Jung, C. G. [1875-1961]

Assessment

Katharine Briggs und ihre Tochter Isabel Briggs Myers empfanden Jungs Typologie als so klare Darstellung menschlicher Persönlichkeiten, dass sie sich entschlossen, auf dieser Grundlage einen Fragebogen zu entwickeln. Dieser wurde als Myers-Briggs Type Indicator bekannt und zählt zu den beliebtesten und am meisten untersuchten Persönlichkeitstests.

Auf der Grundlage Ihrer Antworten auf etwa 125 Fragen werden Sie einem von sechzehn Typen zugeordnet, dabei ist es möglich, dass manche Menschen sich auch irgendwo zwischen zwei oder drei dieser Typen einordnen lassen. Zu welcher Typologie Sie dann zählen, sagt bereits einiges über Sie aus – Ihre Vorlieben und Abneigungen, wahrscheinliche Karrierentscheidungen, zu welchen Menschen Sie passen und ähnliches mehr. Die meisten Menschen mögen diesen Test sehr gerne, denn er ist längst nicht so verurteilend wie andere Tests: Keiner der Typen ist wirklich furchtbar negativ und es gibt auch keine überragend positiven Typen. Statt also zu erfassen, wie “verrückt” Sie sind, macht der “Myers-Briggs” Test Ihre Persönlichkeit nur weiteren Erkundungen zugänglicher.

Der Test hat vier Skalen. Extraversion – Introversion (E-I) ist die wichtigste Skala. Forscher, die mit diesem Test arbeiteten, fanden heraus, dass etwa 75 % der Bevölkerung extrovertiert ist.

Dann die Wahrnehmung – Intuition Skala ( Sensing – Intuiting (S-N)), hier ergab sich, dass etwa 75 % der Bevölkerung den Schwerpunkt auf Wahrnehmung legt.

Danach die Denken – Fühlen Skala ( Thinking – Feeling (T-F)). Zwar verteilt sich hier das Ergebnis recht gleichmäßig, Forscher aber fanden heraus, dass zwei Drittel der Männer Denkende und zwei Drittel der Frauen Fühlende sind. Das klingt nach Stereotypen, doch erinnern wir uns, dass Fühlen und Denken von Anhängern der Jungschen Theorie gleichermaßen geschätzt werden, ein Drittel der Männer sind Fühlende und ein Drittel der Frauen sind Denkende. Es bleibt darauf hinzuweisen, dass die Gesellschaft Denken und Fühlen anders bewertet, so dass fühlende Männer und denkende Frauen oftmals Schwierigkeiten im Umgang mit den stereotypierten Erwartungen der Menschen haben können.

Die letzte Einteilung, Beurteilen – Wahrnehmen ( Judging – Perceiving (J-P)), ist keine von Jungs ursprünglichen Dimensionen. Myers und Briggs haben diese Unterscheidung hinzugefügt, um Aussagen darüber treffen zu können, welche der Funktionen eines Menschen nun die bevorzugte ist. Im Allgemeinen sind bewertende Menschen vorsichtiger in ihrem Leben. Wahrnehmende Menschen neigen dazu, spontaner, manchmal leichtfertiger, zu sein. Wenn Sie extrovertiert und “J” (für Judging ) sind, sind Sie ein Denkender oder Fühlender, je nachdem, welche Funktion überwiegt. Extrovertiert und “P” (für Perceiving ) bedeutet, dass Sie ein wahrnehmender oder intuitiver Typ sind. Andererseits ist ein introvertierter Mensch mit hohen Werten für “J” ein wahrnehmender oder intuitiver Typ, während ein intovertierter Mensch mit hohen Werten für “P” ein denkender oder fühlender Typ sein wird. Die Werte für J und P sind in der Bevölkerung gleichmäßig verteilt.

Jeder Typ ist gemäß des Tests mit vier Buchstaben gekennzeichnet, wie etwa ENFJ. Diese Kürzel sind inzwischen so populär, dass sie sogar auf Nummernschildern auftauchen!

