
Erikson, Erik [1902-1994]
Kinder und Erwachsene
Eine der vielleicht größten Innovationen war es, dass Erikson nicht fünf Entwicklungsstufen postulierte, wie Freud es tat, sondern acht. Erikson führte Freuds genitale Phase bis in die Adoleszenz plus drei Phasen des Erwachsenseins weiter. Mit Sicherheit hören wir nicht auf, uns – insbesondere psychologisch – auch nach unserem zwölften oder dreizehnten Geburtstag weiter zu entwickeln; es scheint also logisch, jede Theorie der Entwicklungsstadien auch auf spätere Entwicklungen auszudehnen!
Erikson hat sich zudem auch über die Interaktion der Generationen geäußert, er bezeichnete diese Interaktion als Gegenseitigkeit (mutuality). Freud hat sehr deutlich herausgestellt, dass Eltern einen dramatischen Einfluss auf die Entwicklung des Kindes haben. Erikson fügte hinzu, dass auch die Kinder die Entwicklung der Eltern beeinflussen. Zum Beispiel ändern Kinder das Leben eines bislang kinderlosen Paares nachhaltig und führen die neuen Eltern weiter auf ihrem Entwicklungspfad voran. So ist es auch angemessen, eine dritte (und in manchen Fällen auch vierte) Generation ins Licht zu rücken: Viele von uns wurde von ihren Großeltern beeinflusst und umgekehrt.
Ein besonders deutliches Beispiel der Gegenseitigkeit kommt in den Schwierigkeiten einer sehr jungen Mutter zum Tragen. Obwohl Mutter und Kind ein schönes Leben führen, ist die Mutter noch immer mit den Entwicklungsaufgaben der Adoleszenz beschäftigt, sie muss herausfinden, wer sie ist und wie sie ihren Platz in der großen Gesellschaft findet. Die Beziehung, die sie mit dem Vater des Kindes hat oder hatte, mag auf beiden Seiten eher unreif gewesen sein, und wenn sie nicht heiraten, wird die Mutter des Kindes sich auch mit den Anforderungen, eine Beziehung aufzubauen und zu pflegen, auseinandersetzen müssen. Das Kind hat hingegen jene klaren und eindeutigen Bedürfnisse, die Kinder eben haben, von diesen Bedürfnissen ist das wichtigste das Bedürfnis nach einer Mutter mit den reifen Fähigkeiten und der sozialen Unterstützung, die eine Mutter haben sollte. Wenn die Eltern der jungen Mutter unterstützend eingreifen, wie man das vielleicht erwarten würde, dann werden auch sie auf ihrem Entwicklungspfad durcheinander geraten und zurück in eine Lebensweise geführt, die sie bereits hinter sich hatten, und die sie möglicherweise als unglaublich anstrengend empfinden werden. Und so weiter….
Die Leben der Menschen sind in hoch komplexer Weise miteinander verwoben, was für den Theoretiker sehr frustrierend sein kann. Doch wenn wir diese Verwobenheit nicht beachten, ignorieren wir einen lebenswichtigen Bestandteil unserer Entwicklung und unserer Persönlichkeit.
Tabelle adaptiert nach Eriksons Identität und Lebenszyklus, 1959 ( Psychological Issues Vol 1, #1)
Zitation
Freud, Anna [1895-1982] « | » Jung, C. G. [1875-1961]
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