhin der soziologischen Sozialpsychologie zugeordnet. Andere Perspektiven fokussieren biologische oder psychologische Faktoren (internal) bzw. strukturelle oder kulturelle Faktoren (external), um menschliches Verhalten zu erklären – der Symbolische Interaktionsmus hingegen geht davon aus, dass menschliches Verhalten durch interpretative Interaktion in konkreten sozialen Situationen geformt wird und aus der interaktiven Situation heraus zu erklären sei.
Historisch betrachtet entwickelte sich der Symbolische Interaktionismus aus der philosophischen Tradition des Pragmatismus (z.B. Henry James, John Dewey, Charles Pierce, George Herbert Mead). Nach Blumer ist die Perspektive durch drei theoretische Prinzipien charakterisiert:
- Menschen verhalten sich Dingen und anderen Menschen gegenüber auf der Grundlage der Bedeutungen, die diese Dinge oder Menschen für sie haben.
- Diese Bedeutungen entstehen in sozialer Interaktion mit anderen Menschen und wirken prägend darauf zurück.
- Menschen handhaben jene Bedeutungen durch einen Interpretationsprozess, der ihnen dazu dient, den Objekten ihrer sozialen Umwelt einen Sinn abzugewinnen.
Eng mit dem Symbolischen Interaktionismus verwandt ist Znanieckis Analytische Induktion. Blumers Studenten Strauss und Glaser entwickelten die Grounded Theory – eine induktive qualitative Forschungsmethode – aus dem symbolischen Interaktionismus.
Gemäß den Prinzipien des symbolischen Interaktionismus lässt sich menschliches Verhalten nur aus dem situativen Kontext heraus und mithilfe der Interpretation der handelnden Individuen selbst verstehen. Da das Individuum als aktiv sinngebende Einheit jeder Interaktion verstanden wird, befasst sich der symbolische Interaktionismus zuvorderst mit dem Selbst als jener Instanz im Menschen, welche reflektiert, benennt, interpretiert und sich zu sich selbst ebenso wie zu anderen Individuen in Beziehung setzt.
Man kann vereinfachend sagen, dass sich Wissenschaftler, die mit der Methode des symbolischen Interaktionismus arbeiten, auf Situationen aus den Alltag des Menschen beziehen. Dabei orientieren sie sich an George Herbert Mead’s Ansatz (auch als sozialer Pragmatismus bezeichnet), der die Gesellschaft in Form kleiner Gruppen untersuchte: hier geht es um Interaktionen zwischen Selbst und Anderen zum Beispiel durch Sprache (als Symbol verstanden) und den Sinn, den Symbole für die Mitglieder einer Gesellschaft haben. Nach Mead stellt die Gesellschaft somit eine intersubjektive Welt geteilter Bedeutung / Sinnzuschreibung dar, was sowohl die Stabilität als auch den fließenden Charakter der Gesellschaft ausmacht.
Onsite
- [ vordenker ] George Herbert Mead
Offsite
- Eine pointierte Darstellung des symbolischen Interaktionismus als soziologisches Paradigma ist auf den Seiten der Boulder Universität zu finden; bemerkenswert ist vor allem das Glossar. Autoren: Bandy, Foley, Hatch, Sirles und Snook, undatiert. (Host: colorado.edu) HTML.
Zitation
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