Einleitung

Theorie

Es wäre schön, mit einer Definition von Persönlichkeitstheorien zu beginnen.

Zuerst der Begriff Theorie: Eine Theorie ist ein Modell der Wirklichkeit, das uns hilft, diese Wirklichkeit zu verstehen, zu erklären, vorher zu sagen und zu kontrollieren. Bei der Erforschung der Persönlichkeit sind diese Modelle gewöhnlich verbal. Ab und an entwickelt jemand ein graphisches Modell, symbolische Illustrationen oder ein mathematisches Modell oder sogar ein Computermodell. Doch Worte bleiben die Grundform.

Verschiedene Zugangsweisen konzentrieren sich auf verschiedene Theorieaspekte. Humanisten und Existentialisten konzentrieren sich auf den Teil des Verstehens. Sie gehen davon aus, was wir sind sei viel zu komplex und in Geschichte und Kultur eingebettet, um “vorhersagbar und kontrollierbar” zu sein. Außerdem sind sie der Auffassung, es sei in erheblichem Maße unethisch, Menschen vorherzubestimmen und zu kontrollieren. Ist ein Gedanke hilfreich, wenn er also funktioniert, dann sollte man damit arbeiten! Ihnen ist das Verstehen sekundär.

Eine andere Definition besagt, eine Theorie sei die Anleitung zum Handeln: Wir nehmen an, die Zukunft wird so ähnlich sein wie die Vergangenheit. Wir nehmen an, dass Ereignissequenzen und -muster, die zuvor schon häufiger vorkamen, wahrscheinlich auch in Zukunft wieder vorkommen werden. Also schaut man nach den ersten Ereignissen einer Sequenz oder den lebendigsten Teilen eines Musters, um sie als Orientierungspunkte und Warnsignale zu verwenden. Eine Theorie ist ein bisschen wie eine Landkarte: Sie ist nicht identisch mit der Landschaft, die sie beschreibt; sie enthält garantiert nicht alle Einzelheiten; sie wird vermutlich nicht einmal sonderlich präzise sein. Dennoch bietet sie eine Anleitung zum Handeln – und sie ist die Vorlage, die wir ändern können, wenn sie Fehler enthält.

Persönlichkeit

Wenn wir gewöhnlich von jemandes Persönlichkeit sprechen, dann meinen wir das, was diese Person von anderen Leuten unterscheidet, etwas, das sie vielleicht sogar einzigartig macht. Dieser Aspekt der Persönlichkeit wird als individuelle Unterschiede bezeichnet. In einigen Theorien ist es der zentrale Punkt. Solche Theorien verwenden ein erhebliches Maß an Aufmerksamkeit auf Dinge wie Typen und Eigenschaften und Tests, mit welchen wir Menschen kategorisieren oder vergleichen können: Manche Menschen sind neurotisch, andere sind es nicht; manche Menschen sind introvertierter, andere extrovertierter; und so weiter.

Persönlichkeitstheoretiker interessieren sich ebenso für die Gemeinsamkeiten unter den Menschen. Was haben beispielsweise ein neurotischer Mensch und ein gesunder Mensch gemein? Oder was ist die gängige Struktur eines Menschen, welche sich bei einigen in Intraversion und bei anderen in Extraversion äußert? Dimensionalisiert man Menschen – also etwa gesund-neurotisch oder introvertiert-extrovertiert – dann sagt man damit aus, dass jeder Mensch sich auf dieser Skala wiederfinden kann. Ob sie nun neurotisch sind oder nicht, alle Menschen haben das Potenzial, gesund oder nicht gesund zu sein; und ob nun introvertiert oder extrovertiert, alle sind in irgendeiner Weise “vertiert”.

Eine andere Form, dies zum Ausdruck zu bringen ist, dass sich Persönlichkeitstheoretiker für die Struktur des Individuums interessieren, insbesondere für die psychologische Struktur. Wie sind die Menschen “zusammen gesetzt”; wie “funktionieren” sie; wie “zerfallen” sie.

Einige Theoretiker gehen noch einen Schritt weiter indem sie sagen, dass sie nach der Essenz des Personseins suchen. Oder sie sagen, sie suchen danach, was es bedeutet, ein menschliches Individuum zu sein. Das Feld der Persönlichkeitspsychologie erstreckt sich von recht simpler empirischer Suche nach Unterschieden zwischen den Menschen bis hin zu einer eher philosophischen Suche nach dem Sinn des Lebens!

Es ist vielleicht nur der Stolz, aber Persönlichkeitspsychologen halten ihr Feld gern für eine Art Dach aller übrigen Psychologie. Letztlich befassen wir uns alle mit Genetik und Physiologie, mit Lernen und Entwicklung, mit sozialer Interaktion und Kultur, mit Pathologie und Therapie. All diese Dinge kommen im Individuum zusammen.

Zitation

Boeree, C. George (08. Juni 2007): Persönlichkeitstheorien: Einleitung, URL: http://www.social-psychology.de/sp/pt/intro

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