«Wenn du allein wärst, würdest du dich in zwei schneiden, damit der eine Teil den anderen formt.»
Elias Canetti
Maslow, Abraham: Theorie menschlicher Motivation
d.wieser, 03. Juni 07
In einem Aufsatz aus dem Jahr 1943, der ursprünglich in der Psychological Review 50 veröffentlicht wurde, stellt Abraham Maslow seine Motivationstheorie in Abgrenzung von bestehenden Verhaltenstheorien dar.
Dreizehn zentrale Postulate werden aufgeführt, die Bestandteil jeder Theorie menschlicher Motivation sein sollten:
- Die integrierte Ganzheit des menschlichen Organismus muss ein Grundstein der Motivationstheorie sein.
- Kein physiologischer Trieb darf als Angelpunkt angenommen werden, weil Triebe für die menschliche Motivation atypisch sind.
- Im Zentrum sollen vielmehr die endgültigen, grundlegenden Ziele des Verhaltens stehen (es geht um den Zweck, statt um die Mittel), und damit erlangen unbewusste Motivationen wesentlich zentralere Bedeutung als bewusste Mittel.
- Es gibt verschiedene kulturell vorgegebene Mittel zu einem bestimmten Zweck, diese allerdings gelten als nicht so bedeutsam wie die jeweils zugrunde liegenden Ziele.
- Jegliches motiviertes Verhalten (vorbereitend ebenso wie vollziehend) wird als Kanal verstanden, durch welchen viele Grundbedürfnisse gleichzeitig ausgedrückt oder befriedigt werden können. Eine Handlung hat typischerweise mehr als nur eine einzige Motivation.
- Alle organismischen Zustände werden praktisch als motiviert und motivierend betrachtet.
- Menschliche Bedürfnisse ordnen sich in präpotenten Hierarchien an: das Auftreten eines Bedürfnisses beruht gewöhnlich darauf, dass zuvor ein anderes präpotentes Bedürfnis befriedigt worden ist. Der Mensch ist ein dauernd Bedürfnisse entwickelndes Tier: Kein Bedürfnis oder Trieb ist isoliert oder abgekoppelt zu sehen, sondern steht in Verbindung zum Befriedigungsgrad anderer Triebe.
- Eine Klassifikation der Motivationen kann mit Listen von Trieben nichts anfangen; bedeutsam für eine Klassifikation ist statt dessen das Problem der Ebenen bzgl. Spezifität oder Allgemeingültigkeit der Motive.
- Basis einer Klassifikation müssen die Ziele sein, nicht die auslösenden Triebe oder motiviertes Verhalten.
- In der Motivationstheorie sollte der Mensch (nicht das Tier) im Zentrum stehen.
- Die Situation oder das Umfeld, in welchem der Organismus reagiert, muss bedacht werden, doch das Umfeld allein kann keine Erklärung des Verhaltens liefern. Vielmehr muss das Umfeld im Sinne des Organismus interpretiert werden.
- Es geht nicht nur um die Integration des Organismus, sondern auch um mögliche isolierte, spezifische, partielle oder segmentierte Reaktionen.
- Die Motivationstheorie ist kein Synonym für Verhaltenstheorie, da Motivationen nur eine Klasse verhaltensbestimmender Eigenschaften darstellen. Verhalten ist fast immer motiviertes Verhalten, ebenso ist es fast immer biologisch, kulturell und situativ determiniert.
Maslow ordnet seine Theorie als “allgemein-dynamische” Theorie zum einen der funktionalistischen Tradition von William James und John Dewey bei; des weiteren sieht er konzeptionelle Nähe zum Holismus von Max Wertheimer, Goldstein und der Gestalttheorie sowie zum Dynamizismus Sigmund Freuds und Alfred Adlers.
Grundbedürfnisse
An der Basis der Motivationstheorie stehen physiologische Triebe als physiologische Bedürfnisse des Menschen. Dabei spielt die (damals neue) Erkenntnis eine Rolle, dass Vorlieben für bestimmte Nahrungsmittel einen Hinweis darauf geben, welcher Mangel im Körper vorherrscht: Das Konzept der Homöostase meint das automatische Bestreben des Organismus, eine Balance herzustellen – also etwa eine gleichmäßige Blutzirkulation, gleichmäßige Versorgung mit essentiellen Stoffen etc. Zudem sind die physiologischen Bedürfnisse des menschlichen Körpers schier unendlich, je nachdem, wie präzise man sie definiert. Maslow verweist im Rahmen der Motivationstheorie darauf, dass jegliches physiologisches Bedürfnis sowie das damit einhergehende erfüllende Verhalten auch als Kanal für verschiedenste andere Bedürfnisse fungiert. Beispielsweise mag jemand, der Hunger hat, eigentlich nach Trost suchen, statt nach Proteinen.
