Skinner, B. F. [1904-1990]

Walden II

Skinner begann seine Karriere als Magister der Englischen Literatur, er schrieb Gedichte und Kurzgeschichten. Natürlich hat er auch eine große Anzahl Fachaufsätze und Bücher zum Behaviorismus verfasst. Doch für sein Buch Walden II wird er wohl am ehesten in Erinnerung geblieben sein, darin beschreibt er eine Utopia-ähnliche Kommune, die auf den Prinzipien aufgebaut ist, die er in seiner wissenschaftlichen Arbeit zusammengestellt hat.

Die Menschen, insbesondere die religiös rechts gerichteten Menschen, haben sein Buch massiv kritisiert. Sie waren der Auffassung, seine Ideen nähmen uns unsere Freiheit und unsere Würde als menschliche Wesen. Auf die umfangreiche Kritik antwortete er mit einem weiteren Buch (einem seiner Besten), das er Beyond Freedom and Dignity nannte. Er fragte: Was meinen wir, wenn wir sagen, dass wir frei sein wollen? Für gewöhnlich meinen wir damit, dass wir nicht in einer Gesellschaft leben wollen, die uns für das bestraft, was wir gerne tun möchten. Nun gut – aversive Reize funktionieren ohnehin nicht gut, also weg damit! Stattdessen werden wir nur verstärkende Impulse dazu nutzen, die Gesellschaft zu “kontrollieren”. Und wenn wir uns für die richtigen Impulse entscheiden, werden wir uns frei fühlen, weil wir dann das tun, was wir als unseren Wunsch empfinden.

Ähnliches gilt für die Würde. Wenn wir sagen “sie starb in Würde”, was meinen wir damit? Wir meinen, dass sie ihr “gutes” Verhalten ohne offensichtliche Hintergedanken aufrecht erhalten hat. Im Grunde hat sie ihre Würde aufrecht erhalten, weil ihre Verstärkungs-Geschichte sie dahin geführt hat, das “würdevolle” Verhalten für bestärkender zu empfinden, als eine Szene zu machen.

Die Bösen tun Böses, weil das Böse belohnt wird. Die Guten tun Gutes, weil das Gute belohnt wird. Es gibt keine wahre Freiheit oder wahre Würde. Gerade jetzt sind unsere verstärkenden Impulse für gutes und schlechtes Verhalten chaotisch und außer Kontrolle geraten – entscheidend ist nur, ob man Glück oder Pech hat mit der eigenen “Wahl” der Eltern, Lehrer, Peers und anderen Einflüssen. Stattdessen könnten wir als Gesellschaft die Kontrolle übernehmen und unsere Kultur so erschaffen, dass das Gute belohnt und das Böse ausgelöscht wird! Mit der richtigen Verhaltenstechnologie können wir Kultur formen.

Sowohl Freiheit als auch Würde sind Beispiele für das, was Skinner als mentalistic constructs bezeichnet – sie sind nicht zu beobachten und damit nutzlos für die wissenschaftliche Psychologie. Weitere Beispiele sind Abwehrmechanismen, das Unbewusste, Archetypen, fiktionale Finalismen, Copingstrategien, Selbstverwirklichung, Bewusstsein, ja sogar Hunger und Durst. Das wichtigste Beispiel ist das, was Skinner als den Homunculus – lateinisch für “der kleine Man” – bezeichnet, dieser wohnt in uns und wird dazu herangezogen, unser Verhalten zu erklären, die Vorstellung von der Seele, dem Geist, dem Ego, dem Willen und natürlich auch der Persönlichkeit.

Skinner hingegen empfiehlt, dass Psychologen sich auf das konzentrieren, was sich beobachten lässt, nämlich auf die Umgebung und unser Verhalten in unserer Umwelt.

Literatur

Egal, ob man nun mit seinen Ideen übereinstimmt oder nicht, Skinner ist ein hervorragender Autor und es macht Spaß, seine Bücher zu lesen:

Walden Two – die Vision einer besseren Gesellschaftsform ( Walden II ), 1973.

Jenseits von Freiheit und Würde ( Beyond Freedom and Dignity ), 1971.

Daneben findet man die beste Zusammenfassung seiner Theorie in:

Was ist Behaviorismus? ( About Behaviorism ), 1974.

Zitation

Boeree, C. George (08. Juni 2007): Persönlichkeitstheorien: Skinner, B. F. [1904-1990], URL: http://www.social-psychology.de/sp/pt/skinner

Text ist in Seiten aufgespalten » Text nicht aufspalten

angrenzende Kapitel:
|

© 1998-2008 Dr. C. George Boeree. All rights reserved.
© dt. 2006-2008: d.wieser für social-psychology.de. All rights reserved.