
Die endgültige Persönlichkeitstheorie
Entwicklungsstufen
Vor den Entwicklungsstufen zucken die meisten Persönlichkeitstheoretiker zurück. Freud und Erikson sind offensichtlich die Ausnahmen, ebenso der Entwicklungspsychologe Piaget. Und dennoch gibt es eine sehr biologische Grundlage dieses Gedankens. Rein biologisch können wir mindestens drei Stufen unterscheiden: der Fötus, das Kind und den Erwachsenen. Das ist übrigens vollendet parallel zum Beispiel von Ei, Raupe, Schmetterling, wie wir es im Biologieunterricht gelernt haben!
Zusätzlich können wir drei Übergangsstadien hinzufügen: Kleinkindalter, Adoleszenz und hohes Alter ( senescence ).
- Das Kleinkindalter findet man eigentlich nicht bei primitiveren Tieren, beim Menschen ist es bedeutend übertrieben. Wir sind im Grunde genommen alle zu früh geboren. Das war vielleicht das Ergebnis eines evolutionären Dilemmas: Wie kann eine aufrecht gehende Kreatur ein Kind mit großem Kopf zur Welt bringen, ohne die Mutter dabei zu töten? Die Lösung: Gebären, bevor das Baby zu groß wird!
Dies bringt mehr als uns nur weitere Geburten zu ermöglichen. Es ermöglicht es dem Kleinkind, schon viel früher Informationen aufzusaugen und auch in anderer Form. Es scheint, dass unsere neuronale Entwicklung in den ersten sechs bis zwölf Monaten unvollständig ist. Während wir lernen, bilden wir eigentlich erst bestimmte neuronale Pfade, statt bloß Synapsen zu verdichten, wie es im späteren Leben geschieht. Es ist fast so, als seien dies kleine Lerninstinkte!
- Auch die Adoleszenz geht meines Erachtens als Entwicklungsstufe durch. Der Übergang vom Kind zum Erwachsenen bringt recht massive hormonelle Umstellungsprozesse mit sich, begleitet von einem Wachstumsschub, wie man ihn seit dem zweiten Lebensjahr nicht mehr erlebt hatte! Ich kann mir schwerlich vorstellen, dass diese Veränderungen psychologisch ohne Auswirkung bleiben können.
- Das hohe Alter ist genau genommen etwa das letzte Jahr eines vollen Lebens, während dieser Zeit verändern sich die Organe und fahren ihre Leistung herunter. Wir betrachten dies gewöhnlich nicht als Entwicklungsstufe, und die meisten Menschen erreichen diese Phase in der Tat gar nicht (Unfälle und Krankheiten kommen dem Alter gewöhnlich zuvor). Doch gesellschaftlich betrachtet, bereiten wir uns sicherlich auf diese Unausweichlichkeit vor, und das mag, wenn schon keine biologische, so doch eine gesellschaftliche Entwicklungsstufe darstellen.
Wie dieser letzte Punkt verrät, gibt es mit Sicherheit kulturelle Zusätze. In unserer Kultur gibt es einen scharf markierten Übergang vom noch nicht schulpflichtigen Kind zum Schulkind, und einen weiteren scharf markieren Übergang vom ledigen Erwachsenen zum verheirateten Erwachsenen. Bei aller Macht der Biologie können diese gesellschaftlichen Stufen genau so mächtig wirken.
Um eine Vermutung über die psychologische Seite dieser biologischen Stufen anzustellen:
- Der Fötus konzentriert sich auf biologische Entwicklung, welche durch die Gegenwart anderer beim Kleinkind zur Ichentwicklung hin zum Kind transformiert wird.
- Die Ichentwicklung des Kindes wiederum wird durch die Ankunft der Sexualität in der Adoleszenz in das “Trans-Ich” oder die gesellschaftliche Entwicklung des Erwachsenen transformiert.
Ich betrachte dies aus noch einem anderen Blickwinkel:
- In der Entwicklungsstufe des Fötus und des Kleinkindalters legen wir den Grundstein und entwickeln unsere Temperamente (gegründet in Hormonen und Neurotransmittern).
- In der Kindheitsstufe entwickeln wir eine Persönlichkeit (gegründet auf Gewohnheiten).
- In der Adoleszenz, die sich ins Erwachsenenleben fortsetzt, entwickeln wir Charakter (gegründet auf bewusstem Treffen von Entscheidungen).
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