Maslow, Abraham: Deprivation, Bedrohung und Frustration


d.wieser, 03. Juni 07

Anlässlich des Symposium on the Frustration-Aggression Hypothesis setzt Maslow dem gängigen Frustrationskonzept hier zwei Konzepte entgegen, die ihm als hilfreichere Arbeitshypothesen gelten: Deprivation und Bedrohung der Persönlichkeit des Individuums.

Zunächst weist Maslow darauf hin, dass das Frustrationserlebnis den ganzen Menschen betrifft, nicht allein gewisse Segmente des Menschseins wie etwa seine Bedürfnisse.

Von dort ausgehend macht er auf eine bedeutsame Unterscheidung aufmerksam, indem er zwei Konzepte benennt, die das Frustrationsphänomen überschneiden: Gemäß der gängigen Definition bedeutet Frustration, dass man nicht das Ersehnte erhält, ein Wunsch wird nicht erfüllt, eine Gratifikation bleibt unerreicht. Dabei handelt es sich bei genauer Betrachtung sowohl um Deprivation, die für den Organismus weitgehend unschädlich ist, als auch um Deprivation, die zugleich die Persönlichkeit des Individuums bedroht (seine Lebensziele, Abwehrmechanismen, sein Selbstwertgefühl oder Sicherheitsempfinden).

Maslow, AbrahamNur eine bedrohliche Deprivation hat laut Maslow die Vielzahl von Auswirkungen, die generell der Frustration zugeschrieben werden.
Als Beispiel bringt er die Erkenntnis ein, dass ein Zielobjekt sowohl intrinsische als auch symbolische Bedeutung für ein Individuum haben kann. Erhält ein bestimmtes Kind kein Eis von der Mutter, verliert es nur ein Eis. Ein zweites Kind empfindet in derselben Situation womöglich so, dass ihm nicht nur das Eis verwehrt bleibt, sondern zugleich die Liebe der Mutter. Für das zweite Kind hat das Eis nicht nur intrinsischen Wert als sensorische Gratifikation, sondern zusätzlich einen möglichen psychologischen (symbolischen) Wert.

Da diese Unterscheidung in der wissenschaftlichen Diskussion vernachlässigt worden sei, tauche ständig die Frage auf, ob sexuelle Deprivation unausweichlich zu Auswirkungen von Frustration führe (d.h. zu Aggression, Sublimierung etc.). In diesem Zusammenhang hat man nachgewiesen, dass pathogene Auswirkungen sexueller Deprivation nur zu erwarten sind, wenn die Erfahrung für die betreffende Person einen symbolischen Wert hat; wenn sie also als Zurückweisung durch das andere Geschlecht verstanden wird, als Minderwertigkeit, Wertlosigkeit, Respektlosigkeit oder Isolation.

Ähnlich werden die unvermeidbaren Deprivationserfahrungen der Kindheit schlicht mit Frustration gleich gesetzt. Doch wenn Kleinkinder sich der Liebe und des Respekts der Eltern gewiss sind, verarbeiten sie Deprivationserfahrungen erstaunlich leicht. Frustration zeigt sich erst dann, wenn die Deprivation grundlegende Anteile der Persönlichkeit des Kindes betrifft.

Folglich stehen bedrohliche Frustrationserfahrungen konzeptionell anderen bedrohlichen Situationen näher, als der Deprivationserfahrung. Zudem treten die klassischen Auswirkungen der Frustration häufig als Folge anderer bedrohlich-traumatisierender Erfahrungen auf, etwa Konflikt, Zurückweisung, schwere Erkrankungen, physische Bedrohung, Todesnähe, Beschämung, Isolation oder Prestigeverlust.

Maslow formuliert abschließend seine Hypothese, das Frustrationskonzept sei weniger konstruktiv als die überschneidenden Konzepte I Deprivation (welche im Effekt geringer ausfällt als Frustration) und II Bedrohung der Persönlichkeit (im Effekt wesentlich stärker als Frustration).

Quelle:
Maslow, Abraham: Deprivation, Threat and Frustration, 1941 (Host: yorku.ca) HTML


Zitation

wieser, d. (03. Juni '07): Maslow, Abraham: Deprivation, Bedrohung und Frustration, URL: http://www.social-psychology.de/sp/notizen/maslow-deprivation


31. Juli '07

Shermer: Skeptizismus, Deromantisierung, Entmystifizierung

Bei einer Konferenz für Technology, Entertainment, Design (TED) liefert Shermer in einer knappen Viertelstunde die kuriosesten (willkommensten) Irrtümer ab, denen die Menschen der Neuzeit heißblütig anhängen. Der große Skeptiker gibt sich sarkastisch und unterhält sein Publikum ganz hervorragend mit einer feinen Kette seiner Enthüllungen.

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Schlüsselkonzept
06. Juni '07

Aggression

Aggression umfasst in psychologischem Verständnis die bewusste, willentliche Verletzung anderer Personen. Nicht nur Handlungen, auch Worte gelten als verbale Aggression, wenn sie anderen psychologischen Schaden zufügen. Darüber hinaus können auch Gedanken bzw. Phantasien als aggressiv gelten, welche die Verletzung anderer zum Inhalt haben.


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Referat
05. Juli '07

Gehorsam in moderner Gesellschaft: Die Utrecht Studien.

Das Gewicht der Autoritätsperson im Gehorsamsexperiment hat bei den Utrecht Studien nicht weniger Einfluss als bei Milgrams Experiment. Da die Form der ausgeübten Gewalt in dieser Studie alltäglichen Situationen angenähert ist, resultiert eine insgesamt höhere Gehorsamsbereitschaft für psychologisch-administrative Gewalt. Die Autoren sprechen hier von einem “Charakteristikum normaler sozialer Umstände” in modernen westlichen Gesellschaften.
Anders als in Milgrams Experimenten ist der Gehorsam hier nicht durch mangelnde Orientiertheit der Probanden zu erklären. Selbst wenn eine Woche im Voraus klar war, worum es im Experiment gehen würde, war die Gehorsamsbereitschaft extrem hoch. Die Experimente zeigten, dass die Probanden durchaus nicht unfähig wären, sich einer Autorität zu widersetzen, da sie sich beim ersten Anzeichen von Gefahr für sich selbst (legal liability) durchaus ungehorsam zeigen konnten. Als Grund nehmen die Autoren an, das Opfer sei in den Augen der Probanden eine neutrale Person, deren Schicksal ihnen letztlich gleichgültig sei, wenn sie die Verantwortung für den durch sie entstehenden Schaden einer Autorität (Institution) zuschreiben können.

Quelle: H.J. Wim Meeus & Quinten A.W. Raaijmakers: Obedience in modern society: the Utrecht studies. in: Journal of Social Issues, 1995.


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