  • ENFJ ( extroverted feeling with intuiting ): Diese Menschen sind gute Redner. Sie neigen dazu, ihre Freunde zu idealisieren. Sie sind gute Eltern, lassen sich aber ausnutzen. Sie sind gute Therapeuten, Lehrer, Beamte und Verkäufer.
  • ENFP ( extroverted intuiting with feeling ): Diese Menschen lieben Neues und Überraschungen. Sie schwelgen in Emotionen und Ausdrucksformen. Sie neigen zu Muskelverkrampfungen und übermäßiger Wachsamkeit. Sie sind gut im Verkaufen, Werben, in Politik und Schauspiel.
  • ENTJ ( extroverted thinking with intuiting ): Als Chefs zu Hause erwarten diese Menschen sehr viel von ihren Ehepartnern und Kindern. Sie schätzen Ordnung und Struktur und geben gute Beamte und Administratoren ab.
  • ENTP ( extroverted intuiting with thinking ): Dies sind lebhafte Menschen, keinesfalls langweilig oder ordentlich. Als Partner sind sie insbesondere im ökonomischen Bereich ein wenig gefährlich. Sie können gut analysieren und geben gute Unternehmer ab.
  • ESFJ ( extroverted feeling with sensing ): Diese Menschen schätzen Harmonie. Sie haben strenge moralische Vorstellungen. Sie können Abhängigkeiten entwickeln, erst von den Eltern, dann von den Ehepartnern. Sie tragen das Herz auf der Zunge und gehen in Servicearbeiten auf, die ihnen persönlichen Kontakt zu Menschen bieten.
  • ESFP ( extroverted sensing with feeling ): Sehr großzügige und impulsive Menschen, sie haben eine geringe Angsttoleranz. Sie sind gute Darsteller, mögen Öffentlichkeitsarbeit und lieben das Telefon. Sie sollten wissenschaftliche Projekte allerdings meiden, insbesondere Naturwissenschaften.
  • ESTJ ( extroverted thinking with sensing ): Dies sind verantwortungsbewusste Partner und loyale Mitarbeiter. Sie sind realistisch, stehen mit beiden Beinen im Leben, sind ordentlich und lieben Traditionen.
  • ESTP ( extroverted sensing with thinking ): Dies sind Menschen, die Action lieben, oft gebildet, manchmal rücksichtslos – unsere “James Bonds”. Als Partner sind sie aufregend und charmant, doch es fällt ihnen schwer, Verpflichtungen einzuhalten. Sie geben gute Promoter, Unternehmer und Künstler ab.
  • INFJ ( introverted intuiting with feeling ): Dies sind die ernsten Schüler und Mitarbeiter, die wirklich ihren Beitrag leisten wollen. Sie sind leicht verletzbar, geben gute Ehepartner ab, neigen jedoch dazu, physisch reserviert zu bleiben. Sie sind gute Therapeuten, Ärzte, Minister usw.
  • INFP ( introverted feeling with intuiting ): Diese Menschen sind idealistisch, selbst-aufopfernd und irgendwie kühl oder reserviert. Sie sind sehr an der Familie orientiert, können sich aber nicht gut entspannen. Man findet sie in der Psychologie, Architektur und Religion, doch nie im Businessbereich. Sowohl Jung als auch ich bewundern diesen Typ. Natürlich sind sowohl Jung als auch ich vom Typ INFP!
  • INTJ ( introverted intuiting with thinking ): Das sind die unabhängigsten aller Typen. Sie lieben Logik und Ideen und fühlen sich zu naturwissenschaftlicher Forschung berufen. Dennoch können sie auch eher unbeirrbar sein.
  • INTP ( introverted thinking with intuiting ): aufrichtig, gedankenverloren und vergesslich, das sind die Leseratten. Sie sind sehr präzise in ihrem Sprachgebrauch, sind gut im Bereich Logik und Mathematik und geben gute Philosophen und theoretische Wissenschaftler ab, doch keine Schriftsteller oder Verkäufer.
  • ISFJ ( introverted sensing with feeling ): Diese Menschen sind an Service und Arbeit orientiert. Sie leiden an Erschöpfung und werden von Unruhestiftern magisch angezogen. Sie sind gute Krankenschwestern, Lehrer, Sekretäre, Ärzte, mittlere Manager und Hausmeister.
  • ISFP ( introverted feeling with sensing ): Sie sind scheu und zurückgezogen, nicht besonders gesprächig, lieben aber sinnliche Handlung. Sie malen, zeichnen, formen plastische Kunstwerke, komponieren, tanzen – sie mögen die Künste allgemein – und sie lieben die Natur. Sie sind nicht sonderlich pflichtbewusst.
  • ISTJ ( introverted sensing with thinking ): Dies sind verlässliche Pfeiler der Stärke. Sie versuchen oft, ihre Partner und andere Menschen zu ändern. Sie sind gute Rechnungsprüfer, Bilanzbuchhalter, Steuerprüfer, Sportlehrer und Pfadfinder!
  • ISTP ( introverted thinking with sensing ): Diese Menschen brauchen Action, sind furchtlos und sehnen sich nach Aufregung. Sie sind impulsiv und es ist gefährlich, sie stoppen zu wollen. Oft schätzen sie Werkzeuge, Instrumente und Waffen, sie werden oft technische Experten. Kommunikation interessiert sie wenig, so dass sie oft fälschlicherweise für dyslektisch oder hyperaktiv gehalten werden. Sie sind oft schlechte Schüler.

Auch ohne den Test selbst gemacht zu haben, kann man sich in einem oder zwei der angeführten Typen wiedererkennen. Oder lassen Sie andere Menschen Sie einordnen – sie geben vielleicht eine zutreffendere Einschätzung ab! Wenn Sie möchten, können Sie meinen an Jung orientierten Persönlichkeitstest online machen.

Zitation

Boeree, C. George (08. Juni 2007): Persönlichkeitstheorien: Jung, C. G. [1875-1961], URL: http://www.social-psychology.de/sp/pt/jung

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