Bandura, Albert [*1925 ]

Selbstregulierung

Selbstregulierung – das eigene Verhalten zu kontrollieren – ist das andere Standbein der menschlichen Persönlichkeit. Bandura schlägt hier drei Schritte vor:

1. Selbstbeobachtung ( self-observation ). Wir beobachten uns selbst, unser Verhalten, und behalten es genau im Auge.

2. Beurteilung ( judgment ). Wir vergleichen das, was wir sehen, mit einem Standard. Wir können zum Beispiel unser Verhalten mit traditionellen Standards wie etwa “Regeln der Etikette” vergleichen. Oder wir können arbiträre Standards erstellen wie zum Beispiel “Ich werde ein Buch pro Woche lesen”. Oder wir können mit anderen oder uns selbst wetteifern..

3. Rückmeldung des Selbst ( self-response). Wenn Sie im Vergleich mit dem von Ihnen gesetzten Standard gut abgeschnitten haben, geben Sie sich selbst ein belohnendes Feedback (self-response). Wenn Sie schlecht abgeschnitten haben, geben Sie sich selbst ein bestrafendes Feedback. Diese Rückmeldungen können vom Offensichtlichen (ein Eis als Belohnung) bis zum Versteckten (Gefühle von Stolz oder Scham) reichen.

Ein sehr wichtiges Konzept in der Psychologie, das mit der Vorstellung der Selbstregulierung gut nachvollzogen werden kann, ist das Selbstkonzept (auch als Selbstachtung bekannt). Wenn Sie über die Jahre feststellen, dass Sie Ihren Standards entsprechen und Ihr Leben mit Hochachtung und Belohnung ausfüllen können, dann haben Sie ein angenehmes Selbstkonzept (hohes Selbstwertgefühl). Wenn Sie auf der anderen Seite zu der Einsicht gelangen, dass Sie Ihren Standards nicht entsprechen können und sich selbst bestrafen müssen, verfügen Sie über ein dürftiges Selbstkonzept (geringes Selbstwertgefühl).

Erinnern wir uns: Behavioristen betrachten verstärkende Impulse generell als effektiv und Bestrafung als mit Schwierigkeiten beladen. Gleiches gilt für die Selbstbestrafung. Bandura sieht drei mögliche Ergebnisse exzessiver Selbstbestrafung:

  • a. Kompensation ( compensation ) – ein umgekehrter Minderwertigkeitskomplex zum Beispiel, und auch illusorische Erhabenheitsgefühle.
  • b. Untätigkeit ( inactivity ) – Apathie, Langeweile, Depression.
  • c. Flucht ( escape ) – Drogen und Alkohol, Fernsehfantasien oder sogar die ultimative Flucht, der Suizid.

Diese ähneln den ungesunden Persönlichkeiten, von denen Adler und Horney sprechen: ein aggressiver Typ, ein unterwürfiger Typ und ein vermeidender Typ.

Banduras Empfehlungen für diejenigen, die an dürftigen Selbstkonzepten leiden, ergeben sich direkt aus den drei Stufen der Selbstregulierung:

  1. bezogen auf die Selbstbeobachtung – erkenne dich selbst! Stellen Sie sicher, dass Sie ein zutreffendes Bild von Ihrem eigenen Verhalten haben.
  2. bezogen auf Standards – stellen Sie sicher, dass Ihre Standards nicht zu hoch angesetzt sind. Setzen Sie sich nicht mutwillig Versagenserfahrungen aus! Auf der anderen Seite sind zu niedrig angesetzte Standards bedeutungslos.
  3. bezogen auf die Rückmeldung des Selbst – belohnen Sie sich selbst, statt sich zu bestrafen. Feiern Sie Ihre Siege, statt an Ihren Misserfolgen hängen zu bleiben.
Zitation

Boeree, C. George (06. Juni 2007): Persönlichkeitstheorien: Bandura, Albert [*1925 ], URL: http://www.social-psychology.de/sp/pt/bandura

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