Die hierarchische Aufteilung:
Bei einem Menschen, dem es an allem mangelt, werden physiologische Bedürfnisse die Hauptmotivation darstellen, sie sind präpotenter (von vorrangigerer Macht), als alle übrigen Motivationen; wenn also Nahrung, Sicherheit, Liebe und Achtung im Leben eines Menschen fehlen, wird der Hunger das vorrangigste Bedürfnis sein. Rezeptoren und Effektoren, Intelligenz, Erinnerung, Gewohnheiten treten allesamt in den Dienst der Nahrungsbeschaffung, während Fähigkeiten, die diesem Ziel nicht förderlich sein können, zurück treten.
Wird ein Bedürfnis vorrangig, verändert sich auch die gesamte Zukunftsphilosophie des Individuums, so Maslow, sind die Grundbedürfnisse indes befriedigt, beginnen höhere Motivationen sofort, den Organismus zu dominieren. Sind diese befriedigt, werden Bedürfnisse einer noch höheren Ebene zur Motivation: Somit stellt Maslow fest, dass menschliche Grundbedürfnisse als in einer hierarchischen Ordnung relativer Präpotenz angeordnet zu verstehen sind:
physiologische Bedürfnisse … Sicherheit … Liebe … Achtung … Selbstverwirklichung
Auf der nächsten Ebene steht das Bedürfnis nach Sicherheit. Beim Erwachsenen bemerkt man nicht unbedingt, wenn das Sicherheitsempfinden bedroht ist, bei Kleinkindern allerdings tritt die Bedrohungsreaktion ungehemmt in Erscheinung. Anhand eines Beispiels illustriert Maslow, wie das gestörte Grundbedürfnis nach Sicherheit sich auswirken kann:
Ist ein Kind beispielsweise schwer erkrankt, nimmt es die Welt als etwas wahr, dem es ausgeliefert ist, eine Welt voller Ungewissheiten. Was zuvor Stabilität gab, ist instabil geworden. Ein Kind könnte in dieser Lage Alpträume entwickeln, sich übermäßig fürchten und in ungewohntem Maße Schutz und Geborgenheit suchen. Im Zusammenhang mit dem Sicherheitsbedürfnis steht auch die Neigung, Routinen und ununterbrochene Rhythmen des Lebens zu suchen, um die Welt auf diese Weise in Ordnung zu bringen.
Beim Erwachsenen ist das Grundbedürfnis nach Sicherheit zumeist ausgeglichen, Ausnahmen stellen Notfallsituationen dar – etwa Kriegszeiten, Naturkatastrophen oder Phasen, in denen Verbrechen die Sicherheit der Gemeinschaft bedrohen. Bei neurotisch Erkrankten tritt gesteigertes Sicherheitsbedürfnis zutage, wenn sie etwa kindliche Ängste vor bevorstehenden Katastrophen und zusammenhängende Reaktionen auf diese Unsicherheit zeigen. Als bestes Beispiel nennt Maslow zwanghaft-obsessive Formen der Neurose: Patienten setzen alles daran, Katastrophen zu vermeiden, sich zu schützen und die Welt sorgfältig zu ordnen. Unbeeinflussbares und Unerwartetes kann massive Panik auslösen.
Das in der Hierarchie nächsthöhere Grundbedürfnis ist das Bedürfnis nach Liebe, Zuneigung, Zugehörigkeit (zu Individuen oder Gruppen); das Lieben und Geliebtwerden. Als Mangel ist dieses Bedürfnis als Bestandteil von Devianz und Fehlanpassung bereits sehr gut erforscht worden. Maslow weist auf den verkomplizierenden Faktor hin, dass Liebe und deren (möglicherweise sexueller) Ausdruck in der Gesellschaft ambivalent besetzt, beschränkt, reglementiert und gehemmt sind. Sex hat im Rahmen der Motivationstheorie eher als physiologisches Bedürfnis zu gelten.
