
Skinner, B. F. [1904-1990]
verstärkende Schemata
Skinner erzählt gerne davon, wie er “zufällig” – also “operant” zu seinen verschiedenen Entdeckungen gelangt ist. Zum Beispiel ging während einer Versuchsreihe das Futter für die Versuchstiere aus. Damals gab es noch kein Rattenfutter im Handel und Skinner musste die Futterkügelchen selbst herstellen, ein langsamer Prozess. Also entschied er sich, die Anzahl der Verstärkungen zu reduzieren, die er den Ratten für das jeweilige Verhalten, das er zu konditionieren versuchte, zumaß. Und siehe da, die Ratten hielten ihr operantes Verhalten aufrecht. So entdeckte Skinner die verstärkenden Schemata!
Das ursprüngliche Szenario ist kontinuierliche Verstärkung: Immer wenn die Ratte das jeweilige Verhalten zeigt (also zum Beispiel eine Taste betätigt), erhält sie einen Leckerbissen.
Das Schema mit festgelegtem Verhältnis ( fixed ratio schedule ) war das erste, das Skinner entdeckte: Wenn die Ratte die Taste, sagen wir, dreimal betätigt, erhält sie einen Leckerbissen. Oder fünfmal. Oder zwanzigmal. Oder “x” Mal. Dann gibt es eine festgelegte Relation von Verhalten und Verstärkungen: 3 zu 1, 5 zu 1, 20 zu 1, etc.
Das Schema mit festgelegten Zeitintervallen ( fixed interval schedule ) verwendet eine zeitliche Abstimmung. Betätigt die Ratte die Taste mindestens ein mal innerhalb einer spezifischen Zeitspanne (sagen wir von 20 Sekunden), erhält sie einen Leckerbissen. Tut sie es nicht, erhält sie nichts. Doch selbst wenn sie die Taste hundertmal innerhalb dieser 20 Sekunden betätigt, erhält sie trotzdem nur einen Leckerbissen! Etwas seltsames geschieht hier, denn die Ratte neigt dazu, sich auf einen Rhythmus einzuspielen: Sie verlangsamt die Häufigkeit ihres Verhaltens gemäß dem Verstärker, und wird wieder schneller, wenn die Zeit für den verstärkenden Impuls näher kommt.
Skinner untersuchte auch variable Schemata. Ein variables Verhältnis bedeutet, dass man das “x” verändert – erst erhält die Ratte einen Leckerbissen, nachdem sie die Taste drei mal gedrückt hat, dann nach 10 mal, dann nach einem mal, dann nach 7 mal und so fort. Ein variables Intervall bedeutet, dass der Versuchsleiter die Zeitspanne kontinuierlich ändert – erst 20 Sekunden, dann 5, dann 35, dann 10 und so weiter.
In beiden Fällen müssen die Ratten auf der Hut sein. Beim Schema mit variablen Intervallen können sie sich nicht mehr auf eine zeitliche Regelmäßigkeit einspielen, da sie keinen “Rhythmus” zwischen Verhalten und Belohnung mehr finden. Noch wichtiger ist, dass diese Schemata sich nur schwierig auslöschen lassen. Wenn man darüber nachdenkt, macht das auch Sinn. Wenn Sie eine Zeit lang keinen verstärkenden Impuls mehr erhalten haben, kann es einfach daran liegen, dass Sie sich gerade in einem besonders “schlechten” Intervall befinden! Nur noch einmal die Taste drücken und vielleicht kommt dann ja der Leckerbissen endlich!
Skinner zur Folge ist dies auch der Mechanismus des Glücksspiels. Sie gewinnen vielleicht nicht sehr oft, aber schließlich weiß man nie, ob und wann Sie wieder gewinnen werden. Es könnte gleich beim nächsten mal so weit sein, und wenn Sie jetzt nicht würfeln, oder jetzt nicht auf diese Zahl setzen, könnten Sie den Gewinn des Jahrhunderts verpassen!
Zitation
Fromm, Erich [1900-1980] « | » Eysenck, Hans [1916-1997]
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