
Rank, Otto [1884–1939]
Leben und Tod
Eine weitere interessante Vorstellung, die Rank eingebracht hat, ist der Wettkampf von Leben und Tod. Er war der Auffassung, wir hätten einen “Lebenstrieb“, der uns antreibt, Individuen zu werden, kompetent und unabhängig und einen “Todestrieb“, der uns antreibt, Teil einer Familie, Gemeinschaft oder der Menschheit zu werden. Wir empfinden dem gegenüber aber auch eine Art von Furcht. Die “Furcht vor dem Leben“ ist die Furcht vor Trennung, Einsamkeit und Entfremdung; die “Furcht vor dem Tod“ ist die Furcht, im Ganzen verloren zu gehen, vor Stagnation, davor, niemand zu sein.
Unser Leben ist voller Trennungen, es beginnt bereits mit der Geburt. In Ranks erstem Buch geht es um das Trauma der Geburt, dort geht er davon aus, dass die Angst, die beim Geburtsvorgang erfahren wird, ein Modell für alle Formen der Furcht darstellt, die im späteren Leben erfahren werden. Auf die Geburt folgen Abstillen, Disziplin, Schule, Arbeit und die Erfahrung des gebrochenen Herzens … Doch diese Trennungserfahrungen zu vermeiden hieße, buchstäblich das Leben zu meiden und den Tod vorzuziehen – man fände nie heraus, wozu man in der Lage ist, man verließe nie die Familie oder die Umgebung, in der man aufgewachsen ist, man verließe nie den Mutterleib!
Folglich müssen wir unseren Ängsten ins Auge blicken und erkennen, dass wir sowohl das Leben als auch den Tod annehmen müssen, um uns vollkommen zu entwickeln, um zu Individuen zu werden und unsere Beziehungen zu anderen Menschen aufrecht zu erhalten.
Otto Rank hat nie eine “Schule” der Psychologie gegründet, wie Freud und Jung es taten, doch sein Einfluss findet sich überall wieder. Er hatte eine bedeutsame Wirkung auf Carl Rogers, einen subtilen Einfluss auf den älteren Adler ebenso wie auf Fromm und Horney und zudem Einfluss auf die Existentialisten, besonders auf Rollo May. Andere haben seine Ideen “wiedererfunden”, so dass wir Stücke seiner Theorie im Bereich der “Competence Motivation”, “Reactance Theory” und der “Terror Management Theory” finden.
Zitation
Jung, C. G. [1875-1961] « | » Adler, Alfred [1870–1937]
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