
Einleitung
Dies ist ein elektronisches Lehrbuch (E-Text), das ich für Seminare zu Persönlichkeitstheorien verfasst habe.
Die Texte unterliegen dem Copyright, doch Leser dürfen ohne Zustimmung des Verfassers Texte downloaden und ausdrucken, insofern das Material nur zu privaten Zwecken genutzt wird und der Quellverweis erhalten bleibt.
Ich hoffe, ihr habt Spaß beim Lesen!
Herzlich Willkommen zu den Persönlichkeitstheorien!
In diesem Seminar und “E-Text” werden wir uns eine ganze Reihe von Theorien anschauen, von Sigmund Freuds berühmter Psychoanalyse bis zu Viktor Frankls Logotherapie. Enthalten sind Biographien, Grundbegriffe und -konzepte, Erhebungsmethoden und Therapien, Diskussionen und Anekdoten sowie Quellen weiterführender Literatur.
Vielen wird das Gebiet ein wenig verwirrend vorkommen. Zunächst fragen viele “wer hat Recht?“ Leider ist dieses Gebiet der Psychologie direkter Forschung, die eine Theorie gegen eine andere einsetzt, am wenigsten zugänglich. Meist geht es um Sachverhalte, die nur der Person selbst zugänglich sind, die innersten Gedanken und Empfindungen. Einiges davon ist nicht einmal der Person selbst zugänglich – die Instinkte und unbewussten Motivationen. Anders ausgedrückt, befindet sich die Persönlichkeit noch in einer “vorwissenschaftlichen” oder philosophischen Phase, und für einige Aspekte wird sich das wohl auch nicht ändern.
Ein anderer Punkt ist, dass manche Menschen sich mit Persönlichkeitstheorien zu befassen beginnen und meinen, es sei das denkbar einfachste Thema und jeder – insbesondere sie selbst – bereits alle Antworten kennen. Nun ja, es ist richtig, dass die Persönlichkeitstheorien ohne alle höhere Mathematik und ohne Symbolsprache auskommt, die in Physik und Chemie (den berüchtigten “schweren” Fächern!) eine große Rolle spielen. Und es ist richtig, dass wir alle einen recht direkten Zugang zu unseren eigenen Gedanken und Empfindungen haben, außerdem auch hinreichende Erfahrungen im Umgang mit Menschen.
Doch hier verwechseln wir Vertrautheit mit Wissen, und vieles, von dem wir meinen, es zu wissen, stellt sich letztlich als Sammlung von Vorurteilen und Voreingenommenheiten heraus, die wir über die Jahre gespeichert haben. Tatsächlich nämlich ist das Thema Persönlichkeitstheorie vermutlich eines der schwierigsten und komplexesten Themen, mit denen man sich überhaupt befassen kann.
Nun, für den Augenblick hängen wir bei den Theorien (Plural) statt bei der Wissenschaft der Persönlichkeit fest. Während wir die verschiedenen Theorien durcharbeiten, werden wir jedoch einige finden, die gut zu unserer Erfahrung von Selbst und Anderen passen – das ist ein eher gutes Zeichen. Und es wird Phasen geben, in denen einige Theoretiker ähnliche Dinge sagen, obzwar sie ganz unterschiedliche Herangehensweisen wählen – auch das ist ein gutes Zeichen. Und manchmal gibt es ein Forschungsprogramm, das einige Theorien anderen vorzieht – das ist ein sehr gutes Zeichen.
Was Persönlichkeitstheorien meiner Meinung nach so interessant macht, ist die Tatsache, dass wir alle uns an diesem Prozess beteiligen können. Man benötigt weder Labore noch öffentliche Fördergelder, nur ein wenig Intelligenz, etwas Motivation und einen offenen Geist.
Zitation
Eine Einführung [2007] « | » Freud, Sigmund [1856-1939]
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