Das Bedürfnis nach Achtung bezieht sich auf die Sehnsucht nach stabiler, fundierter (meist) hoher Einschätzung der eigenen Person, nach Selbstrespekt, Selbstwert und Achtung, die dem Individuum von Seiten anderer entgegen gebracht wird. Hier unterscheidet Maslow (1) Das Bedürfnis nach Stärke, Leistung, zuversichtlicher Weltsicht, Unabhängigkeit und Freiheit von (2) dem Bedürfnis nach Reputation, Prestige (in den Augen anderer), Anerkennung, Aufmerksamkeit, Bedeutsamkeit und Wertschätzung. Die positive Ausprägungen dieses (befriedigten) Grundbedürfnisses zeigen sich als Selbstvertrauen, Wertschätzung, Stärke, das Gefühl, eines nützlichen Daseins. In der negativen Ausprägung (bei unbefriedigtem Grundbedürfnis) resultieren Minderwertigkeit und Hilflosigkeit.
Das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung, ein von Kurt Goldstein geprägter Begriff, will Maslow folgendermaßen verstanden wissen: Der Mensch muss sein, was er sein kann, um endgültig glücklich zu sein. Es geht bei diesem Grundbedürfnis also um die Verwirklichung der vorhandenen Potentiale. Sind alle übrigen Bedürfnisse gedeckt, kann auf dieser Ebene beispielsweise Kreativität möglich werden.
Im Folgenden wertet Maslow Voraussetzungen für die Befriedigung der genannten Grundbedürfnissen aus. Stehen diesen Grundbedingungen Hindernisse entgegen, werden sie ebenso heftig bekämpft, als sei ein Grundbedürfnis direkt betroffen: zu den Bedingungen zählen Freiheit (Redefreiheit; Freiheit, zu tun, was man will, so lange man niemandem schadet; Freiheit des Selbstausdrucks; Freiheit, Informationen zu sammeln), Selbstverteidigung, Gerechtigkeit, Fairness, Aufrichtigkeit, Ordnung innerhalb der Gruppe. Verständlicher Weise würden Hindernisse in den genannten Bereichen die Erfüllung der Grundbedürfnisse nahezu verwehren bzw. mindestens gefährden, weshalb Maslow diese Voraussetzungen als Bestandteil der Motivationstheorie verstanden wissen will.
Auch kognitive Fähigkeiten wie Wahrnehmung, Intellekt, Lernen (als Werkzeuge des Umgangs mit der Welt) dienen unter anderem dazu, Grundbedürfnisse zu befriedigen; jedes Hindernis in diesem Bereich funktioniert wie eine Bedrohung der Bedürfnisbefriedigung. Zwar bezieht Maslow diesen Punkt nicht ohne weiteres in die Bedürfnishierarchie ein, erwähnt jedoch zusätzliche Bedürfnisse, die durchaus eine bedeutsame Rolle spielen können.
Eine weitere Hypothese dieses Textes lautet, es gebe Abstufungen bezogen auf die relative Nähe zu Grundbedürfnissen: bewusste Bedürfnisse (partielle Ziele) seien abstufbar in ihrer Bedeutung je nach Nähe zum Grundbedürfnis; ebenso sei Verhalten psychologisch bedeutsam, wenn es direkt zur Befriedigung eines Grundbedürfnisses beitrage; und im Bereich der Abwehrmechanismen gilt, je näher sie zu Grundbedürfnissen in Beziehung stehen, desto bedrohlicher werde ihre Gefährdung wahrgenommen.
Zwei miteinander verwandte zusätzliche Bedürfniskonzepte stellt Maslow etwas abseits der fünf fest stehenden Grundbedürfnisse dar:
Das Bedürfnis nach Wissen und Verstehen spielt in die vorgenannten Konzepte marginal hinein, dennoch bleibt die Frage offen, welche motivierende Rolle Neugier, Lernen, Philosophieren und Experimentieren im Kontext menschlichen Verhaltens spielen. Bei intelligenten Menschen sei dies sogar ein starker Trieb, so Maslow. Es gibt also möglicherweise das menschliche Bedürfnis, zu wissen, sich der Realität bewusst zu sein, Fakten zu sammeln, Neugier zu befriedigen oder, wie Wertheimer es ausdrückte, zu sehen, statt blind zu sein.
Daran knüpft das Bedürfnis zu verstehen, zu systematisieren, zu ordnen, zu analysieren, nach Beziehungen und Sinnzusammenhängen zu suchen an. Maslow unterscheidet hier nicht zwischen kognitiven und konativen Bedürfnissen, denn das Bedürfnis zu verstehen ist selbst konativ (aus eigenem Antrieb wollend) und ebenso ein Grundbedürfnis wie die vorgenannten Konzepte.
