Frankl: Rundfunkvorträge 1951-1955


d.wieser, 16. Juni 07

Psychische Hygiene des Alterns

Mit diesem Vortrag doziert Frankl über ein zu seiner Zeit bereits aktuelles Thema, die so genannte “Überalterung der Bevölkerung”. Dabei geht es ihm vereinfacht formuliert darum, die Sinnsuche des Menschen ins Rentenalter hinein zu retten.

Anhand eines szenischen Beispiels illustriert Frankl, dass Untätigkeit und zielloses Dahinleben im Alter die eigentliche Definition des “Siechtums” ausmacht, da es dem grundlegenden menschlichen Verlangen zuwiderläuft, “dem Dasein die Sinnfülle zu sichern” (53). Wird das Ringen um Lebenszweck und Daseinssinn im Alter frustriert, bedeutet dies ebenso wie für jüngere Menschen zum einen das Gefühl innerer Leere und des weiteren bedeutet es eine höhere Erkrankungswahrscheinlichkeit oder gar einen verfrühten Tod. Aus diesem Grund plädiert Frankl für ein Tätigbleiben nach der Pensionierung, und zwar in einer Weise, die nicht nur dem Individuum zu einem Daseinszweck verhilft, sondern zudem einen unschätzbaren Beitrag für die Gemeinschaft beinhaltet.

Zur Verdeutlichung zieht Frankl Parallelen zwischen der Arbeitslosigkeitsneurose, die schon bei jungen Menschen schwere Depressionen zur Folge haben kann. Derartige Erkrankungen ließen sich seiner Forschung zur Folge lindern, indem die Betroffenen sich ehrenamtlich engagierten. Daraus leitet Frankl nun eine lebensverlängernde und krankheitsverhütende Wirkung des Tätigbleibens an sich ab.

Psychologisch bedeutsam ist, dass die Zeit sowie das Bewusstsein der Menschen von einem Gegenstand ausgefüllt bleiben, so dass das subjektive Gefühl erhalten bleibt bzw. neu geweckt wird, “ein wertvolles und lebenswürdiges Dasein zu leben” (57).

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Aus diesem Anliegen Frankls geht für mich erst hervor, was mit psychischer Hygiene gemeint ist – eine Art aufgeklärter Prophylaxebehandlung, die sich eindringlich gegen Dynamiken richtet, die seltsam “natürliche” Reaktionen der Menschen darstellen. Im Rentenalter genießt man seine freie Zeit, lebt endlich für sich allein und tut, was man will: man entspannt sich, meidet jegliche Form der Arbeit (für andere) und feiert sich selbst.
Mir kommt es so vor, als spreche Frankl vielleicht sogar gegen die etablierte “Natur” des Rentnerdaseins, wenn er entgegen einer hedonistischen Genußhaltung an die Schaffenskraft und sogar -pflicht der älteren Bevölkerungsanteile appelliert. Je nach Persönlichkeit des Einzelnen wird sein Aufruf eventuell unangenehm fordernd wirken. Sport und Fitness im Rentenalter sind heute etablierte Ziele, die der physischen Gesundheit dienen, Training des Geistes ist etwas weniger gut etabliert (und geht meines Erachtens in der Medienkonsum-Kultur kräftig unter), nun noch eine Fortsetzung der “Arbeit” vorzuschlagen, ist ungewöhnlich.

Wenn ich Frankl recht verstanden habe, meint er keine Hobbys, sondern die Übernahme von Verantwortung innerhalb der Gesellschaft; er meint auch keinen Freizeitsport, Spiele oder Reisen, sondern Tätigkeit – ob bezahlt oder unbezahlt sei egal: Arbeit also. Im Grunde tritt hier Frankls Menschenbild klar zutage, für ihn ist der Mensch natürlicherweise tätig und produktiv. Eine hedonistische Haltung, die er zwar nicht erwähnt, welche mit dem erwähnten “Siechtum” seltsam verknüpft scheint, und ein ergeben-passives Warten auf den Tod entsprechen nicht seinem Menschenbild.

Dreht man den Sachverhalt ein wenig um, so wird ersichtlich, dass das Rentenalter eine Lebensphase ist, in welcher man ohne täglicher Arbeit durch Erhalt der Rente wirtschaftlich versorgt ist; Frankl meint indes, dass man ohne Tätigsein nicht (gesund) leben kann, da Tätigkeit für den Menschen mehr ist, als Broterwerb – es ist Aktivität.

Bemerkenswert ist der Hinweis, dass sich Frankl mit diesem Vortrag an pensionierte Männer wendet, in Richtung der Frauen hingegen entwirft er einen gesonderten psychohygienischen Vorschlag mit charmanter Unterscheidung von Altern und Reifen: Die Psychische Hygiene des Reifens.


Zitation

wieser, d. (16. Juni '07): Frankl: Rundfunkvorträge 1951-1955, URL: http://www.social-psychology.de/sp/notizen/frankl-vortraege

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29. November '07

Vorlesung zur Kommunikations- und Medienpsychologie

Ein recht aktueller Fund im Netz ist die Vorlesungsreihe Kommunikationspsychologie 2-4, die Professor Frindte im November 2007 an der Universität Jena präsentiert.


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06. Juni '07

Aggression

Aggression umfasst in psychologischem Verständnis die bewusste, willentliche Verletzung anderer Personen. Nicht nur Handlungen, auch Worte gelten als verbale Aggression, wenn sie anderen psychologischen Schaden zufügen. Darüber hinaus können auch Gedanken bzw. Phantasien als aggressiv gelten, welche die Verletzung anderer zum Inhalt haben.


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Referat
19. Oktober '07

Bradbury, Mary: Repräsentationen des Todes

Es gibt wohl keine vollkommen erfolgreiche Auseinandersetzung mit dem Phänomen des Todes und der Sterblichkeit; wie Mary Bradbury im Vorwort feststellt, bleibt es ein beunruhigendes Thema. Und die Auseinandersetzung kann durchaus die Intensität des Lebens vertiefen.

«At first I felt in a privileged position as a social psychologist. The very name of my discipline holds the hope for a successful fusion of mind and culture.» (6)


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