
Ellis, Albert [*1913]
Als ich begann, diese Zusammenstellung von Persönlichkeitstheorien ins Internet zu stellen, habe ich verschiedene Vorschläge entgegengenommen, ich solle diesen oder jenen Theoretiker doch aufnehmen; gelegentlich mit dem stillen Vorwurf, ich müsse wohl völlig daneben sein, wenn ich dieses oder jenes Genie nicht in meine Liste aufnähme! Ich habe zum Beispiel Allport auf der Basis eines solchen Vorschlags hinzugefügt.
Die meisten jedoch habe ich nicht aufgenommen, weil das jeweilige Genie wohl kaum an die Standards heran reicht, die von Theoretikern wie Rogers oder Horney gesetzt wurden, weniger noch an die von Jung oder Binswanger – egal wie sehr man andere Genien auch verehren mag. Doch Albert Ellis erregte meine Aufmerksamkeit! Obwohl er zugegebenermaßen eine “klinische” Theorie entwickelt hat (i.e. sich vornehmlich der Weiterentwicklung von Therapieformen widmete), ist seine Theorie meiner Meinung nach ebenso hoch entwickelt wie andere.
Um die Sache einfacher zu gestalten, habe ich mit der Genehmigung des Albert Ellis Institute, hier Auszüge aus zwei Texten verwendet, die Ellis Theorie wiedergeben.
Aus einem Artikel von Gary Gregg
Albert Ellis wurde 1913 in Pittsburgh geboren und wuchs in New York City auf. Er verstand es, das Beste aus einer schwierigen Kindheit zu machen, indem er seinen Kopf benutzte und, wie er sich ausdrückte, “a stubborn and pronounced problem-solver” (ein sturer und ausgesprochener Problemlöser) wurde. Eine ernste Nierenerkrankung ließ sein Interesse von Sport zu Büchern wechseln und die Schwierigkeiten in der Familie (seine Eltern ließen sich scheiden als er 12 Jahre alt war) ließen ihn an seinem Verständnis anderer Menschen arbeiten.
In der Junior High School nimmt sich Ellis vor, der Große Amerikanische Romanautor zu werden. In der High School und im College wollte er Buchführungskurse belegen, genügend Geld verdienen, um sich mit 30 zur Ruhe setzen zu können und dann ohne finanziellen Druck schreiben zu können. Die Große Depression setzte seiner Vision ein Ende, doch er absolvierte das College 1934 mit einem Abschluss in Business Administration von der City University New York. Zu seinen ersten Unternehmungen in der Geschäftswelt zählt ein pants-matching business, das er zusammen mit seinem Bruder begann. Sie suchten auf den New Yorker Kleiderauktionen nach Hosen, die zu den Anzugjacken ihrer Kunden passten. 1938 wurde Ellis Personalmanager einer gift and novelty firm.
Ellis widmete einen Großteil seiner Freizeit dem Schreiben von Kurzgeschichten, Dramen, Romanen, komischer Poesie, Essays und Sachbüchern. Als er 28 Jahre alt war, hatte er fast zwei Dutzend vollständige Manuskripte fertig gestellt, doch er war noch nicht in der Lage, sie auch veröffentlichen zu lassen. Ellis erkannte, dass seine Zukunft nicht die des Romanautoren sein würde, und wandte sich nun ausschließlich dem Verfassen von Sachbüchern zu, um eine Bewegung voran zu treiben, die er als die “sex-family revolution” bezeichnete.
Als er immer mehr Material für ein Werk namens “The Case for Sexual Liberty” zusammengetragen hatte, betrachteten ihn viele seiner Freunde als so etwas wie einen Experten auf diesem Gebiet. Sie fragten ihn oft um Rat und Ellis entdeckte, dass er das Beraten ebenso liebte, wie das Schreiben. 1942 setzte er seinen Bildungsweg fort und nahm an einem Programm zur klinischen Psychologie in Columbia teil. Zusätzlich betreute er halbtags eine Privatpraxis für Familien- und Sexualberatung, kurz nachdem er 1943 seinen Mastersabschluss erhalten hatte.
Als die Columbia Universität ihm 1947 den Doktortitel zuerkannte war Ellis der Auffassung, Psychoanalyse sei die tiefste und effektivste Therapieform. Er entschied, sich einer Trainingsanalyse zu unterziehen und innerhalb der nächsten Jahre ein hervorragender Psychoanalytiker zu werden. Doch die Psychoanalytischen Institute nahmen keine Trainees auf, die keinen M.D. Abschluss vorweisen konnten, doch in der Gruppe um Karen Horney fand er einen Analytiker, der sich einverstanden erklärte, mit ihm zu arbeiten. Ellis schloss eine vollständige Analyse ab und begann unter der Aufsicht seines Lehrers klassische Psychoanalyse zu praktizieren.
Ende der 40er unterrichtete er am Rutgers und der New York University, und war Senior Clinical Psychologist an der Northern New Jersey Mental Hygiene Clinic. Ellis wurde Chief Psychologist am New Jersey Diagnostic Center und später am New Jersey Department of Institutions and Agencies.
Doch Ellis Vertrauen in die Psychoanalyse zerfiel rasch. Zum Beispiel erkannte er, dass seine Patienten ebenso gute Fortschritte machten, wenn er sie nicht täglich, sondern nur einmal wöchentlich oder im Abstand von zwei Wochen sah. Er nahm eine aktivere Rolle ein, gab Ratschläge sowie direkte Interpretationen, wie er es in seiner Tätigkeit als Berater für Menschen mit familiären oder sexuellen Problemen getan hatte. Die Klienten schienen sich so schneller zu erholen, als bei Anwendung der passiven psychoanalytischen Vorgehensweise. Ellis erinnerte sich, dass er sich vor seiner eignen Analyse mit seinen Probleme auseinandergesetzt hatte, indem er die Philosophien von Epiktet, Markus Aurelius, Spinoza und Bertrand Russel gelesen und praktiziert hatte; so begann er nun, auch seinen Klienten die Philosophien nahe zu bringen, die ihm selbst geholfen hatten.
1955 hatte Ellis die Psychoanalyse vollständig aufgegeben und konzentrierte sich statt dessen darauf, das Verhalten der Menschen zu ändern, indem er sie mit ihren irrationalen Annahmen konfrontierte und sie überzeugte, von rationalen Annahmen auszugehen. Diese Rolle passte besser zu Ellis, weil er so sich selbst gegenüber treu bleiben konnte. Er sagte hierzu: “When I became rational-emotive, my own personality processes really began to vibrate” (Als ich begann, rational-emotiv vorzugehen, begannen meine eigenen Persönlichkeitsprozesse zu vibrieren.).
Er veröffentlichte sein erstes Buch über Rational-Emotive Verhaltenstherapie (REBT): How to Live with a Neurotic, im Jahre 1957. Zwei Jahre darauf rief er das Institute for Rational Living ins Leben, wo er Workshops abhielt, um anderen Therapeuten seine Prinzipien nahe zu bringen. The Art and Science of Love, sein erstes wirklich erfolgreiches Buch, erschien 1960, bislang hat er 54 Bücher und über 600 Artikel über REBT, Sex und Ehe veröffentlicht. Derzeit ist Albert Ellis Präsident des Institute for Rational-Emotive Therapy in New York, welches Vollzeit-Trainingsprogramme anbietet und eine große psychologische Klinik betreut.
Zitation
Bandura, Albert [*1925 ] « | » Soziobiologie
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