Weitere Merkmale der Grundbedürfnisse
Zum Maß der Fixierung innerhalb der Bedürfnishierarchie nennt Maslow einige Ausnahmen, denn die Bedürfnishierarchie ist nicht uneingeschränkt als Fixum zu deuten: (1) Selbstwert kann wichtiger sein als das Bedürfnis nach Liebe; (2) ein von Geburt an kreativ veranlagter Mensch kann dieses Bedürfnis zum wichtigsten seines Lebens erheben; (3) das Voranschreiten von einer Ebene zur nächsten kann ganz ausbleiben, wenn Befriedigung auf niedriger Ebene dauerhaft verwehrt ist, dann nämlich kann sich ein Individuum ausschließlich mit der Befriedigung physiologischer Bedürfnisse zufrieden geben; (4) im Falle der sog. psychopathischen Persönlichkeit kann es zum dauerhaften Verlust des Liebesbedürfnisses kommen, etwa wenn der Mangel an liebender Zuwendung in der frühen Kindheit dauerhaft so groß war, dass dieses Bedürfnis ausgelöscht ist – ein Verhalten, das sich auch bei Tieren beobachten lässt; (5) ist ein Bedürfnis immer perfekt befriedigt, kann es unterbewertet sein – wenn jemand z.B. seinen Job aufgibt, um seinen Selbstrespekt nicht zu verlieren, mag er vielleicht sechs Monate lang hungern und dann willens sein, den Job wieder aufzunehmen, selbst auf Kosten des Selbstrespekts; (6) betrachtet man Verhalten statt der bewussten Wünsche, kann man eine anscheinende Umkehrung in der Hierarchie feststellen, es gibt allerdings abseits der Grundbedürfnisse zahlreiche verhaltensbestimmende Faktoren; und die vielleicht wichtigste Ausnahme ist (7) dann gegeben, wenn es um Ideale, hohe gesellschaftliche Standards, hohe Wertvorstellungen etc. geht, in solchen Kontexten können Menschen zu Märtyrern werden: Wer (insbesondere schon seit der frühen Kindheit) dauerhaft befriedigte Bedürfnisse erlebt hat, wird erstaunlich widerstandsfähig gegen Hindernisse der Bedürfnisbefriedigung sein, weil eine starke, gesunde Charakterstruktur ausgebildet werden konnte. Diese Menschen sind in der Lage, gegen den Strom zu schwimmen bzw. gegen die öffentliche Meinung zu opponieren, sie treten auch auf größere persönliche Kosten für Werte wie Wahrheit und Gerechtigkeit ein. Maslow formuliert diesbezüglich die Hypothese, erhöhter Frustrationstoleranz durch frühe Gratifikation. Bei Frustrationstoleranz geht es andererseits immer auch um schiere Gewöhnung, wie er weiter anmerkt, denn wer lange Zeit hindurch Hungern gewöhnt ist, wird dem Nahrungsmangel aus Gewöhnung widerstehen können. Offen bleibt die Frage, welche Balance hier zwischen Toleranz durch Gewöhnung an früheren Mangel und Toleranz aus Widerstandsfähigkeit durch frühere Befriedigung besteht.
Weitere interessante Punkte zur Theorie der Motivation
- Generell sind wohl alle Menschen in allen Grundbedürfnissen partiell befriedigt und partiell unbefriedigt zugleich; aufwärts in der Hierarchie nimmt die Befriedigungsquote prozentual eher ab.
- Bedürfnisse sind sowohl bewusst, als auch unbewusst, der Durchschnittsmensch zeigt eher unbewusste Bedürfnisse, welche zudem als aufschlussreicher zu gelten haben als bewusste Bedürfnisse, so Maslow.
- Die Klassifizierung der Bedürfnisse in einer Hierarchie trägt der Einheitlichkeit hinter offenkundiger kultureller Diversität der Menschen Rechnung, erhebt allerdings keinen Anspruch auf Universalität (besonders in kulturellem Kontext).
- Die Grundbedürfnisse stellen keine exklusiven oder vereinzelt zu verstehenden Determinanten menschlichen Verhaltens dar, da Verhalten meist zahlreiche interdependente Motivationen zeigt.
- Ebenso ist nicht alles Verhalten von den genannten Grundbedürfnissen determiniert (bzw. nicht einmal motiviert). Man hat zwischen expressivem Verhalten (welches der Persönlichkeit Ausdruck verleiht) und Coping (funktionalem Streben, zweckorientiertem Erreichen eines Zieles) zu unterscheiden.
- Im Zentrum der Motivationstheorie stehen Funktionen, Zwecke, Effekte oder Ziele des Verhaltens, nicht das motivierende Verhalten oder die Auslöser selbst.
