
Kelly, George [1905-1967]
fundamentales Postulat ( fundamental postulate )
Kelly teilte seine Theorie in ein fundamentales Postulat und 11 Korollarien (=Schlussfolgerungen) auf. Sein fundamentales Postulat ist folgendes:
“A person’s processes are psychologically channelized by the ways in which he anticipates events.”
(Die Prozesse eines Menschen sind psychologisch in der Weise kanalisiert, wie dieser Mensch Ereignissen entgegensieht.)
(Dieses Postulat sowie alle folgenden Zitate stammen aus Kelly: Die Psychologie der persönlichen Konstrukte ( The Psychology of Personal Constructs ) erschienen 1955.)
Die zentrale Bewegung im wissenschaftlichen Prozess verläuft folgendermaßen: von der Hypothese zum Experiment oder zur Beobachtung, also von Erwartung zu Erfahrung und Verhalten.
Mit Prozessen meint Kelly unsere Erfahrungen, Gedanken, Empfindungen, Verhaltensweisen und was immer sonst noch übrig ist. All diese Dinge sind determiniert, und zwar nicht nur von der Realität dort draußen, sondern auch von unseren Bemühungen, die Welt, andere Menschen und uns selbst zu antizipieren, von einem Moment zum anderen ebenso wie von Tag zu Tag und von Jahr zu Jahr.
Wenn ich also aus dem Fenster schaue, um die Quelle irgendwelcher störender Geräusche zu finden, dann sehe ich nicht einfach exakt und vollkommen das, was da draußen ist. Ich sehe das, was meinen Erwartungen entspricht. Ich bin vielleicht auf Vögel eingerichtet, oder auf spielende Kinder. Ich bin nicht vorbereitet auf einen Bulldozer, der quietscht, statt wie gewöhnlich zu dröhnen, oder auf eine fliegende Untertasse, die in meinem Hof landet. Wäre wirklich ein UFO die Quelle des Lärms, würde ich es zuerst nicht wirklich wahrnehmen. Zuerst nämlich würde ich “etwas” wahrnehmen. Ich wäre verwirrt und ängstlich. Ich würde herauszufinden versuchen, was ich mir da gerade ansehe. Ich würde alle möglichen Verhaltensweisen an den Tag legen, die mir helfen, das herauszufinden, oder mich von der Quelle meiner Angst wegbringen! Erst nach einer Weile würde ich die richtige Antizipation, die richtige Hypothese herausfinden: “Oh mein Gott, es ist ein UFO!”
Wären UFOs in meiner Welt hingegen ein alltägliches Vorkommnis, würde ich bei kreischenden Geräuschen Vögel, Kinder oder ein UFO vermuten, eine Antizipation, die dann durch einen Blick aus dem Fenster leicht bestätigt werden könnte.
Konstruktkorollar ( construction corollary )
“A person anticipates events by construing their replications.”
(Man antizipiert Ereignisse, indem man ihre Replikationen übersetzt.)
Das bedeutet, dass wir unsere Antizipationen mit Hilfe unserer vergangenen Erfahrungen konstruieren. Wir sind grundlegend konservative Geschöpfe; wir erwarten, dass die Dinge so geschehen, wie sie zuvor schon geschehen sind. Wir suchen in unseren Erfahrungen nach den Mustern, nach Konsistenz. Wenn ich meinen Wecker stelle, gehe ich davon aus, dass er zur richtigen Zeit klingeln wird, wie er es immer tut. Wenn ich mich jemandem gegenüber nett verhalte, erwarte ich, dass er mich auch nett behandelt.
Das ist der Schritt von der Theorie zur Hypothese, also von Konstrukt (Wissen, Verständnis) zu Antizipation.
Erfahrungskorollar ( experience corollary )
“A person’s construction system varies as he successively construes the replication of events.”
(Das Konstruktsystem eines Menschen variiert, während er erfolgreich die Replikation der Ereignisse konstruiert.”
Wenn die Dinge nicht wie in der Vergangenheit geschehen, müssen wir Anpassungen vornehmen, rekonstruieren. Diese neue Erfahrung ändert unsere zukünftigen Antizipationen. Wir lernen.
Das ist der Schritt von Experiment und Beobachtung zur Validierung oder Rekonstruktion: Basierend auf den Ergebnissen unseres Experiments – unserem Verhalten – oder unserer Beobachtung – unseren Erfahrungen – behalten wir entweder unser Vertrauen in unsere Theorie der Wirklichkeit, oder ändern die Theorie.
Zitation
Piaget, Jean [1896-1980] « | » Bandura, Albert [*1925 ]
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