Die endgültige Persönlichkeitstheorie

Lernen

Abgesehen von Ausnahmen wie Skinner, Bandura, Kelly und weniger anderer wird das Lernen von den meisten Persönlichkeitstheoretikern als selbstverständlich angesehen. Doch ich nehme an, das sollte so nicht sein. Wir können mindestens drei Arten des Lernens postulieren: umweltbezogen, sozial und verbal.

  • Umweltbezogenes Lernen schließt natürlich die behavioristische Konditionierung nach Pavlov und Skinner ein – man erhält Feedback von der Umwelt. Eingeschlossen ist auch das latente Lernen nach E. C. Tolman: Wir lernen etwas über unsere Umwelt, indem wir schlicht in dieser Umwelt sind!

George Kellys Art, grundsätzliches Lernen zu betrachten, basiert auf der Arbeit von Snygg und Combs, ihr Werk wiederum geht auf die Gestaltpsychologie zurück: Wir lernen auf der Basis der Konsequenzen, ein Ding vom anderen zu differenzieren. Für beide Richtungen, behavioristisch ebenso wie gestaltpsychologisch, erfordert das Lernen kaum Leistungen des Bewusstseins.

Es gibt auch umweltbezogenes Lernen, das andere Menschen mit einschließt. Wenn Junior etwas tut, das Mama oder Papa nicht gefällt, – dann mag er in irgendeiner Form bestraft werden. Desgleichen mag er belohnt werden, wenn er zur Abwechslung einmal das Richtige tut. Auch das wird gewöhnlich als Konditionierung bezeichnet, doch die Tatsache, dass andere Menschen am Prozess beteiligt sind, bedeutet, dass es sich auch um soziales Lernen handelt, welches mit zusätzlichen Schwierigkeiten beladen ist.

Beispiel: Wenn Ihnen jedes Mal, wenn Sie gegen einen Baum laufen, der Kopf schmerzt, werden Sie aufhören gegen Bäume zu laufen. Andererseits, wenn ihr Papa Sie jedes Mal auf den Kopf schlägt, wenn Sie “Scheiße!” sagen, hören Sie vielleicht damit auf … oder Sie gehen Papa aus dem Weg, Sie flüstern das Wort Scheiße, Sie fangen an, Ihren Vater und Autoritäten generell zu hassen, Sie beginnen, andere Kinder nach der Schule zu verprügeln und so weiter, bis eine Haftstrafe das Verhalten effektiv stoppt. Derartiges geschieht selten im Zusammenhang mit Bäumen.

  • Soziales Lernen bedeutet stellvertretendes Lernen ( vicarious learning ) – wenn man wahrnimmt und erinnert, welche Formen des umweltbezogenen Feedback und sozialer Konditionierung andere Menschen erfahren – und Nachahmung (Banduras Modeling). Diese Form des Lernens ist vermutlich am bedeutsamsten für die Entwicklung der Persönlichkeit. Es kann entweder bewusst ablaufen, wenn wir etwa einen Künstler dabei beobachten, wie er seine Technik erlernt, oder unbewusst, wenn wir uns zu irritierenden Kopien unserer Eltern entwickeln.
  • Und es gibt verbales Lernen – man lernt nicht von der Umwelt oder dem Verhalten der anderen, sondern von Worten. Kulturell betrachtet ist dies natürlich eine höchst bedeutungsvolle Art des Lernens. Ein Großteil der Lernleistungen, die wir in unserer langen Schulzeit erbringen, ist verbal. Und dennoch wissen wir gar nicht so sonderlich viel darüber!
Zitation

Boeree, C. George (06. Juni 2007): Persönlichkeitstheorien: Die endgültige Persönlichkeitstheorie, URL: http://www.social-psychology.de/sp/pt/fin-theorie

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