- Entgegen behavioristischer Forschungsansätze spricht sich Maslow für die Untersuchung menschlichen Verhaltens aus, ohne Zusammenhänge aus dem Verhalten der Tiere abzuleiten – es sollen keine Pseudo-Einfachheiten konstruiert, sondern die menschliche Motivation erforscht werden.
- Zum Zusammenhang von Motivation und der Theorie der Psychopathogenese: Alltägliche bewusste Bedürfnisse haben nicht als Symptome (oberflächliche Indikatoren grundlegenderer Bedürfnisse) zu gelten. Unwichtige gehemmte Bedürfnisse haben keine psychopathologischen Folgen, wohl aber die Hemmung eines jeweils grundlegenden Bedürfnisses. Ein Konflikt oder eine Frustration ist nicht notwendiger Weise pathogen, wird allerdings pathogen, wenn dadurch ein Grundbedürfnis blockiert oder bedroht ist; ebensolches gilt für partielle Bedürfnisse, die eng mit einem Grundbedürfnis verbunden sind.
- Zur Rolle der gewährten Bedürfnisse: Bedürfnisse tauchen erst auf, wenn präpotentere Bedürfnisse gewährt und befriedigt sind, gewährte Bedürfnisse spielen dann keine aktiv determinierende oder verhaltensbestimmende Rolle mehr.
Fragt man, was uns eigentlich motiviert, und nicht, was uns motiviert hat, motivieren wird oder motivieren könnte, so ist ein befriedigtes Bedürfnis nicht mehr als Motivation zu sehen.
Der gesunde, normale, glückliche Mensch hat kein Sexual-, Hunger, Sicherheits-, Liebes-, Prestige- oder Selbstwertbedürfnis, außer in gelegentlichen Augenblicken einer schnell verschwindenden Bedrohung.
In der Art, wie ein Mangel an Vitaminen oder Mineralstoffen vom Arzt als Krankheitszustand diagnostiziert wird, hat für Maslow als krank zu gelten, wem die Erfüllung eines Grundbedürfnisses verwehrt ist. Ein gesunder Mensch wird vornehmlich von seinen Bedürfnissen angetrieben, sein volles Potential zu entfalten und zu verwirklichen.
Fragt man also danach, was der Mensch vom Leben will, so befasst man sich mit seiner eigentlichen Essenz, so Maslow.
Zusammenfassung
Es gibt mindestens fünf Zielsetzungen bzw. Grundbedürfnisse, damit einhergehend die jeweiligen Bedürfnisse, die verschiedenen Voraussetzungen zu erreichen oder zu erhalten, sowie gewisse intellektuelle Bedürfnisse des Menschen.
Die Ziele lassen sich in einer Hierarchie gemäß ihrer Präpotenz anordnen.
Es gibt (die Möglichkeit), dass die Erfüllung diese Grundbedürfnisse verwehrt ist, oder dass die sie beschützenden Abwehrmechanismen oder Bedingungen, denen sie unterliegen, gefährdet sind, was das Individuum als psychologische Bedrohung erlebt. Mit Ausnahmen ließen sich alle Psychopathologien partiell mit solchen Bedrohungen in Zusammenhang bringen. Grundlegende Bedrohungen führen eine allgemeine Notfallreaktion herbei.
Als weiterhin zu erforschende Faktoren nennt Maslow (a) das Wertproblem in einer abschließenden Motivationstheorie; (b) die Beziehung zwischen Appetit, Wünschen, Bedürfnissen und dem, was “gut” für den Organismus ist.; ( c) Ätiologie der Grundbedürfnisse und ihrer möglichen Deprivation in der frühen Kindheit; (d) eine Redefinition der Konzepte Trieb, Wunsch, Bedürfnis und Ziel; (e) Bedeutung der Motivationstheorie für die hedonistische Theorie; (f) der genaue Charakter der unvollendeten Handlung, von Erfolg und Misserfolg sowie Zielsetzung; (g) Rolle von Assoziation, Gewohnheit und Konditionierung; (h) Beziehung zur Theorie interpersonaler Beziehungen; (i) Bedeutung für die Psychotherapie; (j) Bedeutung für die Gesellschaftstheorie; (k) Theorie der Selbstsucht; (l) Beziehung zwischen Bedürfnissen und kulturellen Mustern; (m) Beziehung der Motivationstheorie zu Allports Theorie funktionaler Autonomie.
Quelle:
Maslow, Abraham: A Theory of Human Motivation, 1943 (Host: yorku.ca) HTML
Zitation
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